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Düsseldorf
ProSieben und Ströer lassen die Muskeln spielen

Düsseldorf. Mit prominenten Gesichtern kämpfen der Fernsehkonzern und der Werbevermarkter um den lukrativen Markt für Online-Fitness-Kurse. Von Florian Rinke

Daniel Aminati hat nur eine Hose an - oder immerhin, das weiß man nicht so genau. Das Video zeigt ihn in Zeitlupe auf der Stelle joggen, seine Brustmuskeln wippen auf und ab. Jede Faser seines Körpers ist angespannt. Eigentlich ist Aminati Moderator der ProSieben-Sendung "Taff". Doch kaum ist das Hemd weg, ist er Trainer, Ernährungsberater und Motivator für Fitness-Fans im Internet. "Mach dich krass", heißt Aminatis Programm.

Mit Videoübungen und Rezeptvorschlägen in acht Wochen zum Traumkörper - das ist die Idee, hinter der nicht nur ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling ein riesiges Geschäft wittert. Mit prominenten Gesichtern wie Ex-Ski-Star Maria Höfl-Riesch oder Schauspielerin Ursula Karven produziert sein Konzern immer neue Ableger für immer neue Zielgruppen. ProSiebenSat.1 ist damit nicht allein: Auch der Kölner Werbevermarkter Ströer nimmt sich den Markt vor. Zuletzt hat das Unternehmen dazu das Münchner Start-up Social Media Interactive übernommen. Dessen Muskelmann heißt Detlef D! Soost - ebenfalls bekannt von ProSieben als früherer Tanztrainer der Casting-Show "Popstars". Er macht niemanden krass, dafür sexy: "Imakeyousexy.com" heißt die Seite passenderweise.

Warum der Markt so lukrativ ist, verriet Ebeling zuletzt bei einer Veranstaltung in Mülheim: Der Kunde solle zunächst den Acht-Wochen-Kurs buchen, danach ein neues Angebot abschließen, um neue Rezepte und Videos zu erhalten, und am Ende in einem Shop Vitaminpräparate und andere Produkte zu kaufen. Passend dazu hat sich ProSieben am Vitamin-Start-up Vitafy beteiligt. Nun gilt es, die Kunden zu locken. Die Zahl der Videoportale soll daher in den kommenden Monaten stark ausgeweitet werden. "Aktuell gibt es acht Seiten, wir planen aber 15 weitere", heißt es. Dabei müsse es nicht zwingend um Fitness gehen, auch Tanzkurse oder Kochen sei möglich.

Ganz ähnliche Pläne dürfte Ströer verfolgen, auch wenn sich ein Sprecher auf Anfrage nicht zu Details äußern will. Schon jetzt gibt es jedoch Getränkepulver und Kochbücher zu kaufen.

Um die Programme bekannt zu machen, nutzt ProSieben die eigenen Sender. So hatte man schon Start-ups wie dem Modehändler Zalando zu breiter Bekanntheit verholfen. Auch Social Media Interactive, das laut "Gründerszene" zuletzt auf 1,7 Millionen Mitglieder in der Online-Community und 200.000 zahlende Kunden kam, dürfte von der Vermarktungserfahrung von Ströer profitieren. ProSieben äußert sich zu Nutzerzahlen nicht.

Über den Erfolg der Programme dürfte daher am Ende auch weniger die Muskelkraft von Aminati und Co. entscheiden - sondern vielmehr die Werbestärke der Konzerne.

Quelle: RP
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