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Versicherungen: Wer welche Policen braucht

VON ULRIKE WINTER - zuletzt aktualisiert: 04.03.2008 - 08:55

Düsseldorf (RP). Laut Verbraucherzentrale NRW sind viele Menschen falsch versichert, und das kostet sie unnötig viel Geld. Manche Versicherungen sind ein Muss, andere brauchen nur Teile der Bevölkerung, wieder andere sind überflüssig.

3090 Euro ließ sich ein deutscher Haushalt 2007 durchschnittlich seinen Versicherungsschutz kosten. Gigantische 20 Milliarden Euro könnten die Deutschen Jahr für Jahr sparen, so der Bundesverband der Versicherungsberater, wenn sie ihre Verträge regelmäßig aktualisieren würden - oder von Anfang an nur die abschließen würden, die sie wirklich brauchen.

„Überversichert sind einige, falsch versichert sind viele“, bestätigt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale NRW. Eine private Haftpflicht haben nur zwei Drittel der Menschen, eine Berufsunfähigkeit nur ein knappes Viertel. Dabei sind gerade diese beiden Policen existenziell wichtig. Generell gilt: Alles, was für einen selbst oder die Familie zum finanziellen Ruin führen kann, gehört versichert, heißt es auch bei Stiftung Warentest: Krankheit, Invalidität, Tod oder kostspielige Schäden, die man tragen muss.

Das ist Pflicht

Privathaftpflicht Gegen alltägliche Missgeschicke, für die er unbegrenzt und lebenslang aufkommen muss, sollte sich jeder versichern. Die Deckungssumme sollte mindestens drei, besser fünf Millionen Euro betragen, raten Experten. Zumal dieses Absicherung vergleichsweise günstig ist: Schon für 40 bis 70 Euro gebe es gute Policen, heißt es beim Bund der Versicherten. Bei der Hundehalterhaftpflicht, unabdingbar für jeden Hundebesitzer, sollte eine ähnlich hohe Deckungssumme veranschlagt werden, betont Elke Weidenbach. Allerdings sollte man vor der Anschaffung prüfen, ob die Anbieter die jeweilige Rasse versichern. Wer einen Öltank im Keller stehen hat, sollte zudem in eine Gewässerschadenhaftpflicht investieren, sagt Elke Weidenbach: „Sollte der auslaufen und die Schäden müssen beseitigt werden, kostet das richtig Geld.“

Risikolebensversicherung Für den Todesfall vorsorgen sollten vor allem jene mit familiären Verpflichtungen. Während die Risikolebensversicherung nur im Todesfall ausgezahlt wird, legen Versicherte bei der Kapital-Version einen Teil auf die hohe Kante. Der Risikoschutz komme dabei zu kurz, so Verbraucherschützer: „Versichern und Sparen trennen“, laute die Grundregel.

Berufsunfähigkeit „Ein Fünftel der Menschen wird heute irgendwann berufsunfähig“, sagt Jens Trittmacher vom Bund der Versicherten. 70 Prozent der Ursachen dafür, darunter Herz-Kreislaufprobleme, unheilbare oder psychische Krankheiten, können jeden treffen. Entsprechend sollte sich jeder versichern - auch Studenten und Hausfrauen. Wer sich eine Versicherung nicht leisten oder wegen seines hohen Arbeitsrisikos nicht abschließen kann, sollte eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung abschließen. Für Kinder gibt es eine entsprechende Invaliditätsversicherung. Hinweis: Wer jung einsteigt, zu entsprechend günstigen Prämien, sollte auf eine Nachversicherungsgarantie achten. Diese erlaubt, die Rente später nach oben anzupassen - ohne Gesundheitsprüfung. Die Unfallversicherung ist laut Stiftung Warentest billiger als die Berufsunfähigkeitspolice. Aber ein Ersatz sei sie nicht, so Verbraucherschützer.

Policen für bestimmte Gruppen

Gebäudeversicherung Wer neu baut, muss Kreditgebern mitunter nachweisen, dass er das Eigentum gegen Hagel, Feuer, Sturm oder Leitungswasserschäden versichert hat. Wer das freiwillig tut (auf jeden Fall geboten), dem raten Experten zum Paket (je nach Wohnlage), auf jeden Fall aber dazu, den klassischen Rohrbruch zu bedenken. Wichtig: Wer Dachgeschoss aus- oder Wintergarten anbaut, muss die Versicherungssumme anpassen lassen.

Hausrat Eine Wohnungseinrichtung zum Neuwert zu versichern, lohnt vor allem bei teuren Einrichtungen. Versicherer veranschlagen häufig einen Wert von rund 650 Euro pro Quadratmeter. Experten raten, diese Grenze einzuhalten oder den Wert der Wohnungseinrichtung korrekt zu ermitteln. Wer große Anschaffungen tätigt, sollte die Policen anpassen. Neuanschaffungen im üblichen Rahmen werden durch Prämienanpassungen abgedeckt. Übrigens: Studenten mit Hauptwohnsitz bei den Eltern können Schäden über deren Hausratversicherung abrechnen.

Davon ist abzuraten

Kreditversicherung Gegen Schulden versichert zu sein, sorgt vermeintlich für einen ruhigeren Schlaf. Allerdings warnen Verbraucherschützer: „Vor allem im Kleinkreditbereich, also 5000 Euro, sind Restschuldversicherungen oft bis zu zehnfach überteuert“, sagt Elke Weidenbach. Ihr Rat: „Betroffene sollten lieber eine Risikolebensversicherung an die Bank abtreten.“

Sterbegeld Dass Beerdigungen mitunter teuer werden, stimmt - dass man dafür eine Versicherung abschließen muss, nicht. „Im Grunde sind Sterbegeldpolicen kapitalbildende Lebensversicherungen, die zum Tod ausgezahlt werden“, sagt Elke Weidenbach. Jungen Menschen empfiehlt sie stattdessen eine Risikolebensversicherung, älteren, die sehr teure Prämien zahlen müssen, monatlich hundert Euro beiseite zu legen. Weidenbach: „Wer sich seine Prämie bei der Bank verzinsen lässt, ist auf jeden Fall besser dran.“


 
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