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Geschäft wird konzentriert
Postbank schließt 1200 Schalter

Bonn (rpo). Wer Kunde bei der Postbank ist, muss ab Dienstag vielleicht weitere Wege in Kauf nehmen. Denn die Bank schließt in 1200 Postfilialen bundesweit auf einen Schlag ihre Schalter.

Nicht mehr rentabel seien die Bankangebote gewesen, hieß es am Montag von der Postbank in Bonn als Begründung. Immer weniger Kunden hätten sie in Anspruch genommen. Das Geschäft soll auf größere Filialen konzentriert werden, wo es auch ein verbessertes Beratungsangebot geben soll. Die Zahl der Postfilialen, die auch Bankdienstleistungen anbieten, wird laut Postbank von 12 700 auf künftig rund 11 500 beschränkt.

Ein Personalabbau sei mit dem Schritt nicht verbunden, sagte Postbank-Sprecher Ralf Palm. Die betroffenen Post-eigenen Filialen seien kaum noch für Bankgeschäfte genutzt worden. Drei Viertel der dort ansässigen Kunden hätten im Schnitt nur einmal im Jahr eine Bargeld-Transaktion getätigt. Auch künftig würden die Kunden "bei den meisten Standorten" im Umkreis von drei Kilometern eine Filiale zur Erledigung ihrer Bankgeschäfte finden.

Die Postbank reagiert damit nach eigenen Angaben auch auf ein verändertes Kundenverhalten durch verstärkte Nutzung von Online- und Telefon-Banking. Bereits 1,7 Millionen Konten führten Kunden inzwischen Online und 2,3 Millionen Kunden nutzen bei steigender Tendenz das Telefon-Banking.

Vor allem ältere Menschen betroffen

Die Postbank hat das dichteste Filialnetz in Deutschland und ist mit rund zehn Millionen Kunden auch die zahlenmäßig größte Privatkundenbank. Bei ihr werden rund vier Millionen Girokonten und 17 Millionen Sparkonten geführt, rund 5,3 Millionen Kunden haben eine Bankkarte. Etwa die Hälfte der Postbank-Kunden sind älter als 50 Jahre.

Nach Darstellung von Palm sind "nur wenige Kunden" betroffen. Sie seien angeschrieben worden und auf alternative Filialen im Umkreis oder Geldautomaten hingewiesen worden. Kritiker meinen, der Rückzug treffe vor allem ältere Menschen, für die der Bankschalter in der nächst gelegenen Postfiliale eine bequeme Möglichkeit war, Geld zu sparen, einzuzahlen oder abzuheben.

Nach außen wurde die Einschränkung als Start einer "Qualitäts-Offensive" im Filialnetz dargestellt. Im Mittelpunkt stehe der stärkere Zuschnitt der 720 Center-Filialen auf Beratung der Bankkunden und die weitere Qualifizierung der 2200 Berater für Finanzgeschäfte wie Investmentfonds, Baufinanzierung, Lebensversicherungen oder Ratenkredite, hieß es von der Postbank. Die Kunden in größeren Filialen hätten mehr qualifizierte Beratungsleistungen nachgefragt.

Postbank geht es relativ gut

Die Postbank vollzieht mit ihrem drastischen Rückzug aus der Fläche den Schritt, den - unabhängig davon - bereits die Deutsche Post bei ihren Filialen und Agenturen eingeleitet hat. Hier sollen bis Ende 2004 rund 1000 Standorte aufgegeben werden. Im Unterschied zu den Filialen, wo die Post zur Aufrechterhaltung einer Mindestzahl von 12.000 gesetzlich verpflichtet ist, unterliegt die Postbank bei ihren Maßnahmen keiner Regulierung und hat völlig freie Hand.

Mit ihrem Schritt folgt die Postbank auch anderen Privatbanken, die ihr Filialnetz aus Kostengründen schon ausgedünnt haben. Dabei arbeitet die Postbank in ihrem Privatkundengeschäft mit deutlich niedrigen Kosten als ihre Konkurrenten, da sie das vorhandene Netz der Post nutzen kann.

Außerdem geht es der Postbank mit ihrem Werbeaushängeschild Franz Beckenbauer insgesamt relativ gut. Anders als die meisten ihrer Konkurrenten hat sie unter der Führung von Vorstandschef Wulf von Schimmelmann der Branchenkrise getrotzt und fährt seit Jahren Gewinne ein. Auch mit Blick auf einen angepeilten Börsengang will Post- Vorstandschef Klaus Zumwinkel aber den Wert der Bank entschlossen weiter verbessern.

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