Stiftung Warentest: Schlechte Noten für Bankberater
VON WILJO KRECHTING - zuletzt aktualisiert: 16.12.2009 - 07:37Düsseldorf (RP). Ratgeber Bei einem Test der Zeitschrift "Finanztest" gaben Banken bei ihrer Anlageberatung ein schlechtes Bild ab. Es gibt jedoch Hinweise, wie Anleger eine gute Beratung erkennen können.
Deutsche Banken haben in der Finanzkrise an Vertrauen verloren, aber daraus offenbar zu wenig Konsequenzen in Sachen Kundenberatung gezogen. Das ist ein Fazit, das man aus der neuesten Untersuchung der von der Stiftung Warentest herausgegebenen Zeitschrift "Finanztest" ziehen kann. In einem Test unter 21 Großbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken habe kein Institut das Qualitätssiegel "gut" oder "sehr gut" bekommen, berichtet "Finanztest" in seiner aktuellen Ausgabe. Nur drei Institute hätten mit "befriedigend" abgeschnitten, die große Mehrheit nur mit "ausreichend" (16 Banken) oder gar mit "mangelhaft" (zwei Banken, siehe Tabelle).
Nun will Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) die Bankenbranche mit staatlichen Maßnahmen zu besserer Kundenberatung zwingen, wie sie dem "Hamburger Abendblatt" sagte. "Die jüngsten Fälle eklatanter Falschberatung zeigen: Ohne gesetzliche Regelungen und ohne stärkere Kontrolle geht es nicht", sagte Aigner.
Das Ergebnis falle so schlecht aus, weil die Banken ihren Kunden in den meisten der verdeckt geführten Testgespräche gesetzlich vorgeschriebene Informationen vorenthalten hätten, berichtete "Finanztest". Bankberater hätten in vielen Fällen zu riskanten Geschäften geraten, die Kunden aber nicht nur mangelhaft über diese Risiken aufgeklärt, sondern darüber hinaus die aktuelle finanzielle Lage der Anleger teilweise völlig außer Acht gelassen. Und sie hätten nicht darauf hingewiesen, dass angesichts der schwierigen Lage auf den Finanzmärkten die von den Testern geforderte Rendite von vier Prozent nicht zu erzielen sei.
Risikoreiche Zertifikate
Stattdessen hätten die Banken risikoreichere Produkte wie Zertifikate, Immobilien- oder Aktienfonds angeboten oder risikoarme Anlagen mit nur schwacher Verzinsung, aber hoher Provision. "Finanztest" wertete für die Untersuchung die Ergebnisse aus 147 Beratungsgesprächen aus. Die Tester wollten dabei 30 000 Euro für fünf Jahre zu vier Prozent anlegen.
Die Tester geben Hinweise, wie Anleger eine gute Beratung erkennen können. Zunächst müsse der Bankberater wissen, mit wem er es zu tun hat. Das heißt: Er muss den Kunden über alle relevanten Daten wie Alter, Beruf, Familienstand, Schulden und, falls vorhanden, frühere Geldanlagen befragen. Außerdem müsse der Berater das Anlageziel kennen und wissen, wofür das Geld angelegt werden solle, wie lange es festliegen solle und welches Risiko der Kunde dabei eingehen wolle. Niemand ist verpflichtet, dem Bankberater diese Auskünfte zu geben. Aber dann darf der Berater auch keine Empfehlung für eine Geldanlage mehr aussprechen.
Produkt genau vorstellen
Das Produkt, das der Berater im Zweifel empfiehlt, muss er genau vorstellen. Zunächst muss er beschreiben, wie die Geldanlage im Einzelnen funktioniert und welche Rendite sie verspricht. Der Kunde muss über das Risiko aufgeklärt werden, das er eingeht. Und der Berater muss ihn auch darauf hinweisen, wie sehr während der Laufzeit der Wert der Anlage schwanken kann.
Und noch ein wichtiger Punkt: die Kosten. Der Berater muss auch die Nebenkosten nennen, einschließlich Kaufgebühren, Verwaltungsgebühren oder den Kosten für eine Depotführung. Die in Rechnung gestellten Provisionen sind separat aufzuführen.
Der Berater muss zudem den Kunden auf die drohende Abgeltungssteuer und auf einen Freistellungsauftrag ansprechen.
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