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Radon ist Ursache für Lungenkrebs: Die unterschätzte Gefahr aus dem Keller

zuletzt aktualisiert: 15.07.2004 - 22:27

Bonn (rpo). In vielen Kellern lauert eine große Gefahr für die Gesundheit, die jedoch leicht unterschätzt wird. Die Rede ist von Radon. Das Edelgas gilt nach dem Rauchen als zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs.

Über undichte Stellen im Boden und Mauerwerk sickert Radon ein. Dieses natürlich vorkommende, radioaktive Edelgas gilt nach dem Rauchen als zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs in Deutschland. Durch einfaches Lüften lässt sich die Radonkonzentration im Haus meist reduzieren. Bei höheren Messwerten sind umfangreichere Maßnahmen notwendig.

"Radon ist ein Bestandteil der natürlichen Strahlung. Es trägt in erheblichem Maße zur Strahlenbelastung des Menschen bei und führt schon bei durchschnittlichen Konzentrationen zu einer gesundheitlichen Gefährdung", sagt Joachim Kemski, Geologe und Experte für Umweltradioaktivität in Bonn. Wenn das Edelgas über längere Zeit in hohen Konzentrationen eingeatmet wird, kann dies zu Lungenkrebs führen.

"Wie hoch der Radongehalt in der bodennahen Luft ist, hängt unter anderem von der geologischen Beschaffenheit des Untergrunds ab", erläutert Kemski. Besonders hoch sind die Uran- und Radiumgehalte beispielsweise in Granit oder Schwarzschiefer. Entsprechend stark strömt das radioaktive Edelgas in den Mittelgebirgsregionen Deutschlands aus dem Erdreich. Doch auch in anderen Gebieten kommt es aufgrund bestimmter geologischer Gegebenheiten zu hohen Radonkonzentrationen in der Bodenluft.

Messgeräte kosten bis 40 Euro

"Bei steigenden Bodengehalten ist auch das Risiko einer hohen Konzentration in der Raumluft größer", betont der Doktor für Geologie. Wie hoch die Radonwerte innerhalb von Gebäuden sind, hängt auch von der Bauweise oder der Beschaffenheit des Hauses ab. Radon dringt vor allem durch Spalten und Risse im Mauerwerk oder Kellerboden sowie durch schlecht abgedichtete Durchbrüche für Rohr- und Telekommunikationsleitungen ein.

Wer die Konzentration des geruch- und farblosen Edelgases in seinen vier Wänden messen möchte, kann dies mit so genannten Kernspurdetektoren machen. Die kleinen Döschen sind für 30 bis 40 Euro bei entsprechenden Laboren oder bei Geologen erhältlich. Sie werden im Raum aufgestellt, am besten über längere Zeiträume von bis zu einem Jahr. Anschließend schickt man sie zur Analyse und Auswertung an den Hersteller zurück.

"Wird eine erhöhte Radonbelastung festgestellt, ist das aber noch lange kein Grund, aus dem Haus auszuziehen", sagt Kemski. Nach einer Empfehlung der EU-Kommission von 1988 sollten in bestehenden Gebäuden ab Werten von 400 Becquerel pro Kubikmeter Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Bei der Errichtung von Neubauten gilt ein Planungsrichtwert von 200 Becquerel pro Kubikmeter in Abhängigkeit von der Radonkonzentration im Boden.

Gutes Lüften hilft

"In vielen Fällen reicht es schon aus, die Wohnung und Kellerräume öfter gut durchzulüften", so der Experte. Leicht erhöhte Radonkonzentrationen können beispielsweise durch den Einbau von kleinen Lüftern in Fenster oder Türen reduziert werden. Um festzustellen, ob die Maßnahmen gegriffen haben, wiederholt man den Radontest noch einmal. Zügiges Handeln ist erst ab Messwerten von über 1000 Becquerel pro Kubikmeter notwendig.

Bei einer mittleren Radon-Belastung empfiehlt es sich, im Keller vorhandene Risse und Spalten mit dauerelastischen Materialien abzudichten. In besonders schweren Fällen wird das radioaktive Edelgas unter dem Fundament des Hauses abgesaugt. Aus so genannten Radonbrunnen oder Drainagen wird die radonbelastete Bodenluft dann über einen Ventilator ins Freie befördert.

"Wer schon beim Hausbau an eine mögliche Radonbelastung denkt, kann spezielle Folien im Fundament einplanen", rät Kemski. Präventive Schutzmaßnahmen seien mit Baukosten von rund 2000 bis 3000 Euro auch die preisgünstigere Variante. Die Kosten für nachträgliche Sanierungen könnten sich schnell auf mehrere hundert Euro je Quadratmeter summieren.


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