Kombikredite zur Immobilienfinanzierung oft zu teuer: Bausparkassen fallen durch
VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 16.01.2008Düsseldorf (RP). Für die Immobilienfinanzierung waren fast alle der getesteten Bauspar-Kombikredite viel zu teuer. Normale Bankdarlehen sind besser, sagt die Stiftung Warentest.
An zwei Dritteln aller neuen Wohnimmobilien in Deutschland ist eine Bausparkasse beteiligt. Damit ist die Idee des Bausparens, die Pastor von Bodelschwingh vor 123 Jahren aus England nach Deutschland brachte, heute der Klassiker zur Finanzierung des Eigenheims schlechthin. Ein fragwürdiger Klassiker allerdings, wie eine aktuelle Untersuchung der zur Stiftung Warentest gehörenden Zeitschrift „Finanztest“ zeigt.
Die Tester haben 26 Bauspar-Kombikredite untersucht. Ergebnis: „Die meisten Bausparangebote sind teurer als eine herkömmliche Bankfinanzierung. Sie eignen sich allenfalls für eine kleinere Darlehenssumme unter 50.000 Euro“, so die Zeitschrift in ihrer heutigen Ausgabe.
Die Kombikredite der Bausparkassen bestehen aus einem Bausparvertrag und einem tilgungsfreien Darlehen, mit dem die Bausparkasse die Bausparsumme vorfinanziert. Bis zur Zuteilung zahlt der Kreditnehmer die Zinsen für das Vorausdarlehen und Sparraten für den Bausparvertrag. Sobald der Vertrag zugeteilt wird, löst der Kreditnehmer das Vorausdarlehen mit der Bausparsumme (Guthaben und Bauspardarlehen) ab. Danach zahlt er die Raten für das Bauspardarlehen. Sparvertrag und Vorausdarlehen sind oft so aufeinander abgestimmt, dass die monatliche Belastung während der gesamten Laufeit konstant bleibt. So können feste Zinsen für eine Laufzeit bis über 30 Jahre angeboten werden.
Unterschiede enorm
Allerdings sind die Unterschiede zwischen den Angeboten enorm. So zahlt der Kunde für einen 100.000-Euro-Kredit der Badenia mit 24,5 Jahren Laufzeit rund 22 Euro im Monat weniger als bei Wüstenrot – und ist trotzdem fast drei Jahre früher schuldenfrei. Der Unterschied beträgt 28.000 Euro.
Leider verschleiern viele Anbieter die Unterschiede. Die lassen sich an den Zinsangaben meist nicht erkennen. Nur Alte Leipziger, Debeka, Huk-Coburg und die Quelle Bausparkasse geben den Effektivzins ihrer Kombiprodukte an. Alle anderen Kassen im Test nennen lediglich den Effektivzins des Vorausdarlehens und den des Bauspardarlehens. Diese aber enthalten weder die Sparbeiträge noch die volle Abschlussgebühr. Nicht einmal die bei einigen Bausparkassen nötige Soforteinzahlung ist berücksichtigt.
„Finanztest“ kritisiert: „Kein Wunder, dass die Zinsangaben der meisten Bausparkassen mit den tatsächlichen Kreditnebenkosten nichts zu tun haben.“ So lag der tatsächliche Effektivzins der getesteten Angebote meist um 0,2 bis 2 Prozentpunkte über den eigenen Zinsangaben der Bausparkassen.
Huk-Coburg vorne
Das mit Abstand beste Angebot im Test kam von der Huk-Coburg Bausparkasse. Ihr Kredit mit 20 Jahren Laufzeit und einem Effektivzins von 4,96 Prozent war sogar günstiger als die klassischen Darlehen vieler Internetvermittler. Eine von wenigen Ausnahmen im Test. Ansonsten ging die Rechnung „Kredit aufnehmen und gleichzeitig Geld zu niedrigen Zinsen ansparen“ in der Regel nicht auf. „Finanztest“ schreibt: „Meist ist es viel besser, den Bankkredit gleich mit längerer Zinsbindung abzuschließen und anstelle der Bausparraten eine höhere Tilgung zu vereinbaren.“
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