Tipps: Bauen: So klappt's mit dem Traumgrundstück
zuletzt aktualisiert: 04.04.2005 - 09:32Rottau/Berlin (rpo). Der Traum vom Haus beginnt nicht mit Eigenkapital oder Finanzierung, sondern ganz banal mit dem Grund, auf dem das Traunmhaus steht. Schon hier lauern einige kleine aber feine Details, die Sie in jedem Fall beachten sollten. Pläne wollen gewälzt und amtliche Vorgaben ausgefüllt werden. Lesen Sie unsere Tipps zur Grundstückssuche.
"Wer sein Haus schon ganz genau im Kopf hat, sucht unter Umständen lange nach dem Grundstück, auf dem er es auch bauen darf", sagt Beate Bühl aus Rottau (Bayern), Autorin des Ratgebers "Wir planen unser Haus: Vom Wunsch bis zur Baugenehmigung" (Callwey Verlag, ISBN 3-7667-1601-8, 16,95 Euro). "Wer hingegen bereit ist, seine Pläne dem Baugrund anzupassen, wird schneller fündig."
Die Suche nach dem richtigen Grundstück kann auf verschiedene Weise erfolgen: Wer nicht allein Immobilienanzeigen in Zeitungen und im Internet wälzen will, kann sich entweder direkt an eine Gemeinde wenden oder bei Banken, Maklern oder Bauunternehmern fragen. Generell ist die Unterstützung durch einen Profi, sei es nun ein Immobilienhändler oder ein Architekt, durchaus sinnvoll, rät Herbert Barton vom Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB) in Berlin.
Umfeld beachten
Denn neben dem Preis und der Größe gibt es eine Menge anderer Faktoren, die beim Kauf eines Grundstücks beachtet werden sollten. "Das beginnt ganz banal mit dem Ausblick, den man von dort aus hat, den benachbarten Grundstücken und Häusern, die eventuell Schatten werfen können, der Verkehrsanbindung und der Frage, wie laut oder ruhig die Lage ist", sagt die Architektin Maria Weig aus Eggstätt im Chiemgau (Bayern).
Um solche Faktoren einschätzen zu können, ist es ratsam, Grundstücksbesichtigungen nicht nur an Wochenenden oder abends anzusetzen, nur weil sie dann besser in den Terminplan passen. Darauf macht der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) in Berlin auf seinen Bau-Ratgeberseiten im Internet (www.baufoerderer.de) aufmerksam. Denn Berufsverkehr, Gerüche der ortsansässigen Betriebe oder Flug- und Schienenlärm sind Faktoren, die einem die Freude am Traumhaus gründlich verderben können.
Bodenbeschaffenheit kontrollieren
Auch die Bodenbeschaffenheit und eventuelle Altlasten in der Erde durch frühere Bauten spielen eine große Rolle, so die Verbraucherschützer weiter. Erhöhte Grundwasserspiegel können spezielle Isolierungen erforderlich werden lassen, das Beseitigen von Altlasten kann kostspielig werden, und auch felsiger Untergrund oder das Bauen am Hang schlagen mitunter teuer zu Buche.
Andererseits kann gerade eine windgeschützte Hanglage später Energiekosten senken. "Hier kommt dann wieder der Architekt ins Spiel", sagt Maria Weig. "Der hat mit den Böden in dieser Gegend meist seine Erfahrung und kann früh einschätzen, ob Mehrkosten kalkuliert werden müssen, und inwiefern die sich später rechnen."
Der Architekt kann aber auch bei einem anderen wichtigen Schritt behilflich sein. Bevor ein Käufer ein Grundstück erwirbt, sollte er unbedingt dessen Bebauungsplan einsehen. Erst dieser Plan weist Rohbauland zu Bauland aus, das tatsächlich sofort bebaut werden darf. Gleichzeitig legt er fest, welche Art von Haus hier gebaut werden darf, also wie viele Etagen, welche Dachneigung, welche Grenzflächen erlaubt oder verpflichtend sind.
Kostenpflichtige Bauvoranfrage
Falls kein Bebauungsplan vorliegt, kann eine kostenpflichtige Bauvoranfrage an das Bauamt gestellt werden. "Die sollte man unbedingt abwarten oder aber in den Kaufvertrag eine Klausel einfügen, die festlegt, dass der Verkäufer die gewünschte Bebauung zusichert", rät Dirk Wohltorf vom Immobilien Verband Deutschland (IVD) in Berlin. "So kann man zur Not vom Vertrag zurücktreten, falls sich das eigene Bauvorhaben als nicht realisierbar erweist. Ansonsten kauft man ein Stück Boden ohne Zusicherung von irgendwas."
Auch nach den Erschließungskosten sollte sich ein Interessent vor dem Kauf eines Grundstücks bei der Gemeinde erkundigen. Ist es bisher nicht voll erschlossen oder sind die Kosten für die Verlegung des Verteilungsnetzes von Wasser, Strom, Abwasser, Telefon und Kabel noch nicht abgerechnet worden, wird der Bauherr unter Umständen noch einmal kräftig zur Kasse gebeten. "Manchmal wird erst Jahre später abgerechnet", berichtet Dirk Wohltorf aus leidvoller Erfahrung. "Deshalb sollte man sich auf jeden Fall so absichern, dass im Zweifelsfall der Verkäufer und nicht man selbst als Käufer haftbar gemacht wird."
Offizielle Pläne studieren
Nicht minder wichtig ist das Studieren des Flächennutzungs- und Verkehrsplans der Gemeinde, um zu wissen, dass nicht plötzlich ein riesiger Supermarkt vor der eigenen Tür entsteht oder sich eine vierspurige Straße durch das idyllische Örtchen frisst. Natürlich können solche Pläne auch irgendwann geändert werden, schränkt Wohltorf ein. Eine gewisse Sicherheit bieten sie aber trotzdem. "Baut man zum Beispiel in einem reinen Wohngebiet, ist man vor Läden und Kneipen auf jeden Fall sicher", so Beate Bühl.
Dennoch sollte die Entscheidung für oder gegen ein Grundstück nicht nur nach rationalen Gesichtspunkten gefällt werden. "Der Bauch muss mitspielen", betont Dirk Wohltorf und warnt davor, sich von irgendwem "bequatschen" zu lassen. "Nur wenn man sich in ein Grundstück auf Anhieb verliebt, wird man dort auch den Rest des Lebens glücklich werden."
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