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Düsseldorf
Panikstimmung an der Börse

Düsseldorf. Der deutsche Leitindex Dax sackt auf ein 16-Monats-Tief, während der Preis für Gold steigt und deutsche Bundesanleihen praktisch keine Zinsen mehr bringen. Das alles bestätigt Lehren des alten Börsenprofis Kostolany. Von Reinhard Kowalewsky

Es gibt mehrere Börsenweisheiten des früheren Börsengurus Andre Kostolany (1906 bis 1999), die sich in diesen Tagen bestätigen - die einfachste lautet wohl: "Kleinanleger sollten nie zocken. Kauft Standardwerte und ein Schlafmittel, um das Geschehen an der Börse auf Jahre zu vergessen, egal ob es draußen donnert und blitzt." Aber auch einige andere Lehren erweisen sich als richtig: Greife nie in ein fallendes Messer!

Nach diesem Ratschlag waren Anleger in den vergangenen Tagen gut beraten, von Papieren des deutschen Aktienindex Dax die Finger zu lassen. Die Kurse rutschten gestern im Schnitt um fast drei Prozent ab - seit dem Dax-Hoch im Frühling vergangenen Jahres mit mehr als 12.000 Punkten rauschte der Index damit um deutlich mehr als 25 Prozent nach unten. "Es herrscht Panikstimmung an den Börsen", sagt Andreas Paciorek vom Brokerhaus CMC Markets.

Hauptgründe für die Baisse ist die Sorge vor einer weiteren Abschwächung des Wachstums der Weltwirtschaft, sind Ängste wegen der Lage in China, sind die Spannungen zwischen dem Westen und Russland und neuerdings auch noch der Verfall des Ölpreises: Weil deutsche Konzerne überdurchschnittlich von Exporten abhängen, könnten sie sinkende Aufträge aus den Golfstaaten oder aus Russland deutlich härter treffen als Unternehmen vieler anderer Staaten.

Hinzu kommen riesige Sorgen wegen der Banken in Europa: Mit einem Minus von 6,5 Prozent gehörte die Deutsche Bank gestern zu den größten Verlierern. Damit hat das Geldhaus, das Ende Januar einen Rekordverlust von fast sieben Milliarden Euro bekannt gegeben hatte, binnen drei Wochen rund 30 Prozent seines Börsenwertes eingebüßt. Im Sog der Deutschen Bank verbilligten sich Anteilsscheine der Commerzbank um 5,4 Prozent. Mit Enttäuschung reagierten Investoren auch auf die Quartalsergebnisse der französischen Großbank Société Générale. Die Folge: ein Minus von 15 Prozent. An der Börse sind zwei mal zwei niemals vier, sondern fünf minus eins. Man muss nur die Nerven haben, das minus eins auszuhalten.

Wer dieser Lehre folgt, sollte jedenfalls seine Papiere nach dem harten Kursverfall eher nicht noch in Panik abstoßen. Dies bestätigt eine neue Studie der Landesbank Baden-Württemberg: Aktuell werden die Aktien der 30 größten deutschen Unternehmen im Schnitt mit dem Elffachen ihres erwarteten Gewinns bewertet. Im Schnitt der vergangenen Jahre lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Dax-30 aber bei 12,3. Anders formuliert: Rein statistisch ist sehr wahrscheinlich, dass der Dax sich in einer gewissen Zeit wieder oberhalb von 10.000 Punkten bewegt.

Lege niemals alle Eier in einen Korb.

Weil es aber keinerlei Sicherheit für den künftigen Wert von Geldanlagen und das Wachstum der Weltwirtschaft gibt, müssen Anleger ihr Risiko breit verteilen: Einzelaktien bringen ein höheres Risiko als Fonds und Indexfonds (ETFs), bei denen ein ganzes Paket an Aktien erworben wird.

Wer eine Immobilie hat, legt Geld aktuell am besten an, wenn er Kredite so schnell wie möglich tilgt - denn für Festgeld gibt es nur selten mehr als ein Prozent. Die Rendite auf Bundesanleihen fiel gestern auf nur noch 0,2 Prozent - Anleger fliehen in diese vermeintlich sichere Anlage und treiben damit die Kurse dieser Wertpapiere hoch. Und nachdem Gold seit 2013 von 1800 Dollar pro Unze auf nur noch knapp 1000 Dollar abstürzte, stieg der Preis seit Dezember um mehr als 20 Prozent. Der Trend: Sicherheit ist alles, was zählt zur Zeit von politischen Spannungen und drohender Wirtschaftsflaute.

Quelle: RP
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