Verbraucherschützer mahnen zur Vorsicht: Versicherungen vom Discounter
VON WOLFGANG SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 30.01.2007 - 11:58Düsseldorf (RP). Versicherungen und Finanzdienstleister nutzen immer exotischere Vertriebswege. Und die Discounter entdecken das Geschäft mit Finanzprodukten. Mal nimmt der Kunde im Supermarkt nur Information und Antragsformular mit, mal kauft er das Produkt gleich an der Ladenkasse.
Zum Gemischtwarenladen für Finanzprodukte hat sich Tchibo gemausert. Damit könnte sich der Kaffeeröster als Trendsetter erweisen. Erwartet doch der Hauptverband des Einzelhandels, dass immer mehr Handelsunternehmen in den Vertrieb von Finanzprodukten einsteigen.
Verbraucherschützer sehen solche Allianzen skeptisch. Der Bund der Versicherten (BdV) hält vor allem den Erwerb komplexer Produkte wie Riester-Rente und Altersvorsorge via Supermarkt für nicht empfehlenswert. Selbst angeblich risikoarme Standardprodukte können Tücken haben.
"Echte Mogelpackung"
So sei etwa die Rechtschutzpolice der ARAG, im letzten Herbst für einen Jahresbeitrag von 99 Euro bei einem Discounter verkauft, „eine echte Mogelpackung“ gewesen, moniert BdV-Geschäftsführerin Lilo Blunck. Der Kontrakt biete nur Versicherungsschutz für die Bereiche Verkehr, Beruf und Grundstück.
Wolle ein Kunde hingegen seinen Reiseveranstalter verklagen, sei das wie andere private Streitigkeiten nicht abgedeckt. Für die offeriere die Police nur eine telefonische Erstberatung: für die die Assekuranz maximal zwei Mal im Jahr 250 Euro zahle. Inzwischen gebe es bei nahezu allen Finanzprodukten erheblichen Beratungsbedarf, warnt Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.
Zwar offerierten branchenfremde Anbieter das eine oder andere günstige Finanzprodukt, viel billiger als direkt bei Banken oder Assekuranzen werde es aber selten, so der Bund der Versicherten. Schließlich wollten auch Discounter am Verkauf der Policen verdienen.
Vor vorschnellen Abschlüssen, weil das Angebot scheinbar auf einen Zeitraum von zwei Wochen begrenzt ist, warnt Wolfgang Scholl. Der Versicherungsreferent des Verbraucherzentrale Bundesverbands in Berlin rät auf jeden Fall erst zu einer Analyse des eigenen Bedarfs und einem Vergleich aller anderen in Frage kommenden Produkte.
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