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Geschlossene Umweltfonds bergen Risiken: Öko muss nicht immer Gewinn bedeuten

VON MANFRED ROLFSMEIER - zuletzt aktualisiert: 17.08.2011 - 08:42

Hamburg (RPO). Umweltbewusste Anleger sollten bei "grünen" Unternehmensbeteiligungen äußerst vorsichtig sein, denn im ungünstigsten Fall droht ihnen der Totalverlust.

Bei Investitionen in Öko-Fonds können erhebliche Kosten auf den Kunden zukommen.  Foto: tmn
Bei Investitionen in Öko-Fonds können erhebliche Kosten auf den Kunden zukommen. Foto: tmn

Bei diesen geschlossenen Umweltfonds, die beispielsweise in Solar- oder Windkraft investieren, werden oft hohe Zinsen, Ausschüttungen oder Renditen in Aussicht gestellt. "Kleinanleger sollten sich nicht von der Werbung blenden lassen, denn der Erfolg ist ungewiss, und sie müssen jederzeit mit Verlusten rechnen", sagt Ariane Lauenburg vom Magazin "Finanztest" der Stiftung Warentest.

Die Warentester haben acht derartige Unternehmensbeteiligungen mit Laufzeiten zwischen 2,5 und 27 Jahren unter die Lupe genommen, für die noch Anleger geworben werden. Das Spektrum dieser Fonds reicht von Investitionen in energieeffiziente Bürogebäude über Solarkraftwerke, Biogasanlagen und Windparks bis zu Kiefernwäldern in den USA. Die Mindestanlagesumme beträgt 5000 beziehungsweise 10.000 Euro.

Gravierende Mängel bei aktuellen Angeboten

Info

Geschlossene Fonds sind Produkte des sogenannten Grauen Kapitalmarkts, der keiner staatlichen Kontrolle unterliegt. Der Fondsprospekt wird von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zwar formal, aber nicht inhaltlich geprüft. Anders als bei offenen Fonds können Anleger ihr Geld nur innerhalb eines bestimmten Platzierungszeitraums investieren, danach wird der Fonds geschlossen. Viele derartige Produkte werden als ideale Möglichkeiten zum Sparen von Steuern verkauft. Die Versprechungen sind nach Erfahrungen der Verbraucherzentrale Berlin aber häufig überzogen. Und der Spareffekt gelte ohnehin nur für Gutverdiener, die hohe Abzüge haben.

Das Urteil der "Finanztest"-Experten zu den untersuchten Beteiligungen ist ernüchternd: Lediglich zwei Fonds wurden als "gerade noch befriedigend" bewertet. Bei den übrigen Beteiligungen gibt es gravierende Mängel. Dazu zählen fragwürdige Renditeprognosen, überhöhte Verkaufspreise sowie unrealistische oder undurchsichtige Konzepte.

Schon beim Kauf werden Anleger kräftig zur Kasse gebeten. Allein die einmaligen Kosten betragen bei den untersuchten Beteiligungen zwischen 15 und 30 Prozent der Anlagesumme. Außerdem werden jährliche Gebühren zwischen 0,5 und 3,1 Prozent fällig. Bei einigen Angeboten kommen außerdem noch Kosten beteiligter Gesellschaften hinzu.

"Selbst wenn während der Laufzeit keine Komplikationen auftreten, können Anleger meist nicht mit großen Gewinnen rechnen", sagt Lauenburg. Denn die von den Unternehmen prognostizierte jährliche Rendite beträgt zwischen 4,2 und 8,7 Prozent. Es gebe durchaus auch empfehlenswerte "grüne" Beteiligungsprojekte, aber sie zu finden, sei für Laien äußerst schwierig, betont die Expertin.

Unbedingt Leistungsbilanz prüfen

Das bestätigt auch Jörg Weber vom Branchendienst Ecoreporter. "Ein Anleger, der in solche Beteiligungen einsteigen will, braucht einen kompetenten und unabhängigen Berater, denn der Markt ist komplex, und die Produkte sind oft äußerst kompliziert." Wichtig sei zudem die Erfahrung des Anbieters.

Daher sollten sich Anleger auf jeden Fall die Leistungsbilanz der zu Ende geführten Fonds zeigen lassen. "Dann kann man vergleichen: Was hat ein Anbieter angekündigt und was hat er eingehalten", sagt Weber. Und wer investieren will, bei dem sollte der Anteil solcher Beteiligungen sicherheitshalber nicht mehr als 10 bis 20 Prozent des Depotvolumens ausmachen.

Anlegern, die das Risiko einer solchen Anlage gering halten wollen, rät Lauenburg, darauf zu achten, dass die Laufzeit des Fonds weniger als fünf Jahre beträgt, mehr als drei Fondsobjekte finanziert werden und kein Geld in unbekannte Objekte fließt. Der Anteil von Krediten an der Gesamtinvestitionssumme sollte maximal 30 Prozent und die einmaligen Nebenkosten für den Anleger weniger als zehn Prozent betragen. Außerdem sollte sich der Anbieter zur Rücknahme von Anteilen vor Ablauf der Vertragslaufzeit verpflichten.

Problematisch wird es für Investoren, wenn sie während der Laufzeit feststellen müssen, dass ihr Fonds schlecht läuft. Ein Ausstieg ist dann meist unmöglich. Zwar gibt es einen Zweitmarkt an lokalen Börsen, doch problemlos lassen sich hier nur gut laufende Beteiligungen verkaufen. Andere Anteile werden Anleger auch hier entweder gar nicht oder nur mit hohen Abschlägen wieder los.

Quelle: dapd

 
 
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