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Anlegerberatung: Verbraucherschützer entwickeln Ampelcheck für Geldanlagen

zuletzt aktualisiert: 02.08.2009 - 08:35

Hamburg (RPO). Mit einem bundesweit einmaligen Bewertungssystem soll unerfahrenen Anlegern die Auswahl der passenden Geldanlage erleichtert werden. Dazu hat die Verbraucherzentrale Hamburg den ersten "Ampelcheck Geldanlage" entwickelt.

In der gleichnamigen Broschüre werden die Vor- und Nachteile der meisten Anlageformen klar bewertet: Rot bedeutet Gefahr, Gelb signalisiert Risiko und Grün steht für empfehlenswert. Die 45-seitige Broschüre ist schon kurz nach dem Erscheinen ein Renner. Fast 5.000 Exemplare wurden in den ersten Wochen verschickt, die zweite Auflage ist bereits in Druck.

Die meisten Verbraucher würden den Empfehlungen von Banken, Sparkassen oder Versicherungen vertrauen, aber dieses Vertrauen sei nach wie vor unberechtigt, sagt Edda Castelló, Finanzexpertin der VZ. "In Geldinstituten sind nicht Berater, sondern Verkäufer tätig. Sie empfehlen Produkte, an denen sie möglichst viel verdienen. Das sind nicht diejenigen, die für die Verbraucher richtig sind", erläutert Castelló. In den Depots der meisten Bundesbürger lagerten daher zumeist schlecht ausgewählte, unpassende, riskante, undurchsichtige oder zu teure Anlagen.

Warnung vor Lebens- und Rentenversicherungen

Der neue Ratgeber bewertet Sicherheit, Rendite, Liquidität und Transparenz der Anlage. Und für zahlreiche Produkte fällt der Ampelcheck überwiegend negativ aus. Das gilt beispielsweise für Kapital-Lebensversicherungen sowie private Rentenversicherungen. Bemängelt werden hier insbesondere die mäßige Rendite und die hohen Kosten. Wegen der langen Anlagedauer zwischen 12 und 100 Jahren verfügen Anleger kaum über Liquidität, außerdem sind die Versicherungen den Experten zufolge äußerst intransparent. Ähnliches gilt auch für die Rürup-Basis-Rente.

Überwiegend negativ beurteilt werden auch geschlossene Fonds. Denn hier droht der völlige Wertverlust, und Anleger werden zudem durch hohe Kosten belastet. Zumeist wird eine Laufzeit von zehn oder mehr Jahren vereinbart, ein vorzeitiger Verkauf der Anteile ist nicht oder nur mit Verlust möglich. Zudem ist die Vertragsgestaltung laut den Verbraucherschützern oft äußerst komplex und für Laien nicht verständlich.

Bei Aktien wird insbesondere der Sicherheitsaspekt negativ bewertet. Zugleich wird davor gewarnt, Aktientipps angeblicher Experten zu vertrauen. Auf jeden Fall sollten Anleger nicht nur auf einen Wert setzen, sondern das Risiko streuen. Empfehlenswerter sind demnach Aktienfonds. Das gilt insbesondere bezüglich der Sicherheit. Eine Empfehlung sind auch Indexfonds, da sie nur geringe Kosten verursachen.

Gemischt fällt die Bewertung für Anleihen aus, da hier die Sicherheit von der Bonität des Unternehmen oder jeweiligen Landes abhängt. Grundsätzlich gilt: Je unsicherer das Kapital, desto höher die Zinsen. Besondere Vorsicht sei bei Anleihen unbekannter Firmen geboten. Ähnliches gilt auch für Zertifikate, wobei hier vor allem die Transparenz negativ bewertet wird, denn die meisten Produkte seien für Laien unverständlich.

Gute Noten für Zinsanlagen

Zu den am besten bewerteten Anlagen zählen Tages- und Festgeld sowie das Sparbuch. Das gilt insbesondere für die Sicherheit der Anlage. Einschränkungen gibt es jedoch bei der Rendite, denn Sparbücher bringen nur Mini-Zinsen. Auch Bundeswertpapiere sowie Riester-Sparpläne erhalten wegen ihrer Sicherheit, der Rendite und der Transparenz überwiegend positive Bewertungen. Im "grünen Bereich" liegen auch selbst genutzte und vermietete Immobilien, da hier ein Wertverlust eher unwahrscheinlich ist. Zugleich haben die Experten die Eignung der Anlageprodukte für die Altersvorsorge bewertet. Eine uneingeschränkte Empfehlung gibt es hier nur für Zinsanlagen, Riester-Sparpläne und Bundeswertpapiere.

Eventuelle Steuervorteile wurden bei der Bewertung nicht berücksichtigt. "Mit dem Argument Steuerersparnis werden oft die allerschlimmsten Produkte verkauft", sagt Castelló. Für den Normalsparer spielten sie ohnehin kaum eine Rolle. Zugleich räumt die Expertin ein, dass die Ampel-Bewertung nicht alle Anlageaspekte berücksichtigt und bei der plakativen Kennzeichnung manche Feinheiten unter den Tisch fallen würden. Ziel des Ratgebers sei vielmehr, den Anlegern eine erste Orientierung zu geben.

Der Ratgeber "Ampelcheck Geldanlage" kostet 4,90 Euro und kann bei der Verbraucherzentrale bestellt werden.

Quelle: AP/sdr

 
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