Sozial-ökologisches Bankgeschäft hat Konjunktur : Geld anlegen mit gutem Gewissen
VON KLAUS KRAUSE - zuletzt aktualisiert: 24.04.2012 - 09:09Düsseldorf (RPO). "Geld stinkt nicht“, wussten schon die alten Römer: pecunia non olet. Tatsächlich fragte Jahrhunderte lang kaum jemand danach, woher staatlicher und privater Reichtum stammte. Das Bewusstsein für soziale Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung ist neueren Datums. Mittlerweile hat dieser Gedanke auch den Kapitalmarkt erreicht. Anleger möchten ihr Geld mit gutem Gewissen investieren. Doch das ist leichter gesagt als getan. Eine Erkundung im Internet.
Schlüsselwort Nachhaltigkeit
Wer sich mit dem Thema „saubere Geldanlage“ beschäftigt, trifft unweigerlich auf den Begriff Nachhaltigkeit. Modewort oder mehr? Plötzlich soll alles nachhaltig sein von der Finanzpolitik (Schuldenbremse) bis zum neuen Auto (E-Mobilität). Aber bis heute gibt es keine verbindliche Definition für diesen schillernden Begriff. Die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages zum Thema „Schutz des Menschen und der Umwelt“ definiert Nachhaltigkeit als „dauerhaft zukunftsfähige Entwicklung der ökonomischen, ökologischen und sozialen Dimension menschlicher Existenz“.
Treffender hat es der englische Ökonomie-Professor John Elkington mit seinem Drei-Säulen-Modell nachhaltiger Entwicklung (3BL) postuliert: people, planet, profit. Vorrangig muss diese Maxime für Investmentfonds mit Nachhaltigkeitsanstrich gelten.
Wachsender Markt
Das sozial-ökologische Bankgeschäft hat Konjunktur in Deutschland. Nach einer Erhebung des Sustainable Business Institute (SBI) waren Ende Juni 2011 insgesamt 363 nachhaltige Investmentfondsfonds in Deutschland, Österreich und der Schweiz zum Vertrieb zugelassen. Das Fondsvolumen belief sich auf rund 34 Milliarden Euro. Tendenz steigend. Das Forum Nachhaltige Geldanlage (www.forum-ng.de) hat jährliche Wachstumsraten von rund 20 Prozent ermittelt. Doch nicht immer ist Nachhaltigkeit drin, wo Nachhaltigkeit drauf steht. Das Problem ist, es fehlt ein einheitlicher Standard, was eigentlich unter Nachhaltigkeit zu verstehen ist. So wird leider noch Schindluder getrieben mit dem Begriff.
Vorreiter GLS Bank
Pionier auf dem Gebiet der ökologisch-sozialen Geldanlage ist hierzulande die 1974 gegründete GLS Gemeinschaftsbank eG. (www.gls.de). Aus wessen Geist sie entstanden ist, signalisiert der Volltext des Namens. Die Buchstaben GLS bedeuten Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken. und signalisieren den ursprünglich anthroposophischen Hintergrund. Heute kann das alternative Geldinstitut, das seinen Hauptsitz in Bochum hat, voller Stolz verkünden, die Erste sozial-ökologische Universalbank der Welt zu sein.
Und nicht nur das: Lorbeeren erhielt die GLS Bank vor allem vom Publikum. Zweimal in Folge (2010 und 2011) wurde sie in einer Umfrage von Usern des Internetportals Börse online und Zuschauern des Fernsehsenders n-tv zur Bank des Jahres gekürt. Diese Auszeichnungen waren sicherlich mit Grund dafür, dass die GLS Bank, die dem Bundesverband Deutscher Volksbanken und Raiffeisenbanken angehört, ihre Kundenzahl in drei Jahren mehr als verdoppeln konnte. An ihrem Beispiel soll dargestellt werden, woran sich ethische Geldanlage orientiert und wie sie in der Praxis funktioniert.
Kompromissloser Kriterienkatalog
Bemerkenswert an GLS ist ihr ganzheitliches Konzept einer sozial-ökologischen Ausrichtung mit dem Ziel nachhaltiger Entwicklung der Gesellschaft. Sowohl die Geldanlage für Kunden wie die Kreditvergabe an Kunden orientiert sich an den Grundsätzen
- Investitionen in menschliche Bedürfnisse
- Bewahrung und Entwicklung der natürlichen Lebensgrundlagen
- Ökonomische Rendite sowie Entwicklungschancen für die Zukunft
In der Praxis bedeutet das, GLS empfiehlt für die Geldanlage nur Unternehmen, die einen klaren Beitrag zum nachhaltigen Wirtschaften leisten und ihren ökonomischen Erfolg unter Berücksichtigung sozialer und ökologischer Aspekte erreichen. Ein eigener Anlageausschuss hat dafür einen Kriterienkatalog (Positiv/Negativliste) formuliert:
Zu den Positiv-Kriterien zählen sozial-ökologische Unternehmenspolitik, soziales Engagement, entwicklungspolitische Ziele, Energieeffizienz und erneuerbare Energien, energieeffiziente Transportsysteme und Ressourcenschonung.
