| 10.16 Uhr

Berlin
Preise steigen nicht mehr - dafür wächst die Kritik an der EZB

Berlin. Billigere Energie drückt die Inflationsrate in Deutschland auf null. Waren und Dienstleistungen kosteten im Februar im Schnitt genauso viel wie ein Jahr zuvor, bestätigte das Statistische Bundesamt eine frühere Schätzung. Im Januar hatte die Teuerungsrate noch bei 0,5 Prozent gelegen. Sie entfernte sich nun noch weiter vom Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die einen Wert von knapp unter zwei Prozent anstrebt.

"Dämpfend auf die Gesamtteuerung wirkt die Preisentwicklung der Energie", erklärten die Statistiker. Dafür mussten die Verbraucher 8,5 Prozent weniger zahlen, nachdem die Ölpreise wegen der weltweiten Überproduktion erneut kräftig gefallen waren. Heizöl kostete sogar ein Drittel weniger, Benzin und andere Kraftstoffe verbilligten sich um elf Prozent. Dagegen verteuerten sich Nahrungsmittel um 0,8 Prozent. "Erheblich teurer als ein Jahr zuvor war Obst", betonten die Statistiker. Und zwar 5,8 Prozent. Auch Fisch und Fischwaren (plus 2,7) sowie Gemüse (plus 1,7) kosteten mehr als im Vorjahr.

Die EZB will in der Euro-Zone eine Deflation - einen anhaltenden Preisverfall mit gravierenden Folgen für die Wirtschaft - vermeiden. Dafür hatte sie am Donnerstag den Leitzins in der Euro-Zone erstmals auf null gesenkt. Einige führende Ökonomen haben das scharf kritisiert. "Mehr Wasser hilft nicht, wenn die Pferde nicht saufen wollen", sagte der scheidende Ifo-Chef Hans-Werner Sinn und ergänzte in der "Bild": "Die EZB verleiht jetzt Geld zu einem negativen Zins von bis zu 0,4 Prozent an die Banken. Das ist eine verbotene Subventionspolitik zur Stützung von Zombie-Banken und konkursgefährdeten Staaten." Der Wirtschaftsweise Lars Feld erklärte: "Wir sehen, dass Länder wie Italien trotz des Zinstiefs keine Reformen durchführen und Ausgaben eher noch erhöhen. Daran werden auch die neuen Maßnahmen nichts ändern." Clemens Fuest, Präsident des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), warnte, die Risiken der Beschlüsse seien größer als die Chance, dadurch die Konjunktur anzukurbeln. Sein Fazit: "Die EZB hat ihr Pulver verschossen." Nach Einschätzung von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer schwächen die Nebenwirkungen der EZB-Politik - das Risiko von Preisblasen, ein Reformstau, Probleme bei der Altersvorsorge - die Rahmenbedingungen für Unternehmen. Die Firmen hielten sich deswegen bereits mit Investitionen zurück.

Die EZB hatte am Donnerstag überraschend den Leitzins von 0,05 Prozent auf null Prozent gesenkt. Zugleich pumpt die Notenbank noch mehr Geld in den Markt und brummt Instituten, die Geld bei ihr parken, künftig 0,4 statt 0,3 Prozent Strafzinsen auf. Außerdem gibt es neue billige Langfristkredite für Banken. So will die EZB die Kreditvergabe im Euroraum ankurbeln und die Inflation anschieben.

(rtr)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Berlin: Preise steigen nicht mehr - dafür wächst die Kritik an der EZB


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.