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Immobilienkauf: Bausparen im Zinstief: Lohnt sich das?

zuletzt aktualisiert: 07.03.2010 - 09:03

München (RPO). Wer eine Immobilie kaufen will, kommt derzeit am Thema Bausparen kaum vorbei. In der momentanen Niedrigzinsphase bieten nicht nur die meisten Banken traumhafte Zinskonditionen von deutlich unter 5 Prozent bei 10 Jahren Laufzeit. Doch lohnt sich das?

Die Bausparkassen versuchen wieder verstärkt, mit Top-Offerten zu punkten. Was vor allem lockt, ist die Chance, die Zinstief-Konditionen bis zu 24 Jahre "bunkern" zu können - auch wenn man erst in 10 Jahren bauen oder kaufen wollte, wie Alexander Nothaft vom Verband Privater Bausparkassen (VPB) erklärt. Aber lohnt sich die Spekulation auf künftig steigende Zinsen wirklich?

Wer sich vor einigen Jahren schon auf diese Finanzierung einließ, wird das kaum bestätigen. Denn die Wetten unzähliger Bundesbürger auf höhere Zinsen in 7, 8 oder 9 Jahren gingen meist schief. Heute sind die Zinsen noch tiefer im Keller als damals. Deshalb kommen die vermeintlich günstigen Vorausdarlehen von der Bausparkasse derzeit in der Regel teurer zu stehen als ein normaler Baukredit - und die Kunden nicht drumherum, auf das Abrufen ihres Bauspardarlehen zu verzichten.

Sparen plus Kredit

"Wer bei uns in der Beratung sitzt und hört, dass der Darlehenszins der Bank XY bei 4,2 oder 4,3 Prozent liegt und der aus seinem Bausparvertrag bei 4,75 bis 5 Prozent, dann wird ihm sofort klar, was das bessere Geschäft ist", betont Hartmut Schwarz, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen. Bei vorfinanzierten Verträgen könne das Minusgeschaft schlimmstenfalls bis zu 25 Prozent ausmachen.

Ob die Zinswette des Bausparers letztendlich aufging, zeigt aber nur der Blick in die Vertragsunterlagen. Ältere Bausparverträge enthalten oft noch eine Erstattungsklausel, wonach bei Verzicht auf den Darlehensanspruch die Abschlussgebühr zurückgezahlt wird. Oft gibt es noch einen Bonuszuschlag. Dabei erhöht sich dann der Zins rückwirkend auf den angesparten Betrag noch um ein bis zwei Prozentpunkte.

Grundsätzlich ist Bausparen eine Finanzierung auf Umwegen, ein Mix aus Sparen und Kredit: Man nimmt ein tilgungsfreies Darlehen auf und schließt gleichzeitig einen Bausparvertrag ab. Gezahlt werden die monatlichen Sparraten und die Zinsen für das Vorausdarlehen. Sobald die vereinbarte Bausparsumme zuteilungsreif ist, etwa nach 10 Jahren, zahlt der Kunde den Kredit auf einen Schlag mit seinem Guthaben und dem Bauspardarlehen ab. Dann muss noch das Darlehen samt Zinsen getilt werden, und zwar innerhalb fester Zeiten - meist 20 Jahren und mehr.

Nur eine schlechte Verzinsung?

Wer jetzt neu in einen attraktiven Bausparvertrag einsteigen will, solle sich zuvor die Gretchenfrage beantworten: Wann will ich tatsächlich bauen oder kaufen und kann bis zur Zuteilungsreife doch einiges dazwischen kommen?, rät Josephine Holzhäuser von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Wird das Darlehen nicht in Anspruch genommen, bleibe am Ende nur eine schlechte Verzinsung von höchstens 1 Prozent übrig, rechnet sie vor. Und falle auch noch die Abschlussgebühr von 1 Prozent der gesamten Bausparsumme ins Gewicht.

Was Häuslebauer zudem bedenken sollten: Im Gegensatz zum klassischen Annuitätendarlehen einer Bank ist das Bausparen nicht so flexibel. Meist stecken die Kunden in einem festen Zeitkorsett auf 20 Jahre und länger fest. Auch Sondertilgungsmöglichkeiten sind nur unter Auflagen zu kriegen. Beim Baukredit vom Geldinstitut sieht das ganz anders aus. Da gehören elastische Tilgungssätze wie Sondertilgungen von 5-10 Prozent pro Jahr mittlerweile zum festen Angebot. "Dadurch kann man seine Schuld viel schneller loswerden als beim Bausparen", betont Schwarz.

Besonders interessant kann ein guter Bausparvertrag immer dann werden, wenn ein Interessent Wohnungsbauprämie vom Staat oder einen Förderkredit bekommt. Günstig können in solchen Fällen Kombi-Produkte bei Kleindarlehen unter 50.000 Euro sein, so "Finanztest".

Sicherheitsorientierte Sparer, die zwischen Bausparen und Annuitätendarlehen schwanken, sollte sich doch einmal vorrechnen lassen, wie hoch denn die Zinsen steigen müssten, damit sich die Vorfinanzierung im Vergleich zum Bankkredit mit laufender Tilgung lohnt, empfiehlt Holzhäuser. Das helfe bei der Entscheidungsfindung.

Quelle: apd/sdr

 
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