Auf der Negativliste stehen Verletzung von Menschen- und Arbeitsrechten, Kinderarbeit, Tierversuche, kontroverses Umweltverhalten, Atomenergie, Biozide, Embryonenforschung, Agro-Gentechnik, Ponografie, Rüstung und Suchtmittel.
Nachhaltig investieren
Als Universalbank bietet GLS eine breite Palette an Geldanlagemöglichkeiten wie Tagesgeldkonto, Festgeld, Sparkonto, Wachstumssparen usw. Richtig spannend wird es aber erst bei den Investmentfonds. Hier empfiehlt GLS aktuell drei Produkte, die gewöhnlich keine Schlagzeilen machen und eher im Verborgenen blühen. Sie stehen unter dem Motto Nachhaltig investieren in eine bessere Zunkunft:
- Ökoworld Ökovision Classic
- Sarasin OekoSar Equity
- Fair World Fonds
Die Anlagephilosophie dieser Fonds wird deutlich, sieht man sich ihre Zusammensetzung an. Beispielhaft hierfür der Ökoworld Ökovison Classic (WKN 974968 / ISIN LU0061928585). Er ist einer der ältesten ethisch-ökologischen Aktienfonds der Welt (seit 1966) und gilt zugleich als der strengste. Investiert wird global in ausgewählte Unternehmen, die in ihrer jeweiligen Branche und Region unter ökologischen, ethischen und fundamentalen Aspekten führend sind sowie die größten Ertragsaussichten versprechen.
Gemanagt wird der Fond von der Ökoworld LUX S.A. in Luxemburg (www.ökoworld.com), einem Tochterunternehmen der Versiko AG in Hilden (www.versiko.de). Bei der Länder-Allokation fällt auf, dass der Fonds zu rund einem Drittel in USA/Kanada investiert ist, während deutsche Unternehmen nur zu elf Prozent vertreten sind. Insgesamt ist der Fonds breit gestreut über Branchen und Regionen. In Deutschland wird investiert in bekannte DAX-Titel wie Fresenius Medical Care (3,13 %) und Henkel (1,00 %), aber auch in mittelständische Unternehmen wie die Vossloh AG aus Werdohl (2,15 %), einem Hersteller von Dieselloks. Aus den USA ragen weltbekannte Namen wie eBay (1,94 %), Starbucks (1,68 %), Union Pacific (1,50 %) und American Water Works (2,05 %) heraus.
Chancen und Risiko
Es gibt ein weit verbreitetes Vorurteil, dass nämlich Anleger bei nachhaltigen Investments auf Renditechancen verzichten müssen. Es wird hergezogen über Weltverbesserer, Gesundheitsapostel und Oekofreaks, mit denen kein Geschäft zu machen sei. Doch das ist Unsinn. Eine Studie der Rating-Agentur Oekom-Research hat gezeigt, dass ein global an Nachhaltigkeit orientiertes Aktienportfolio deutlich besser abschneiden kann als der Vergleichsindex MSCI World.
Der langfristige Blickwinkel nachhaltig geführter Unternehmen erwies sich vor allem in den zurückliegenden Krisenzeiten als überlegen. Denn Nachhaltigkeit bedeutet oft auch Stabilität. Auf der anderen Seite sind auch ökologisch-soziale Investments nicht ohne Risiko. Nachhaltigkeit und Insolvenz schließen sich nicht aus, wie jüngste Beispiel aus der Solarindustrie zeigen. Q-Cells, eines von Europas größten Photovoltaik-Unternehmen, musste am 3. April Insolvenzantrag stellen.
Der in Bitterfeld (Sachsen-Anhalt) ansässige Konzern mit einem Jahresumsatz von 1,02 Milliarden Euro (2011) schrieb tiefrote Zahlen und war an der Börse in den Keller gestürzt. Q-Cells war bereits das vierte Opfer der Branchenkrise innerhalb kurzer Zeit. Geld anlegen mit guten Gewissen erfordert wie jedes andere Investment auch sachkundige Beratung, sorgfältige Prüfung und persönliches Engagement.








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