Rendite, Sicherheit und Flexibilität: Mischfonds – drei Fliegen mit einer Klappe
VON KLAUS KRAUSE - zuletzt aktualisiert: 15.08.2011 - 09:31Düsseldorf (RPO). In Anlegerkreisen herrscht Unruhe. Euro-Krise, Staatsverschuldung, steigende Inflationsraten. Jeden Tag neue Hiobsbotschaften. Droht die nächste Finanzkrise? Die Anlageberater der Banken stehen unter Druck. Ganz oben auf ihrer aktuellen Empfehlungsliste stehen Mischfonds.
Muli Asset Fonds, wie sie neudeutsch heißen, werden als Rundum-sorglos-Paket gegen alle Fährnisse an den Finanzmärkten angepriesen. Was ist drin in diesen Wundertüten?
Die Grundidee von Mischfonds ist bestechend. Durch den Mix verschiedener Anlagen sollen gleich drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Rendite, Sicherheit und Flexibilität. Nach dem Lehrbuch bringen Aktien dem Fonds Gewinne, festverzinsliche Wertpapiere garantieren Stabilität, Risiken werden mit modernen Instrumenten wie Derivaten abgesichert. Und ein cleverer Fondsmanager sorgt durch geschickte Manöver dafür, dass unterm Strich immer eine vernünftige Rendite herauskommt. Anleger, was willst du mehr?
Mischfonds stark gefragt
Mischfonds erleben gegenwärtig einen Boom. Sie sind der Renner der Saison. Vielen Anlegern ist das Engagement in reinen Aktienfonds zu riskant geworden, um Rentenfonds machen sie einen Bogen wegen der geringen Rendite. Mischfonds gelten als goldener Mittelweg. 2010 flossen 7,8 Milliarden Euro in die Multi-Asset-Klasse, mehr als in klassische Aktien- und Rentenfonds zusammen. Bis Ende Mai 2011 stieg das Investitionsvolumen um weitere 1,6 Milliarden Euro. Rund 1600 unterschiedliche Mischfonds bemühen sich derzeit am deutschen Kapitalmarkt um das Geld der Anleger.
Sie bieten insgesamt ein verwirrendes Bild. Und ihre Namen sind auch oft schleierhaft. Was kann sich der Anleger vorstellen unter „Bantleon Opportunities L“, DJE Gamma Concept“ oder „GAP Portfolio UI“?. Gemeinsamer Nenner aller Mischfonds ist die Formel, große Teile des eingesammelten Kapitals in Aktien und Anleihen zu investieren. Die Gewichtung der Anteile, die Beimischung zusätzlicher Instrumente wie Geldmarkttitel, Rohstoffe, Immobilien, Edelmetalle, vor allem auch die Gestaltungsfreiheit des Managers ist von Fonds zu Fonds unterschiedlich. Bevor sich ein Anleger für einen Mischfonds entscheidet, sollte er die Angebote genau unter die Lupe nehmen.
Qual der Wahl
Bildlich gesprochen hat die Palette der 1600 vorhandenen Mischfonds viele Farben und Facetten. In der Sprache der Banker fächert sich das Angebot von konservativ (Aktienanteil bis 30 Prozent) über ausgewogen (50 bis 60 Prozent) und dynamisch (bis 100 Prozent) bis zu flexibel (0 bis 100 Prozent). Der Anleger sollte auch bei der Wahl eines Mischfonds vor allem seine Risikobereitschaft zum Maßstab machen.
Dazu benötigt er mehr als allgemeine Informationen. Er braucht Antworten auf folgende Fragen:
1. Wie ist die prozentuale Verteilung der verschiedenen Anlagen (Aktien, Anleihen, Geldmarkttitel usw.)?
2. Gibt es klar definierte Ober- und Untergrenzen für die verschiedenen Anlageklassen?
3. Nach welchen Kriterien werden Aktien und Anleihen ausgewählt?
4. Welche Entscheidungsspielräume hat der Fondsmanager?
5. Werden Kontrollinstrumente eingesetzt?
6. Und ganz wichtig: Wie hoch sind die Kosten?
Berater, die um Antworten verlegen sind – entweder weil sie selbst im Dunkeln tappen oder ihr Wissen nicht preisgeben wollen – machen gern ein neues Fass auf mit dem Argument, Hauptsache, die Rendite stimmt. Und an dieser Stelle werden dann meistens Rankings präsentiert, die beweisen sollen, dass der angebotene Mischfonds in der Vergangenheit besonders gut abgeschnitten hat.
Aber auch hier heißt es Vorsicht! Lorbeeren von gestern sind schnell verwelkt. Nur ein Fonds, der über viele Jahre eine überdurchschnittliche Rendite erwirtschaftet hat, kann sich damit schmücken. Und was bedeutet Rendite? Brutto oder netto? Als Maßstab für die Wertentwicklung eines Fonds gilt international die Formel: Ertrag nach Kosten und inclusive wieder angelegter Ausschüttungen.
Kostenvergleich
Wie finde ich die beste Adresse, wenn ich mich für Mischfonds interessiere? Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen direkten Fondsanbietern wie zum Beispiel Union Investment (Volksbanken), Deka (Sparkassen), DWS (Deutsche Bank) oder Allianz (Commerzbank). Hier ist jeder Fonds an klare Richtlinien gebunden, deren Einhaltung auch kontrolliert wird. Daneben tummeln sich viele unabhängige Vermögensverwalter, die im Fondsmanagement wesentlich freier operieren können und deshalb häufig bessere Renditen erwirtschaften.
Knackpunkt könnten aber auch die unterschiedlichen Kosten sein. Hier gilt die Faustregel, wonach die alteingessenen Mischfonds günstiger sind als die vielen Newcomer. Was bleibt, ist die Qual der Wahl. Und hoffentlich eine glückliche Hand.
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