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Geldanlage: Wie man richtig spart

VON GEORG WINTERS - zuletzt aktualisiert: 30.10.2009 - 07:24

Düsseldorf (RP). Wer beim Geldanlegen viel Rendite haben will, muss dafür auch bereit sein, ein höheres Risiko einzugehen. Das vergisst aber mancher Anleger allzu leicht – und sein Bankberater auch.

Heute erleben Deutschlands Sparkassen wie alle Jahre wieder die Invasion der Kleinen. Es ist Weltspartag, jedes Kind bekommt ein Sparschwein, einen Kugelschreiber, vielleicht auch einen Knax-Comic und einen Luftballon. Der kleine Anfang einer vielleicht großen Sparer-Karriere. Sparen ist ein Evergreen, weil jeder Mensch zeit seines Lebens Ziele und Träume hat. Und davon lässt er nicht, egal, wie alt er ist.

Nicht mal in der großen Wirtschaftskrise, die wir doch so gern hinter uns lassen würden, in der wir alle auf den Aufschwung hoffen, in der wir viel konsumieren sollten, um das Wachstum anzukurbeln. Ist Sparen nicht schädlich für die Volkswirtschaft? Gilt nicht das Sparparadoxon des Ökonomen John Maynard Keynes? Das besagt stark vereinfacht: Wenn alle sparen, sinkt die Nachfrage nach Gütern. Die Unternehmen müssen dann selbst sparen, weil sie weniger verkaufen, sie drosseln ihre Produktion, und am Ende schadet uns allen zusammen das Sparen des Einzelnen mehr, als es nutzt.

Info

Zwischen 1999 und 2008 hat sich das Sparverhalten der Deutschen verändert: Der Anteil der Spar-, Sicht- und Termineinlagen nahm laut Deutscher Bundesbank von 1266 auf 1743 Milliarden Euro zu. Auch der Anteil in Geldananlagen bei Versicherungen wuchs von 808 auf 1263 Milliarden. Investmentsfonds gewannen ebenfalls an Gewicht. In Aktien legten die Deutschen 1999 noch 477 Milliarden ihres Vernögens an, 2008 nur noch 166 Milliarden. Auch festverzinsliche Wertpapiere sind nicht mehr so gefragt: Ihr Anteil sank von 331 auf 304 Milliarden Euro.

So kann man argumentieren, aber es geht auch andersrum. Was gespart wird, kann über die Banken wieder in den Kreislauf kommen – zum Kunden, der sich per Ratenkredit seine Küche kauft, in die Firma, die Geld für Investitionen in neue Maschinen braucht. Die Neoklassik sagt: Sparen ist eine Tugend. Daran halten sich die Deutschen – erst recht in unsicheren Zeiten. Spare in der Zeit, so hast Du in der Not. Und manchen kann es nicht genug sein: "Die Deutschen sparen keineswegs zu viel. Wohin es führt, wenn die Privathaushalte nicht genügend Erspartes haben, sondern tendenziell sogar überschuldet sind, war in den vergangenen zwei Jahren in den USA zu beobachten", erklärt Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Er will den Vermögensaufbau speziell bei Kleinsparern durch den Staat stärker gefördert sehen. Eine schrittweise Verdoppelung des Sparerpauschalbetrags sei sinnvoll.

Davon könnte dann irgendwann auch der Erstklässler profitieren, der heute mit seinem Luftballon die Sparkassen-Filiale verlässt und sich angesichts von so viel Aufmerksamkeit wie im siebten Himmel fühlt. Von solch himmlischen Gefühlen bleibt im Laufe einer irdischen Bankkunden-Existenz nicht immer viel übrig. Manche verlieren den Glauben an die Sinnhaftigkeit der Geldanlage, weil die ihnen zu wenig Rendite abwirft oder ihnen dadurch Albträume beschert, dass das mühsam erarbeitete Kleinvermögen an der Börse zusammenschmilzt wie Eis in der Sonne. Es gab Jahre, in denen hat Omas Sparbuch mehr Rendite gebracht als ein Investment in börsennotierte deutsche Vorzeigeunternehmen. Darauf haben manche Deutsche reagiert. "Sie setzen bei der Geldanlage vor allem auf Sicherheit. Dies ist – gerade in unsicheren Zeiten – durchaus nachvollziehbar", sagt Andreas Schmitz, Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken. Also Finger weg von Geldanlagen, die keine Sicherheit versprechen? Nein. Aber man muss Regeln beherzigen:

Vertrauen

Wer bei der Geldanlage halbwegs sicher sein will, sucht sich mehrere Anbieter und vergleicht. Alle mündlichen Zusagen, die der Banker gegeben hat, sollte man schriftlich einfordern.

Risiko

Wer beim Geldanlegen viel Rendite haben will, muss bereit sein, ein höheres Risiko einzugehen. Mancher Deutsche vergisst das im Gespräch mit der Bank nur allzu leicht. Und sein Berater auch – weil möglicherweise das Risikoprodukt mehr Provision verspricht. Gegen diesen Vorwurf verwahren sich die Geldhäuser regelmäßig, aber schwarze Schafe werden bei fast jedem Test festgestellt. "Man sollte beim Investieren nie vergessen, dass die Banken an uns und mit uns Geld verdienen wollen", sagt Hans-Peter Burghof, Banken-Experte von der Universität Hohenheim. Und es gilt das, was NRW-Verbraucherschützer Thomas Bieler einmal treffend so beschrieb: "Ohne Risiko gibt es nur den Zins, den auch eine zehnjährige Bundesanleihe bietet."

Rrisikostreuung

Nicht alle Eier in einen Korb – schon oft gehört? Kein Wunder. Gold ist ein gutes Argument gegen Inflation, die Immobilie auch. Aktien versprechen bei erfolgreichen Unternehmen Kursgewinne und Dividenden, Sparbriefe eine sichere Verzinsung ohne Risiko. "Langfristig sollte bei der Geldanlage ein guter Mix aus verschiedenen Bausteinen im Vordergrund stehen", sagt Banken-Präsident Schmitz. Selbst das gute alte Sparbuch, über das viele selbsternannte Anlage-Experten gern mitleidig den Kopf schütteln, kann in den Mix passen: "Das Sparbuch ist unkompliziert, es ist ein sicheres Instrument, wenn die Bank gut ist, und es macht dem Sparer keine falschen Zinsversprechen", sagt Banken-Experte Burghof.

Verständnis

"Niemand sollte sich selbst überschätzen", warnt Burghof. Also gilt: Man sollte nur die Produkte kaufen, die man selbst versteht. Selbst wenn man den Berater zum fünften Mal mit der Frage nervt, wie ein Zertifikat auf den Dax eigentlich funktioniert – ehe der eigene Verstand das Ganze nicht durchdrungen hat, sollte man die Finger davon lassen.

Quelle: RP

 
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