| 10.26 Uhr

Düsseldorf
Datenpanne bei Tausenden Comdirect-Konten

Düsseldorf. Kunden hatten Zugriff auf fremde Daten und Kontostände. Schuld war ein Software-Update. Einen Schaden gibt es nicht. Von Georg Winters

Wieder schreckt eine Datenpanne bei einer deutschen Großbank Kunden auf: Nach einem Software-Update bei der Commerzbank-Tochter Comdirect hatten gestern über mehr als zwei Stunden hinweg Kunden, die sich über ihre persönliche Kennung einloggten, Zugriff auf fremde Konten. Das heißt: Sie konnten sämtliche Daten anderer Comdirect-Nutzers einsehen, einschließlich des Kontostandes. Gegen 11.20 Uhr habe das Unternehmen die Probleme wieder im Griff gehabt, sagte ein Comdirect-Sprecher auf Anfrage. Ein materieller Schaden sei nicht entstanden.

Betroffen waren nach Angaben der Bank "einige tausend Kunden". Die Comdirect-Homepage sei aus Sicherheitsgründen für eine halbe Stunde nicht erreichbar gewesen. In der Zeit konnten Kunden mit der Direktbank nur über Telefon und Fax kommunizieren. Der Fehler sei behoben und könne in dieser Form nicht wieder passieren, sagte der Sprecher. Passiert sei er bei einem regelmäßigen Software-Update, das bei Comdirect mehrmals pro Woche gemacht werde.

Kunden, die nach dem Einloggen auf einem fremden Konto gelandet seien, hätten dort keine Transaktionen nach draußen vornehmen können, betont die Bank. Das heißt: Es war zwar möglich, Geld etwa vom Girokonto des tatsächlichen Kontoinhabers auf dessen Tagesgeldkonto zu überweisen (also ohne Verlust für den Kontoinhaber), aber nicht auf das Konto eines anderen Kunden. Zudem waren Transaktionen auf eine Summe von 1000 Euro begrenzt, die bei Comdirect ohne Transaktionsnummer (Tan) übertragen werden kann.

Die Panne wirft erneut Fragen nach der Sicherheit des Online-Banking auf. An einen Vertrauensverlust bei den Kunden infolge der Datenpanne glaubt das Unternehmen selbst aber nicht. "Wir haben die Panne ja auch schnell behoben", sagt der Comdirect-Sprecher. Die Online-Bank betreut insgesamt rund zwei Millionen Privatkunden und verwaltet für sie knapp 1,3 Millionen Girokonten und mehr als 950.000 Depots. Das betreute Vermögen betrug nach Angaben des Instituts Ende März etwa 39,8 Milliarden Euro.

Der Systemfehler bei Comdirect ist die zweite Datenpanne bei einer deutschen Großbank binnen weniger Wochen. Anfang Juni hatte es bei der Deutschen Bank bei fast drei Millionen Kunden Fehlbuchungen gegeben. An einem Tag waren auf Kontoauszügen Abbuchungen und Einzahlungen doppelt erschienen. Bei manchen Kunden war ein höherer Kontostand dargestellt worden, andere Konten waren ins Minus gerutscht. Einige Kunden hatten geklagt, sie hätten an Automaten kein Geld ziehen oder nicht mehr mit Karte zahlen können. Insgesamt habe es etwa 13 Millionen Fehlbuchungen gegeben, hatte die Bank damals eingeräumt.

Quelle: RP
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