Preise vergleichen: Einkaufen: Nicht immer ist billig auch günstig
zuletzt aktualisiert: 07.04.2005 - 09:40Berlin/Hamburg (rpo). "Geiz ist geil", so hat es uns die Werbung längst eingetrichert. Und natürlich ist es nicht nur schick, bei Discountern wie Lidl, Aldi oder Penny einzukaufen, sondern auch entsprechend günstig. Doch blind vertrauen sollte man auf Discounter auch nicht, denn nicht immer sind sie die billigste Alternative.
Schon lange gibt es bei den großen Discountern nicht mehr nur Butter, Mehl und Konserven. Von Gartengeräten über Trainingsanzüge bis hin zu Hightech-Produkten wie Laptops oder Digitalkameras findet sich hier immer wieder all das, was es früher nur im Fachhandel gab. Doch diese Aktionsware ist nicht immer ein Schnäppchen, wie Henning Withöft von der Stiftung Warentest in Berlin erklärt: "Bei unseren Schnelltests von Aktionswaren waren nur ein Drittel echte Schnäppchen."
Immerhin ein Viertel der von der Stiftung untersuchten Ware, von der Heckenschere bis zum DVD-Rekorder, seien Fehlkäufe gewesen. Mehr als 40 Prozent der Produkte zählten schließlich zu der Kategorie "Mittelmaß zu normalen Preisen". Experte Withöft rät daher, sich im Vorfeld zu informieren, ob sich der Kauf beim Discounter tatsächlich lohnt: "Verbraucher sollten sich vorher Testberichte über ähnliche Produkte anschauen oder sich auch über Preissuchmaschinen im Internet informieren."
Über Discounter vertriebene Digitalkameras beispielsweise hätten häufig sehr hohe Auflösungen. Oft sei die Optik aber nicht so gut. "Es kann daher sinnvoll sein, eine Kamera mit geringerer Auflösung, aber dafür besserer Optik zu kaufen", rät Withöft. Computer vom Lebensmittel-Discounter seien hingegen oft überdimensioniert. "Wer nicht das volle Leistungsspektrum braucht, kann mehrere hundert Euro sparen, wenn er ein einfacheres Gerät im Fachhandel kauft."
Namhafte Hersteller hinter Handelsmarken
Wenn die Discounter einen neuen PC ankündigen, sind Kunden zudem gut beraten, auch bei den großen Elektro-Märkten vorbeizuschauen, rät Withöft: "Wegen des harten Konkurrenzkampfes in diesem Bereich bringen die Märkte oft zeitgleich mit den Discountern Produkte mit ähnlichem Leistungsumfang auf den Markt."
Oft sind die Waren beim Discounter aber sogar besser als anderswo. "Die Qualität von Lebensmitteln beim Discounter muss nicht schlechter sein als im normalen Supermarkt", sagt Vera Kaftan von der Stiftung Warentest. Dies liegt auch daran, dass viele der so genannten Handelsmarken, die beim Discounter vertrieben werden, von namhaften Markenherstellern produziert werden.
Die Lebensmittel sind allerdings nicht mehr viel günstiger als die Billig-Marken der Supermärkte. Das hat eine aktuelle Studie der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf ergeben. Die Verbraucherschützer kauften Produkte wie Mehl, Quark oder Tiefkühlpizza bei fünf Discountern, fünf Supermärkten und zwei Verbrauchermärkten. Am billigsten war dabei Wal-Mart, auf Platz zwei landete Lidl. Allerdings sind die Preisunterschiede äußerst gering. Nur 13 Cent lagen der Testsieger Wal-Mart sowie der Achtplatzierte Kaiser's auseinander.
Nur Persil kann mithalten
Andere Produkte sind sogar besser als die Markenware. So hat die Stiftung Warentest im März Vollwaschmittel getestet. Die beste Note erreichten dabei die Waschmittel der Discounter Aldi, Lidl, Rossmann und Schlecker. Nur Persil kann von den Markenprodukten da mithalten. Bei einer Anfang des Jahres veröffentlichten Warentest-Analyse über Tiefkühl-Lachsfilets belegte das Produkt von Aldi Süd immerhin den zweiten Platz. Auch die Filets von Aldi Nord und Lidl erhielten die Gesamtnote gut.
An den Beispielen Lachs und Waschmittel wird aber auch noch etwas anderes deutlich: Beispielhaft untersuchten die Warentester bei diesen Produkten die Unternehmensverantwortung - also Kriterien wie Tier- und Umweltschutz sowie die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter. Die Discounter verweigerten hierzu jegliche Angaben. Immer mehr Verbrauchern sind aber solche so genannten nachhaltigen Kriterien beim Einkauf wichtig.
Laut Ralf Schmidt, Referent der Berliner Verbraucherinitiative, haben bei den Discountern solche Produkte aber kaum Chancen: "Die Discounter definieren sich durch den Preis. Nachhaltige Produkte sind aber immer etwas teurer." Dies gilt nicht nur für Lebensmittel. Auch die Elektroartikel haben nach Angaben von Schmidt keine Öko-Siegel wie den Blauen Engel. "Die Zertifizierung würde zu lange dauern. Daher verzichten die Discounter auf solche Siegel", sagt Schmidt.
Keine Bio-Produkte
Auch Bio-Produkte sind in den Regalen der Discounter nicht zu finden. Dabei kann es sich durchaus lohnen, zu solchen Produkten zu greifen, bei deren Herstellung nach ökologischen und sozialen Kriterien vorgegangen wurde. Und das nicht nur aus moralischen Gründen, wie Verbraucherschützer Schmidt erklärt: "Die nachhaltigen Produkte sind zwar teurer als andere, damit geht aber immer auch eine höhere Qualität einher."
Während bei vielen Lebensmitteln die Discounter besser abschneiden als die Supermärkte, sind bei Frischware laut Verbraucherschützern die Supermärkte und Fachhändler im Vorteil: "Wir haben die Befürchtung, dass die niedrigen Preise der Discounter zu Lasten der Qualität gehen", so Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg.
Zwar gebe es viele Produkte, die man guten Gewissens beim Discounter kaufen könne. Besonders bei Frischfleisch sowie bei Obst und Gemüse rät Valet aber dazu, lieber etwas mehr Geld auszugeben und dafür Qualität zu kaufen - möglichst Bio-Produkte. Das bestätigt auch Vera Kaftan von der Stiftung Warentest: "Man sollte sich langfristig überlegen, ob man nur beim Discounter einkauft."
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