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Berlin
Pflegende nutzen Hilfen kaum

Berlin. AOK-Report: Viele trauen sich nicht, Angehörige in fremde Hände zu geben.

Pflegende Angehörige erbringen für das Gesundheitssystem eine immense Arbeitsleistung, nutzen aber kaum Hilfen der Pflegeversicherung. Wenn man deren Stundenzahl mit dem Mindestlohn von 8,50 Euro multipliziere, liege die Wertschöpfung bei 37 Milliarden Euro pro Jahr, sagte der Chef des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch, bei der Vorstellung des Pflegereports 2016. Das sei vergleichbar mit den Aufwendungen der ärztlichen Versorgung und den Ausgaben für Arzneimittel.

Danach kennen zwar die meisten Angehörigen die Zusatzangebote der Pflegeversicherung wie Tagespflege oder Kurz- und Verhinderungspflege. Doch sie nutzen sie nur in geringem Maß. Ein Grund sei, dass sich Pflegebedürftige ungern von Fremden betreuen ließen. Jedenfalls sei dringend mehr Beratung nötig.

Laut Herausgeberin Adelheid Kuhlmey ist die Zunahme von Pflegebedürftigkeit in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren günstiger verlaufen als vorhergesagt. Das hänge damit zusammen, dass die Bevölkerung zwar älter werde, aber länger gesund bleibe. Zugleich könnte die Pflegebereitschaft in der Gesellschaft sinken, weil mit rückläufiger Geburtenzahl das Potenzial für Pflegekräfte ab- und die Zahl von Einfamilienhaushalten zunehme. Kuhlmey plädierte dafür, dass sich mehr Männer in der Pflege engagierten. 73 Prozent der Privatpflegenden seien Frauen.

Litsch begrüßte grundsätzlich die Zusammenlegung der Ausbildung von Kranken- und Altenpflege, wie sie das Pflegeberufsgesetz der Bundesregierung vorsieht. Dies bringe eine höhere Durchlässigkeit in den Pflegeberufen mit sich. Zudem brauche man angesichts der mehrfacherkrankten älteren Menschen Fachkräfte, die nicht nur Alten-, sondern auch Krankenpflege beherrschten. Der Gesetzentwurf habe richtige Ziele, werde aber falsch umgesetzt, sagte Litsch.

Der Vorstand der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, warf der Bundesregierung vor, die Leistungen so kompliziert konzipiert zu haben, dass die überwältigende Mehrheit sie gar nicht in Anspruch nehmen kann oder will. 1,8 Millionen pflegebedürftige Menschen werden zu Hause betreut. Davon nutzen nur 67.000 Leistungen der Tages- und Nachtpflege.

(dpa)
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