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Bielefeld
Plastiktüten-Gebühr: 170 Handelsfirmen machen mit

Bielefeld. Im ersten Schritt sollen 60, bis 2018 etwa 80 Prozent der Tüten Geld kosten. Die Branche will sich selbst verpflichten.

Im Streit um eine Gebühr für Plastiktüten haben sich Politik und Industrie offensichtlich geeinigt. Das Bundesumweltministerium und der Deutsche Handelsverband (HDE) wollen am Mittwoch eine entsprechende Selbstverpflichtung der Industrie unterzeichnen, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. "170 Unternehmen wollen sich verpflichten", sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Gebhart, zuständiger Berichterstatter für Kreislaufwirtschaft im Umweltausschuss des Deutschen Bundestages, der Zeitung. Ein Ministeriumssprecher kündigte eine Mitteilung für Mitte nächster Woche an.

Im Januar hatte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) der Branche mit einer gesetzlichen Regelung gedroht, falls sie sich nicht auf eine Selbstverpflichtung einigen werde. Wie viele von den großen Handelskonzernen in Deutschland zu den jetzt von Gebhart genannten 170 Freiwilligen zählen, wurde zunächst nicht bekannt. Der Handelsverband hat etwa 400.000 Mitgliedsunternehmen in Deutschland. Ein Sprecher des Handelsverbands sagte, man sei auf einem guten Weg.

Eigentlich hatte die Vereinbarung schon Anfang April in Kraft treten sollen, aber bis dahin hatten sich die Verhandlungspartner noch nicht auf eine gemeinsame Linie verständigen können. Der jetzigen Vereinbarung zufolge sollen in einem ersten Schritt 60 Prozent der gut sechs Milliarden Kunststoff-Tragetaschen, die pro Jahr in Deutschland vertrieben werden, kostenpflichtig werden. In einem zweiten Schritt soll die Kostenpflicht bis zum Jahr 2018 auf 80 Prozent erhöht werden. Den Preis, den der Verbraucher für die Tüte zahlt, soll offenbar jedes Unternehmen selbst festlegen können. Nach einer Vorgabe der EU muss der Pro-Kopf-Verbrauch von Kunststofftüten bis zum Jahr 2025 auf 40 Stück im Jahr sinken. Derzeit benutzt jeder Einwohner Deutschlands im Jahr im Durchschnitt noch 71 Tüten.

Bei den Kunden rennen Politik und Handel offene Türen ein. Die meisten Bundesbürger sind nämlich dafür, dass Plastiktüten im Einzelhandel nicht mehr länger umsonst abgegeben werden. Bei einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov erklärten jüngst etwa 80 Prozent der Befragten, sie fänden es "sehr gut" oder "eher gut", dass immer mehr Geschäfte Geld für die Kunststofftaschen nehmen. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) plädierte sogar dafür, die Ausgabe von Plastiktüten in Geschäften zu verbieten. Zudem gaben mehr als zwei Drittel der Verbraucher an, beim Einkaufen schon heute in der Regel Körbe, Rucksäcke oder Stofftaschen zu verwenden. Nur vier Prozent sagten aus, ihre Einkäufe regelmäßig in neuen Plastiktüten nach Hause zu tragen.

(dpa)
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