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Kassen erhöhen reihenweise Beiträge: Viele Privatpatienten müssen mehr zahlen

zuletzt aktualisiert: 29.11.2009 - 08:55

Leipzig (RPO). Viele Privatversicherte müssen im nächsten Jahr für ihre Krankenversicherung deutlich tiefer in die Tasche greifen. In diesen Tagen flattern vielen die Bescheide über Beitragserhöhungen ins Haus. Während manche noch glimpflich davonkommen, müssen andere deutliche Erhöhungen in Kauf nehmen.

Als Gründe nennen die Anbieter unter anderem steigende Behandlungskosten und die höhere Lebenserwartung. Die Versicherten müssen die Kröte meist schlucken - oder zum Beispiel auf Leistungen verzichten.

Eigentlich sind Beitragserhöhungen für Privatversicherte keine Überraschung. Laut einer Untersuchung der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2007 sind jährliche Beitragssteigerungen um sechs Prozent bei privaten Versicherern durchaus üblich. Alle zwölf Jahre - so das Fazit der Stiftung nach der Auswertung von Versichertenunterlagen aus zwei Jahrzehnten - verdoppelten sich die Beiträge in der privaten Krankenversicherung (PKV).

Diesmal sind offenbar auch Kunden von Versicherern betroffen, die ihre Beiträge in den vergangenen Jahren nicht erhöht hatten, wie eine aktuelle Umfrage des "Tagesspiegels" ergab. Demnach erhöht zum Beispiel die Debeka erstmals seit vier Jahren ihre Prämien - und zwar um durchschnittlich fünf Prozent. Der Branchenzweite, die DKV, erhöht die Beiträge nach eigenen Angaben im Schnitt um acht Prozent und die Victoria um sechs Prozent. Dagegen kommt auf die Kunden der Allianz eine Beitragserhöhung von weniger als drei Prozent zu. All dies sind Durchschnittswerte der Tarife. In Einzelfällen kann ein Tarif noch deutlich teurer werden, während andere moderat steigen oder stabil bleiben.

Für die Beitragserhöhungen führen die privaten Kassen mehrere Gründe an. Zum einen verweisen sie auf die gestiegene Lebenserwartung. Dadurch müssten höhere Altersrückstellungen gebildet werden, um die Gesundheitskosten im Alter zu tragen. Hauptursache seien aber die gestiegenen Ausgaben für medizinische Behandlungen. Dazu zählten neue Diagnose- und Behandlungsmethoden, neue Geräte und Medikamente und vor allem ambulante Behandlungen und Zahnbehandlungen. Der lapidare Verweis einiger Privatversicherer, dass ab kommendem Jahr die Beiträge zur Krankenversicherung steuerlich besser absetzbar sind, dürfte den Verbrauchern kaum ein Trost sein.

Dabei laufen die Geschäfte der privaten Krankenversicherung nicht schlecht: Nach 90.300 neuen Vollversicherten im Jahr 2008 konnte sie sich allein im ersten Halbjahr 2009 über weitere 98.800 neue Kunden freuen - das waren viermal so viele wie im Halbjahr 2008. Die Anbieter profitierten dabei vor allem von jenen, die sich vor Inkrafttreten der jüngsten Gesundheitsreform noch Tarife zu alten Bedingungen sichern wollten. Auf der anderen Seite kämpfen die privaten genauso wie die gesetzlichen Kassen mit steigenden Kosten. Nach Angaben des PKV-Verbandes stiegen die Leistungsausgaben 2008 um 6,7 Prozent, während sich die Beitragseinnahmen im selben Zeitraum nur um 2,8 Prozent erhöhten.

Versicherte haben indes nur wenig Möglichkeit, eine Beitragserhöhung zu kompensieren. "Privatversicherte sind mehr oder weniger geknebelt", sagt Erk Schaarschmidt von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Gespart werden kann durch Abstriche an Leistungen in einem "abgespeckten" Tarif, etwa den Verzicht auf die Chefarztbehandlung, oder durch einen höheren Selbstbehalt. Allerdings müssen Arbeitnehmer den Selbstbehalt alleine bezahlen, während sie sich die Beitragsersparnis mit dem Arbeitgeber teilen.

Ferner können Kunden innerhalb ihres Versicherers zu einem anderen, günstigeren Tarif wechseln. Wer mit einem Wechsel zu einem ganz anderen Versicherer liebäugelt, sollte sich das hingegen dreimal überlegen. Denn die Alterungsrückstellungen können beim Wechsel des Versicherers nur bis zum Umfang des Basistarifs mitgenommen werden. Der verbleibende Teil könnte allerdings in eine Zusatzversicherung beim vorherigen Versicherer fließen.

Quelle: AFP/sdr

 
 
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