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Baufinanzierung: Vorsicht bei Lebensversicherungen

zuletzt aktualisiert: 27.01.2006 - 12:40

Bremen (rpo). Ein böses Erwachen droht derzeit dem, der seine Immobilie mit einer Lebensversicherung finanziert hat. Die Überschussbeteiligungen haben sich nämlich nicht so entwickelt, wie sich das viele Hausbesitzer ausgerechnet haben. Manch einer sieht sich nun mit einer Finanzierungslücke von mehreren hunderttausend Euro konfrontiert.

Finanzieren Bauherren ihre Immobilie mit Hilfe einer Lebensversicherung, sollten sie sich nach dringendem Rat von Verbraucherschützern schnellstmöglich Hilfe und unabhängige Beratung für einen Notausstieg suchen. Über vielen der hunderttausend Betroffenen braut sich nach Einschätzung der Experten ein finanzielles Unheil zusammen.

Lebensversicherungen werfen nämlich schon seit geraumer Zeit deutlich weniger ab als ursprünglich erwartet. Die frühere Rechnung, mit dem Gewinn aus der Police den Baukredit bequem abzahlen zu können, geht vor allem wegen gesunkener Überschussbeteiligungen nicht mehr auf. Damit wächst die künftige Restschuld. "Das kann im Alter zum Gau werden", warnt Josephine Holzhäuser, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

"Jetzt ist rasche Schadensbegrenzung gefragt", rät der Bremer Verbraucherschützer Arno Gottschalk zum Handeln. Für Bauherren, die eine Kombination aus Kapitallebensversicherung und Festdarlehen abgeschlossen haben, gelte der Rat: Je schneller das einsturzbedrohte Finanzierungsmodell auf eine mögliche Notbremse geprüft werde, desto besser.

Verluste kommen auf alle Fälle

Verlustreich werde das Ziehen der Reißleine allemal, meint Peter Grieble, Finanzfachmann der Verbraucherzentrale Stuttgart. Aber dies sei immer noch besser, als die Schulden tatenlos weiter wachsen zu lassen, oft bis weit in den Ruhestand hinein.

So, wie sich die Geldausschüttung der Versicherer entwickelt, dürften den meisten betroffenen Bauherren am Laufzeitende viele tausend Euro fehlen, um Häuschen oder Wohnung wie geplant auf einen Schlag abzahlen zu können. Statt Schuldenfreiheit heißt es dann: neue Finanzlast schultern, neue Kredite abstottern. Auch das Zinsrisiko ist groß. Bei einem Darlehen von 100.000 Euro könne sich bis zum Laufzeitende eine Lücke von bis zu 30.000 Euro auftun, hat Gottschalk berechnet. Wer die Löcher nicht aus eigenen Mitteln stopfen kann, dem droht die Zwangsversteigerung.

Der Großteil der Betroffenen dürfte inzwischen durch einen "blauen Brief" ihres Versicherers informiert worden sein. In den Verbraucherschutzzentralen zweifelt man jedoch, ob auch alle Häuslebauer den Ernst der Lage erkannt haben.

Umsteigen auf ein Annuitätendarlehen

Gottschalk befürchtet, dass für die meisten Bauherren mit Finanzierungslücke nur folgender Rettungsversuch in Frage kommt: Das Umsteigen auf ein normales Annuitätendarlehen mit laufender Tilgung. Dabei werde die Police gekündigt, mit dem Rückkaufswert eine Sondertilgung geleistet, die Kreditsumme zurückgefahren und der Rest als klassische Annuität fortgesetzt. Selbst wenn die "alte" Finanzierung schon lange laufe, sei dieser verlustreiche Notausstieg häufig noch überlegenswert, erläutert der Fachmann.

Wichtig sei, mit der Bank ein Entgegenkommen auszuhandeln, betont Holzhäuser. Kulanz sei aber nicht an der Tagesordnung, weiß Gottschalk aus Erfahrung: "Da geht es um Milliarden, die Banken wollen ihren eigenen Nachteil begrenzen."

Betroffene, deren Finanzierung noch nicht lange läuft, haben noch die besten Chancen, ohne allzu schmerzhafte Verluste umzusatteln. Bei Restlaufzeiten von fünf bis zehn Jahren sieht das schon anders aus. Trotzdem: "Wer wartet und als Rentner die Zeche zahlen muss, ist am schlimmsten dran", warnt Holzhäuser. Dann sei das Einkommen niedriger, der Schuldenberg riesig und ein höheres Zinsniveau als jetzt zu erwarten.

Nicht noch weiter aufstocken

Als schlechteste Lösung gilt, die "alte" Lebensversicherung noch weiter aufzustocken oder einen Extra-Bausparvertrag abzuschließen, um aus der Misere herauszukommen. Wenig Erfolg verspricht auch der Weg, die Bank oder den Vermittler für Beratungs- und Aufklärungsfehler haftbar zu machen - auch wenn "die Institute das Problem mitverursacht haben", wie Gottschalk kritisiert. Die wenigsten Betroffenen hätten Rechtsschutzversicherungen aufzubieten, die eine Klage übernähmen. Dennoch sollten die rechtlichen Chancen in jedem Einzelfall geprüft werden.

Ein Trost: Seit 2005 ist die Kapitallebensversicherung so gut wie tot. Der Finanzierungsmix via Lebensversicherung, der so viele Bundesbürger in große Finanznöte stürzt, ist vom Markt verschwunden. Das Modell, mit dem die Bundesbürger jahrzehntelang Jahr für Jahr Immobilien im Wert von über sechs Milliarden Euro erwarben, "spielt keine Rolle mehr", ist Grieble erleichtert. "Das hat sich für die Zukunft wenigstens erledigt."

Quelle: ap

 
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