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"Sammeln Sie Herzen?": Die große Verführung im Supermarkt

VON KLAUS KRAUSE - zuletzt aktualisiert: 03.08.2011 - 07:55

Düsseldorf (RPO). Der Einkauf im Supermarkt ist Alltagsroutine. Die Wege sind vorgezeichnet. Hier die Molkereiprodukte, dort Obst, Tiefkühlprodukte, Fleischtheke, Süßigkeiten. Der Einkaufswagen ist wieder einmal gut gefüllt, der Kassenbon höher als erwartet. Zahlung mit „Karte“ (das schont das Portemonnaie). Das nächste Mal reiße ich mich zusammen. Doch die Verführung im Supermarkt hat System.

Ein Supermarkt ist kein Wohlfahrtsbasar, Supermärkte sind Profitcenter. Sie müssen Umsatz machen und Geld verdienen. Und zu diesem Zweck haben sie ein raffiniertes Repertoire an Versuchungen, Verlockungen und Verführungen entwickelt.

Die Gänge, die Regale und Theken, die Platzierung der Ware, Präsentation, Musik, Licht, das alles ist nicht rein zufällig, das hat Methode. Die Kundin gerät, auch wenn sie einen Einkaufszettel in der Hand hat, unweigerlich in den Sog dieser absatztechnischen und verkaufspsychologischen Strategie. Neun Gefahrenpunkte auf dem Weg durch den Supermarkt:

1. Einkaufswagen

Diese überdimensionierten Käfige auf Rädern, für die eigens Parkplätze errichtet werden mussten, sind ein Ärgernis. Ursprünglich erfunden für gewerbliche Käufer in den Cash & Carry-Märkten, sind sie mittlerweile auch Standard in den Supermärkten. Sie sollen offensichtlich zu einem Großeinkauf animieren und unterschwellig denen ein schlechtes Gewissen machen, die nur mit ein paar Teilen an die Kasse kommen. Hände weg! Hier und dort stehen auch Plastikkörbe bereit, die allerdings oft schnell vergriffen sind. Konsequenz: Wie in alten Zeiten den eigenen Einkaufskorb benutzen.

Info

Verbraucherzentralen

Verbraucherzentrale raten dazu, bei Ärgernissen nicht zu zögern und sich schriftlich zu beschweren - auch einzelne Beschwerden hätten schon so manchen Stein ins Rollen gebracht. Bei der Beurteilung der Lebensmittel seien die Testergebnisse von Stiftung Warentest und Öko-Test am hilfreichsten. Bezeichnungen wie "Qualitätskontrolle" seien dagegen nichtssagend.

2. Großgebinde

Wer rechnen muss, stolpert gern über so genannte Großgebinde: 5 kg Kartoffeln im Sack, 1 kg Zwiebeln im Netz, 1 Korb Pfifferlinge. Der Preis stimmt. Aber was ist mit der Menge? Läuft es am Ende nicht darauf hinaus, dass ein Teil der Ware vergammelt oder unansehnlich wird? Dann hat sich der vermeintliche Preisvorteil nicht gerechnet.

3. Treue-Aktionen

Kaum ein Supermarkt, der nicht zweimal im Jahr eine Treue-Aktion mit lockenden Angeboten ausruft. „Sammeln Sie unsere Herzen?“ Für fünf Euro Umsatz gibt es ein goldenes oder silbernes Herzchen zum Sammeln. Und als Belohnung winkt dann eine edle Bratpfanne zum Vorteilspreis, oder ein Viererpack Wein-, Sekt- oder Biergläser. Manch einer lässt sich anstecken vom Sammelfieber und kauft mehr ein als notwendig. Unterm Strich ist die Bratpfanne dann doch nicht mehr so billig wie gedacht. Und wird sie tatsächlich dringend gebraucht? Erst nachdenken, dann sammeln!

4. Das Unwort „nur“

Ein Lieblingswort der Supermärkte. Am liebsten jeder Preis mit dem Zusatz „nur“. Er soll unterschwellig suggerieren, dass es hier billiger ist als anderswo. Aber das muss nicht stimmen. „Nur“ ist eine billige Behauptung.. Ratschlag: Nur nicht bluffen lassen!

5. Der Lockruf „NEU“

Im Wortschatz der Werbestrategen gib es einen unschlagbaren Begriff: NEU!. Verbraucher sind empfänglich für alles Neue, obwohl es sich in 99 Prozent der Fälle um eine Variante von bereits Vorhandenem handelt. Noch eine neue Fruchtmischung in der Yoghurt-Auswahl, noch ein Bio-Zusatzfaktor beim Waschpulver, noch kalorienarmer die Limonade. „Neu“ ist ein Ladenhüter.

6. Abgepackte Frischware

Die Zeit ist knapp. An der Frischetheke drängen sich die Kunden, nur zwei Verkäuferinnen. Also rasch zur Käsetruhe. Schnell eine Packung Edamer in den Wagen. Eigentlich sollte er dünn geschnitten sein. Aber die Scheiben sind dick wie Speckschwarte. Da vergeht der Appetit. Ratschlag: Keine Blitzeinkäufe!

7. Ablaufware

Artikel, die kurz vor dem Ablaufdatum im Preis herunter gesetzt werden. Meistens sind sie an roten Aufklebern zu erkennen. Wenn beim Kunden wirklich Bedarf besteht, ist nichts gegen diese reduzierte Ware zu sagen, denn die Haltbarkeit ist großzügig bemessen. Sollte aber nur der Schnäppchen-Gedanke ausschlaggebend gewesen sein, ist es oft rausgeschmissenes Geld.

8. Drei für zwei

Drei Gläser Spreewälder Gurken zum Preis von zwei. Das klingt nach 33 Prozent Rabatt und ist rein rechnerisch richtig. Aber ist es auch hauswirtschaftlich vernünftig, sich den Vorratsschrank mit Lebensmitteln zuzustellen, die selten auf den Tisch kommen? Tipp: Einkaufsgemeinschaft unter Freundinnen, die sich die Beute teilen.

9. Macht der Gewohnheit

Neben der eigenen Wohnung ist für viele ihr Supermarkt der vertrauteste Ort. Man kennt sich aus, gezielt greift die Hand hierhin und dorthin. Immer an der gleichen Stelle (und wehe, die Ware ist umgeräumt!). Diese Macht der Gewohnheit kann aber auch blind machen. Blind für Alternativen. Da gibt es zum Beispiel die „Bückware“. In Augen- und Griffhöhe die bekannten Marken, in der untersten Schublade Handelsmarken gleicher Qualität um ein Drittel billiger. Augen auf!

10. Kassenbereich

Endstation Kasse. Letzter Versuch, den Kunden noch Geld aus der Tasche zu lotsen. Wohin das Auge fällt, ultimative Angebote. Süßigkeiten für Kinder, Rezept-Zeitschriften, Weihnachts-Artikel zu Karneval, ein Container voller Weinflaschen zum Aktionspreis. Augen zu und durch!


 
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