Einige Institute bieten nur gesetzliche Mindestsicherung: Tolle Zinsschnäppchen - riskante Banken
zuletzt aktualisiert: 13.09.2004 - 12:33Hamburg (rpo). So attraktiv Zinsschnäppchen auch sein mögen, Anleger sollte die Sicherheits ihres Geldes nicht aus den Augen verlieren. Denn manche Banken bieten zwar tolle Konditionen, im Falle einer Pleite verfügen sie dann aber nur über die gesetzliche Mindestsicherung - und die liegt bei 20.000 Euro.
Zwar ist das Geld bei den meisten Kreditinstituten in Deutschland im Fall einer Bankenpleite sicher, einige Privatbanken beteiligen die Kunden jedoch an diesem Risiko. Sie verfügen nämlich nur über die gesetzliche Mindestsicherung, bei der Einlagen bis höchstens 20.000 Euro pro Kunde abgesichert sind - und auch dies nur zu 90 Prozent. "Anleger sollten solche Banken bei ihrer Geldanlage meiden", empfiehlt Uwe Döhler vom Magazin Finanztest" der Stiftung Warentest.
Etwa 30 Banken bieten laut Statistik des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) derzeit nur die gesetzliche Mindestabsicherung an. Vier dieser Institute betreiben im größerem Umfang Privatkundengeschäfte und locken Kunden mit attraktiven Zins-Schnäppchen. So wirbt eine Privatbank mit Sitz in Süddeutschland für einen fünfjährigen Sparbrief, der mit 4,25 Prozent verzinst wird und damit etwa 0,6 Prozent mehr abwirft als eine Bundesobligation mit gleicher Laufzeit. Und die Frankfurter Niederlassung einer türkischen Bank lockt mit 3,0 Prozent für Festgeld mit einjähriger Laufzeit.
Finanzexperten raten zur Vorsicht. Für Kunden, die auf Nummer sicher wollen, empfiehlt es sich, bei diesen Konstellationen die Anlagesumme auf 20.000 Euro zu beschränken", sagt Finanzexperte Bernd Huppertz von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Außerdem müsse man bedenken, dass im schlimmsten Fall zehn Prozent des Guthabens verloren seien. Wer beispielsweise 10.000 Euro angelegt hat, verliert im Fall einer Pleite 1.000 Euro.
Dieser Ernstfall ist seit Inkrafttreten der Regelung 1998 bereits zwei Mal eingetreten. So ging 2002 die Berliner BkmU-Bank Pleite, und im Mai 2003 musste die Dresdner BFI-Bank Insolvenz anmelden. Wie viel Geld die Kunden dabei verloren haben, ist nicht bekannt. Nach Angaben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) sind beide Insolvenzen noch nicht abgeschlossen.
Vorsicht bei Zins-Vergleichslisten
Besonders wachsam sollten Anleger bei Vergleichslisten mit Top-Zinsangeboten sein. Auf die Details zur Sicherheit werde dabei oft nicht eingegangen, vielfach gebe es nur einen allgemeinen Hinweis auf die gesetzliche Einlagensicherung, sagt Döhler. Auch bei zahlreichen Banken aus dem europäischen Ausland, die Zweigstellen in Deutschland betreiben, seien vielfach nur 20.000 Euro abgesichert.
Wertpapiere sind in der Regel sicher, denn sie werden von der Bank lediglich verwahrt. Im Fall einer Pleite kann es jedoch mehrere Wochen dauern, bis das Depot übertragen ist, und in dieser Zeit kann der Kunde seine Papiere nicht verkaufen. Wie verheerend das sein kann, erlebten Anfang 2001 die Kunden des Onlinebrokers Systracom. Denn dessen Pleite fiel ausgerechnet in eine Phase, in der die Kurse an der Börse sanken.
Bei den meisten Banken sind die Kundengelder fast unbegrenzt gesichert. Sie sind dem Einlagensicherungsfonds des BdB angeschlossen, an dem sich über 240 Banken beteiligen. Dadurch sind selbst bei kleinen Banken Beträge bis zu 1,5 Millionen Euro pro Anleger voll geschützt. Auch bei Sparkassen, Genossenschaftsbanken sowie Landesbanken und der Postbank ist das Geld der Anleger zu 100 Prozent sicher. Das gilt sowohl für Einlagen auf Girokonten wie auch für Sparbücher, Tagesgeld, Festgeld oder Sparbriefe. Die genaue Höhe der Einlagensicherung einer Privatbank können Anleger auf der Internetseite des BdB erfragen. Hier lässt sich auch überprüfen, ob eine Bank dem Einlagensicherungsfonds des Verbandes angeschlossen ist.
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