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Es geht um Milliarden: Volkskrankheit Versicherungsbetrug

VON KLAUS KRAUSE - zuletzt aktualisiert: 24.10.2011 - 07:31

Düsseldorf (RPO). In unserer Gesellschaft schwindet das Unrechtsbewusstsein. Ladendiebstahl, Versicherungsbetrug, Steuervergehen – alles Kavaliersdelikte? Der volkswirtschaftliche Schaden ist immens. Die Zeche zahlt die Solidargemeinschaft, zahlen die Ehrlichen.

Teuer und weit verbreitet sind besonders Fälle von Versicherungsbetrug. Jeder zehnte gemeldete Schadensfall, so eine Faustformel der Branche, ist "faul", aber nur ein Bruchteil der Betrüger kann überführt werden. Die Versicherungswirtschaft hat den Übeltätern einen verschärften Kampf angesagt. Ein verbessertes Meldesystem soll den Tätern auf die Spur kommen.

Die Fakten sind alarmierend. Eine aktuelle Studie der Gfk-Finanzmarktforschung im Auftrag der deutschen Versicherungen ergibt ein düsteres Bild: Vier Prozent der Haushalte haben in den vergangenen fünf Jahren einen Versicherungsbetrug begangen. Weitere sieben Prozent wissen von einem Betrug im Freundes- und Bekanntenkreis. Elf Prozent der Befragten wollen sich nicht äußern (Grauzone)
Nur 78 Prozent geben an, nichts mit einem Versicherungsbetrug zu tun zu haben.

Am häufigsten betroffen sind die private Haftpflicht- und Hausratsversicherung. 40 Prozent der Bürger glauben, in diesen beiden Sparten eine Versicherung verhältnismäßig leicht betrügen zu können. Jeder Zehnte, der Geld von seiner Versicherung fordert, hat den Schaden frei erfunden oder die Schadenshöhe manipuliert

Vier Milliarden Gesamtschaden

Der Gesamtschaden, der jährlich in Deutschland durch Versicherungsbetrug entsteht, wird auf die gigantische Summe von vier Milliarden Euro taxiert, die Zahl der Betrugsfälle geht in die Hunderttausende. Aber die Wahrscheinlichkeit, bei einem Betrugsversuch vom Versicherer ertappt zu werden, ist gestiegen. Seit Jahren schulen die Versicherer ihre Mitarbeiter, um Anhaltspunkte für einen betrugsverdächtigen Schaden zu erkennen.

Derzeit werden insbesondere Schadensmeldungen bei Elektronikgeräten - Laptops, Smartphones und Flachbildschirmen – eingehend geprüft. Hierfür schalten die Gesellschaften auch Gutachter ein.

In einer Sonderuntersuchung erwiesen sich 45 Prozent der eingereichten Schäden als nicht begründet, bei 36 Prozent der gemeldeten Laptopschäden konnte eine Betrugsabsicht nachgewiesen werden. Bei weiteren neun Prozent verfolgten die Kunden ihre Forderung nicht weiter, nachdem der Versicherer die Zusendung des Gerätes zur Begutachtung verlangt hatte. Auch bei so genannten Bagatellschäden wird kein Auge mehr zugedrückt. Gerade die kleinen Betrügereien sind in der Summe ein großes Problem für die Versichertengemeinschaft.

Sündenregister

Zur Eingrenzung des Versicherungsbetrugs unterhalten die Versicherungen seit Jahren ein zentrales Hinweis- und Informationssystem (HIS). Es soll Betrügereien begrenzen und die Risikoprüfung effizienter gestalten. Ist ein Kunde verdächtig, wird er auf die "schwarze Liste" gesetzt. Diese Praxis hat jedoch Verbraucher- und Datenschützer auf den Plan gerufen.

Quervergleiche zum Beispiel sind nicht statthaft. Wer an das HIS-Register gemeldet wird, muss von seiner Versicherung darüber informiert werden und kann Einspruch einlegen. Jede Versicherungssparte darf nur ihren eigenen Datenpool einsehen. Die Haftpflichtversicherer haben keinen Zugriff auf die Daten der Hausratversicherer, die Kfz-Versicherer keinen Einblick in die Eintragungen bei den Rechtsschutzversicherern. Dadurch ist eine Art Rasterfahndung ausgeschlossen.

In das Sündenregister geraten auch nur noch Kunden, die sich mindestens 60 Verdachtspunkte eingehandelt haben. Das ist zum Beispiel der Fall bei einem nachgewiesenen Betrugsversuch. Immerhin 20 Punkte kostet ein auffälliger Schadensfall unmittelbar nach Versicherungsabschluss. Auch eine ungewöhnliche Häufung von Schadensfällen ist in den Augen der Versicherer verdächtig genug, um dem HIS gemeldet zu werden.

Aufklärung und Abschreckung

Die GfK-Untersuchung zeigt aber auch, dass der großen Mehrheit der Versicherten bewusst ist, bei Betrug die Versichertengemeinschaft zu schädigen und das Solidaritätsprinzip zu untergraben. Ein Drittel der Befragten sieht das allerdings anders. Und dieses Drittel steht für Millionen Versicherungsteilnehmer. Sie machen sich keinen Kopf über die Konsequenzen und halten Versicherungsbetrug für eine Lappalie.

Vielfach herrscht die irrige Auffassung, wenn ich schon Versicherungsbeiträge zahle, egal wofür, dann soll sich die Versicherung nicht so anstellen. Hier hilft nur Aufklärung und Abschreckung.

Hätten die erwischten Täter vorher gewusst, dass bei Aufdeckung ihrer Betrügerei nicht nur der Rausschmiss aus der Versicherung fällig ist, sondern auch Kosten anfallen und sogar ein gerichtliches Strafverfahren droht mit Geld- oder Haftstrafe, wären sie abgehalten worden. Wer nicht hören will, muss fühlen.


 
 
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HIS und spezielle Software: Versicherungsbetrug wird immer schwerer » Finanznachrichten.info
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