Riskante Art, ein Haus zu erwerben: Vorsicht beim Mietkauf
zuletzt aktualisiert: 09.01.2007 - 14:28Düsseldorf (RP). Die Angebote klingen verlockend: Ohne Bank, ohne Schufa-Auskunft, oft sogar ohne Erspartes sofort ins eigene Heim, bezahlt wird die Immobilie später. Das Wunder soll per Mietkauf funktionieren. Was schon mal in den siebziger Jahren populär war, wird heute wieder neu belebt.
Bauträger und Makler nehmen besonders gerne Familien und Selbstständige, die wenig Geld haben, mit Mietkaufmodellen ins Visier, beobachten Verbraucherschützer. Der Köder: Erwerber ziehen zunächst als Mieter in Haus oder Wohnung ein. Gleichzeitig verpflichten sie sich in einem zweiten Vertrag, die Immobilie nach einer Frist von zehn oder 20 Jahren zu kaufen. Ein Teil der Miete wird auf den Kaufpreis angerechnet.
„Das erst einmal klingt gut, birgt aber zahlreiche Risiken“, warnt Josephine Holzhäuser, Bauexpertin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Ganz ohne Eigenkapital führe kein Weg ins eigene Heim. „Der Mietkauf kann oft sogar wesentlich teurer werden als eine herkömmliche Immobilienfinanzierung“, betont Rechtsanwalt Jost von Lyncker vom Bonner Verbraucherschutzverein Wohnen im Eigentum.
Belastungen summieren sich
Denn Käufer müssten während der Mietphase nicht nur eine oftmals überhöhte Miete zahlen, sondern zudem noch eine erkleckliche Summe für den späteren Kauf der Immobilie ansparen. Schnell summierten sich die monatlichen Belastungen auf 1000 bis 2000 Euro, selbst für durchschnittliche Eigentumswohnungen.
Hinzu kommt: Da häufig nur ein geringer Teil der Miete auf den Kaufpreis angerechnet wird, verbleibt nach zehn oder zwanzig Jahren noch ein großer Teil der gesamten Kaufsumme.
Um den zu begleichen, brauchten viele Mietkäufer oft noch einmal den gleichen Zeitraum. „Die Verpflichtungen aus einem Mietkauf können auf diese Weise bis ins Rentenalter andauern“, sagt von Lyncker. Überhaupt nicht kalkulierbar sei beispielsweise das Zinsniveau in zehn oder 20 Jahren, wenn der verbleibende Kaufpreis schließlich doch per Kredit abgestottert werden müsse, warnt die Verbraucherzentrale Hessen.
Risiken nicht abgesichert
Risiken wie etwa eine berufliche Veränderung oder Arbeitslosigkeit des Erwerbers, aber auch eine Insolvenz des Verkäufers seien zudem in vielen Langzeitplänen zum Mietkauf erst gar nicht vorgesehen.
Unverzichtbar sei es deshalb, die Verträge von unabhängigen Experten prüfen zu lassen, empfehlen Notarkammern und Verbraucherzentralen. Hinter vielen Angeboten stecke der Versuch, eine Immobilie doch noch loszuwerden, die sich als Ladenhüter erwiesen habe. In vielen Verträgen werde zudem nicht mal ein Kündigungsrecht für den Erwerber vereinbart.
Zu besonderer Vorsicht raten Verbraucherzentralen, wenn Vermittler von Mietkaufobjekten gleichzeitig massiv zum Abschluss einer Lebensversicherung drängen.
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