Ölbaum, Granatapfel und Myrte: Reise durch die Pflanzenwelt der Heiligen Schrift
zuletzt aktualisiert: 20.12.2005 - 14:46Kassel (rpo). Ölbau, Granatapfel, Myrte und Malve: Was haben diese Pflanzen gemeinsam, außer, dass sie schon uralt sind? Sie alle werden bereits in der Bibel erwähnt. Wer die Heilige Schrift aufmerksam liest, erkennt nicht nur die hohe Bedeutung der Pflanzen, sondern kann sich auch ein entsprechendes Gärtchen zusammenstellen.
"Einst machten sich die Bäume auf, um sich einen König zu salben, und sie sagten zum Ölbaum: Sei du unser König!" (Richter 9,8). Die Bibel ist reich an Stellen, in denen Pflanzen eine Rolle spielen. "Rund 110 Arten werden in der Heiligen Schrift erwähnt", berichtet Wolfgang Kawollek. Der Ölbaum ist dabei eine der bedeutungsvollsten und symbolträchtigsten Pflanzen, weiß der Autor des Buches "Bibelpflanzen. Kennen und kultivieren" (Ulmer 2005, ISBN: 3-8001-4692-4, 19,90 Euro).
Öl- oder Olivenbäume tauchen an zahlreichen Bibelstellen auf. So trägt etwa die von Noah nach der Sintflut ausgeschickte Taube bei ihrer Rückkehr zur Arche einen Ölbaumzweig im Schnabel. "Er steht für Frieden und bedeutet neues Leben und Hoffnung", erklärt der Leiter der Botanischen Lehr- und Versuchsanlagen des Fachbereichs Naturwissenschaften an der Universität Kassel.
Doch nicht nur in der Bibel wird der Ölbaum häufig erwähnt. "Zahlreiche Bibelpflanzen, spielen auch in anderen Kulturkreisen eine wichtige Rolle", sagt der Experte. So zeigte etwa ein Kranz aus Olivenbaumzweigen bei den Griechen die Geburt eines Kindes an.
Pflanzen lieben Wärme
Ähnlich bedeutungsschwanger ist der Granatapfel, der zu den Früchten des verheißenen Landes zählt. Im besonders an Pflanzennamen reichen Hohelied steht er für die Schönheit der Frau. "Bei den Griechen war er ein Symbol für Fruchtbarkeit, und bei den Juden enthält der perfekte Granatapfel 613 Kerne, was der Zahl der Gebote in der Thora entspricht", erklärt Kawollek.
Die in der Bibel erwähnten Pflanzen sind aufgrund ihrer Herkunft zumeist wärmeliebend. Einige gedeihen aber auch selbst in den Wintermonaten in hiesigen Breitengraden an einem sonnigen Platz. "Ölbaum, Granatapfel und Johannisbrotbaum sind als Kleinpflanzen für die Wohnung geeignet", sagt Gärtnermeister Kawollek. Ideal ist ein möglichst heller 15 bis 18 Grad Celsius warmer Platz (Südfenster). Beim Gießen ist gleichmäßige Feuchte Trumpf (Staunässe vermeiden!).
Auch die immergrüne Myrte mit ihren wohlriechenden Blüten sprießt als Topfpflanze an einem sonnigen Fensterplatz in der Wohnung (Vorsicht: Nicht austrocknen lassen!). Gleiches gilt für die Zitronat-Zitrone, deren Pflege aber eher etwas für Experten ist. Sie reagiert bereits auf kleine Pflegefehler wie das Gießen mit hartem Wasser empfindlich.
Von der Bibel auf den Balkon
An vielen Bibelstellen ist von den Blumen des Feldes die Rede. Zu denen, die sich bereits zeitig im Frühjahr zeigen, zählen neben der Kronenanemone (in kleinen Töpfen auch für die Wohnung geeignet), Tulpen und Narzissen. Relativ einfach zu kultivieren ist auch die Malve.
"Wasser- und Honigmelone, aber auch der Flaschenkürbis sind Bibelpflanzen, die hervorragend als Rankpflanzen für Balkon und Terrasse geeignet sind", sagt Kawollek. Auch Weizen, Gerste und Hirse machen sich dekorativ.
Zu den wenigen winterharten Gartenpflanzen, die in der Bibel erwähnt werden, zählt der Amberbaum. "Er bleibt relativ kleinwüchsig und hat eine fantastische Herbstfärbung", berichtet Kawollek. Auch der Wallnuss- oder der weiße Maulbeerbaum können dauerhaft im Garten für besondere Atmosphäre sorgen. Das biblische Alter des Ölbaums erreichen sie allerdings nicht: Nur wenige Pflanzen werden so alt wie der zum König erkorene Baum aus dem Buch Richter.
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