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Exklusiv: Neue McKinsey-Studie
NRW liegt weit hinter Bayern – aber 300 000 neue Jobs sind möglich

Das ist Hannelore Krafts Kabinett
Das ist Hannelore Krafts Kabinett FOTO: dpa, Federico Gambarini
Düsseldorf. Die NRW-Wirtschaft fällt seit Jahren zurück. Das Land fördert falsch, und Unternehmen investieren zu wenig, heißt es in einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey. Sie zeigt, wie neue Jobs in NRW entstehen können.

Nordrhein-Westfalen bleibt weit unter seinen Möglichkeiten, könnte es aber bis zum Jahr 2020 schaffen, zu Ländern wie Bayern aufzuschließen. Das ist das Ergebnis der Studie "NRW 2020 – unser Land, unsere Zukunft", die die Unternehmensberatung McKinsey am Montag vorstellen will. "Im Jahr 2020 ist ein zusätzliches Bruttoinlandsprodukt von 27 Milliarden Euro möglich ebenso wie die Schaffung von über 300.000 neuen Arbeitsplätzen", heißt es in der 72-seitigen Studie, die unserer Zeitung vorliegt.

Die Experten zeichnen dort ein trübes Bild von Nordrhein-Westfalen: "Die Wirtschaft in NRW fällt seit 1980 gegenüber anderen Bundesländern zurück." Seit der deutschen Einigung liegt das Inlandsprodukt pro Kopf in NRW unter dem Durchschnitt der westlichen Bundesländer. NRW-Bürger erwirtschaften im Schnitt 32.600 Euro im Jahr, in Bayern sind es 36 900 Euro. "Das Land schöpft sein Potenzial nicht aus", steht in der Studie. Das lässt sich nach Meinung der McKinsey-Experten ändern.

NRW könnte langfristig zu den drei wirtschaftsstärksten Bundesländern aufschließen. McKinsey hat vier Wachstumsfelder ausfindig gemacht, die bis 2020 und darüber hinaus ein hohes Entwicklungspotenzial versprechen.

1. Kreislaufwirtschaft – NRW wird Recyclingzentrum Europas

Allein hierdurch könnten 35.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Unter dem Motto "Dein Abfall ist mein Rohstoff" bieten sich viele Chancen, um wertvolle Rohstoffe aus ausgedienten Maschinen, Elektrogeräten und Handys zu gewinnen. Als Kerninitiative schlagen die Autoren vor, dass NRW sich um die Ansiedlung des größten Recyclingzentrum Europas bemühen soll. Standorte: Duisburg oder Dortmund.

2. Urbane Mobilität – NRW baut eine neue City-Logistik auf

Hierdurch könnten 15 000 neue Arbeitsplätze entstehen. Als Kerninitiative schlagen die Autoren vor, für Einzelhändler, Gastronomie und Büros in den Innenstädten eine neue Logistik aufzubauen. Außerhalb der Städte sollen "Umpack-Stationen" entstehen, von denen aus die Kunden in den Innenstädten gebündelt beliefert werden. Um die neue Logistik attraktiv zu machen, soll für andere Lieferanten zu bestimmten Zeiten die Einfahrt in Innenstädte kostenpflichtig werden.

3. Neuer Handel – NRW als Wegbereiter der bargeldlosen Welt

Durch eine solche Initiative könnten 25.000 neue Jobs entstehen. Herzstück sind neue Kooperationen zwischen Mobilfunkunternehmen, Handelskonzernen sowie lokalen Banken und Sparkassen. Das erlaubt dem Kunden, Guthaben auf sein Handy zu laden und das Mobiltelefon zum Bezahlen im Handel oder bei Verkehrsbetrieben zu nutzen. NRW ist ideal geeignet für solche Kooperationen. Rund 80 Prozent aller Handy-Besitzer sind Kunden von einem der drei NRW-Anbieter T-Mobile, Vodafone oder E-Plus.

4. Neue Wege der Pflege – NRW als Vorreiter für effiziente Pflege

Wenn NRW in der Pflege neue Wege einschlägt, lassen sich laut McKinsey 32 500 zusätzliche Jobs schaffen. Da die Budgets für Pflegeausgaben begrenzt sind, raten die Autoren, die Produktivität zu verbessern. Eine Kerninitiative kann der Einsatz von Tele-Pflege (Mobile Health) sein. Dazu zählt die Fernüberwachung etwa von Herz- und Kreislaufkranken oder Diabetes-Patienten oder die Einführung elektronischer Pflegepläne.

Weitere 87.000 Jobs könnten durch verbesserte Rahmenbedingungen für Investitionen und eine Konzentration der Fördergelder entstehen. "In NRW klafft eine Investitionslücke", heißt es in der Studie. Vor allem in Forschung und das Bauwesen wird zu wenig investiert. Zudem fördere das Land falsch, etwa beim Steinkohlenbergbau.

Mehr Jobs schaffen Nachfrage anderswo. Durch indirekte Effekte erwartet McKinsey 122.000 Stellen mehr, so dass insgesamt mehr als 300.000 neue Jobs möglich sind.

Auch Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) sieht Handlungsbedarf. "In den fetten Jahren hat NRW zu wenig in die Zukunftsbranchen investiert, sagte Duin.

(felt)
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