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Discount-Stromanbieter: Warnung vor dem Schneeballsystem

VON STEHAN DÖRNER - zuletzt aktualisiert: 22.10.2010 - 13:35

Düsseldorf (RPO). Deutschlands größter konzernunabhängiger Stromanbieter Teldafax steckt Medienberichten zufolge in finanziellen Schwierigkeiten. Demnach habe sich das Unternehmen mit einer einer Art "Schnellballsystem" finanziert. Verbraucherschützer warnen schon lange vor der Vorkasse beim Strom. Doch der Stromanbieterwechsel kann sich finanziell sehr lohnen, wenn einige Dinge beachtet werden.

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Das "Handelsblatt" berichtet unter Berufung auf interne Papiere, dem Billig-Stromanbieter Teldafax drohe Überschuldung und Insolvenz. Seine nach Unternehmensangaben rund 500.000 Kunden ließ der Stromdiscounter im Voraus bezahlen und baute den Berichten zufolge damit eine Art "Schneeballsystem" auf: Bei dem von einem Kettenbriefspiel bekannten Prinzip werden die laufenden Ausgaben von den Vorauszahlungen neuer Kunden bezahlt.

Nach Informationen des "Handelsblatt" verweigern Wirtschaftsprüfer derzeit dem Unternehmen ihre Unterschrift unter die Jahresabschlüsse für 2008 und 2009. Ex-Finanzchef Alireza Assadi sagte dem Blatt, das Unternehmen sei seiner Einschätzung nach bereits im Oktober 2009 überschuldet und illiquide gewesen.

Teldafax liegt bei Preissuchmaschinen weit vorne

Bei Strompreissuchmaschinen wie Verivox liegt Teldaxfax für gewöhnlich gemeinsam mit seinem Konkurrenten Flexstrom auf den Spitzenplätzen. Auch Flexstrom lässt seine Kunden den Strom im Voraus bezahlen. Dem Geschäft von Teldafax schaden die jüngsten Berichte offenbar nicht: Am Freitag teilte das Unternehmen mit, nach wie vor könne Teldafax täglich etwas mehr als 2.500 Kunden von seinem Angebot überzeugen. Teldafax bestreitet den Bericht und spricht von einer "Kampagne" des "Handelsblatts" gegen das Unternehmen.

Unabhängig davon warnen die deutschen Verbraucherschutzzentralen schon lange vor Stromanbietern, die Kaution oder Vorauszahlung verlangen. "Bei Vorkasse besteht immer das Risiko, das Geld abgebucht wird, ohne dass der Kunde dafür eine Leistung erhält", so der Energieexperte Peter Blenkers von der Verbraucherzentrale NRW im Gespräch mit unserer Redaktion. Außerdem würden gerade die Anbieter, die Vorkasse verlangen, am häufigsten durch schlechten Service beim Anbieterwechsel auffallen.

Bis zu 250 Euro im Jahr sparen

Dennoch raten Verbraucherschützer, sich über die bestehenden Stromtarife zu informieren. "Zwischen 50 und 250 Euro im Jahr" können Verbraucher bei einem Wechsel des Stromanbieters im Vergleich zum Standardtarif des regionalen Anbieters sparen, so Blenkers. Bei Gastarifen sei die potentielle Ersparnis noch höher.

Wie viel Kunden im einzelnen sparen können, zeigt der interaktive Stromatlas NRW der Verbraucherzentrale NRW. Wer im rechten Menüpunkt unter "Grundversorgung" die Option "GV ./. günstigstes Stromangebot" auswählt, bekommt die Differenz zwischen dem Standardtarif des vorherrschenden lokalen Stromanbieters und dem günstigsten Angebot angezeigt – ohne Anbieter, die Vorkasse verlangen, wie Blenkers betont. Die Karte zeigt, dass die Differenzen im Verbreitunsgbebiet des Stromkonzerns RWE besonders groß sind. Auch für die Gaspreise ist der Energieatlas verfügbar.

Die Verbraucherzentralen ermuntern Kunden zum Vergleich von Strom- und Gastarifen, so lange die Angebote mit Vorkasse und Kaution ausgeschlossen werden. Neben der bekannten Internet-Preissuchmaschine Verivox bietet sich dazu auch das Online-Portal www.energieverbraucherportal.de an. Anders als bei Verivox ist der Preis bei dem Ranking des Portals zwar das mit Abstand wichtigste, nicht jedoch das einzige Kriterium beim Anbietervergleich. Daneben fließen auch Faktoren wie Service, Umweltverträglichkeit und regionale Investitionen in das Ranking ein, erläutert der Verbraucherschützer Blenkers. Weiterer Unterschied zu Vervox laut Blenkers: Das Energieverbraucherportal finanziert sich nicht durch Provisionen der Stromanbieter, sondern allein durch Werbung.

Vorsicht bei Preisgarantien

Neben der unbedingt zu vermeidenden Vorkasse sei auch bei sogennanten Preisgarantien und Preisfixierungen im Zusammenhang mit langen Vertragslaufzeiten Vorsicht geboten, warnt der Verbraucherschützer. Die Teufel stecke hier häufig im Detail: So grantierten einige Anbieter einen fixen Preis ausgenommen bei Mehrwertsteueränderungen, andere würden sämtliche Änderungen bei Steuern und Abgaben wie der 2011 steigenden Abgabe für erneuerbaren Energien ausklammern. Preisgarantien seien nicht immer aber "oftmals nicht zum Vorteil der Verbraucher".


 
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