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90er Jahre: Spitzenzinsen für alte Bausparverträge

zuletzt aktualisiert: 27.01.2006 - 14:36

Berlin (rpo). Auf einem kleinen Schatz sitzen derzeit Bausparer, die ihre Verträge in den 90er Jahren abgeschlossen haben. Denn die Verträge von damals bringen heutzutage wahre Traumzinsen von vier bis fünf Prozent. Besitzer eines derartigen Zinsschatzes sollten deshalb einen frühzeitigen Vertragsausstieg oder -wechsel unter allen Umständen vermeiden.

Kein Wunder also, dass solche Verträge den Bausparkassen ein rechter Dorn im Auge sind. Häufig wüssten die Sparer jedoch ihr Glück nicht recht einzuschätzen und ließen sich von ihrer Bausparkasse zu einem Tarifwechsel überreden, sagt Sylvia Beckerle, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, und warnt vor einem Rückzug. "Sonst geht viel Geld verloren."

Bloß nicht frühzeitig aussteigen, kündigen oder wechseln, rät auch Kollege Peter Grieble aus Stuttgart. Wenn es dem Kunden finanziell möglich sei, sollte er seinen alten Hochzinsvertrag so lange wie möglich weiter besparen. Denn der spielt derzeit ungefähr doppelt so viel Zinsen ein wie eine Festgeldanlage. Außerdem ist das Geld auf dem Bausparkonto solide angelegt und trotzdem bei Bedarf kurzfristig verfügbar.

Zuteilung muss nicht genommen werden

Was den Kunden Spitzenerträge einbringt, ist für die Bausparkassen ein richtig schlechtes Geschäft. "Deshalb werden die Anbieter momentan auch aktiv und sprechen ihre Kundschaft an", so die Erfahrungen Griebles. Da wird den Sparern beispielsweise vorgeschlagen, den Tarif zu tauschen. Davon raten Verbraucherschützer aber dringend ab. Auch dann, wenn mit dem Geld später ein Haus finanziert werden soll. "Die Wahrscheinlichkeit einer Verschlechterung ist für den Kunden sehr hoch", mahnt Beckerle zur Vorsicht. Etwas Lukrativeres komme nicht mehr nach.

Oft dringen die Bausparkassen auch auf eine frühzeitige Zuteilung des Altvertrags. In der Regel geschieht das dann, wenn ein Mindestguthaben von 40 oder 50 Prozent der einmal vereinbarten Bausparsumme erreicht ist. Der Sparer muss die Zuteilung aber keineswegs automatisch annehmen, wie Beckerle betont. Er kann unverdrossen Monat für Monat weiter sparen, wenn er will - und die Spitzenzinsen mindestens so lange weiter kassieren, bis die volle Bausparsumme erreicht ist. Und das kann - je nach Höhe der einst festgelegten Obergrenze - noch Jahre dauern. Die Zuteilung kann dann jederzeit neu beantragt werden, um später ans Guthaben ranzukommen.

Summe nachträglich aufstocken

Sparer sollten es auch durchaus wagen, ihre Bausparkasse um ein nachträgliches Aufstocken der Bausparsumme zu bitten, ermutigt Grieble zum Handeln. Einen Versuch sei es allemal wert, auch wenn sich die Kassen bei den hoch verzinsten Renditeknüllern inzwischen nicht mehr allzu flexibel zeigten. Und noch einen Tipp hat er parat: Munter weiter einzahlen, auch wenn die Bausparsumme schon längst erreicht ist. Sperrt sich die Kasse, ist das Geld jedenfalls nicht verloren. Es wird dann dem Kunden zurück überwiesen.

Wer heutzutage einen Bausparvertrag neu abschließen will, kriegt längst nicht mehr so fette Guthabenzinsen eingeräumt wie früher einmal üblich. In den 90ern wetteiferten die Anbieter regelrecht darum, ihren Kunden die lukrativsten Konditionen bieten zu können. Wer damals auf eine reine Geldanlage aus war und nicht vorhatte, einmal ein Bauspardarlehen anzutreten, bekam einen dicken Zinsbonus versprochen.

Wohnungsbauprämie ist interessant

Damit wurde Bausparen plötzlich auch für Personen interessant, die mit dem Häuslebau gar nichts am Hut hatten. Noch dazu dann, wenn ihr Einkommen nicht allzu üppig ausfiel und sie zusätzlich vom Staat mit Wohnungsbauprämien gefördert wurden. "Das machte die Verträge unschlagbar wertvoll", erzählt Beckerle. Außerdem wurde versprochen, dass die Abschlussgebühr zurückerstattet wird, wenn kein Bauspardarlehen in Anspruch genommen wird.

Die "Supervertragsschätzchen" aus diesen Zeiten eigneten sich momentan ohnehin nicht zur Baufinanzierung, sagt Grieble. Das Abrufen eines zuteilungsreifen Darlehens aus den früheren Verträgen kommt mittlerweile viel teurer zu stehen als jeder Baukredit zu aktuellen Zinsen. Das Motto für Glückspilze mit Alttarif muss nach einhelliger Ansicht der Verbraucherschützer deshalb lauten: Eisern weiter sparen und so lange durchhalten, bis nichts mehr geht.

Quelle: ap

 
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