Stiftung Warentest: Zu viele Schadstoffe in Kinderwagen
VON SEBASTIAN DALKOWSKI - zuletzt aktualisiert: 28.08.2009 - 08:02Düsseldorf (RP). Ratgeber Stiftung Warentest hat 14 Kinderwagen untersucht – mit ernüchterndem Ergebnis. Zehn Modelle haben wegen der Schadstoffbelastung die Note "mangelhaft" erhalten. Überzeugt hat kein Testobjekt.
Für den Kinderwagen sind viele Eltern bereit, einen hohen Preis zu zahlen. Qualität kaufen sie damit noch lange nicht, wie ein Test der Stiftung Warentest zeigt. Bei den 14 getesteten Kinderwagen schnitten sowohl die günstigen als auch die teuren schlecht ab. Zehn Modelle wurden mit Mangelhaft bewertet, mehr als ein Befriedigend erhielt keiner der Wagen, die zwischen 249 und 910 Euro kosten. Am besten waren der Bugaboo Cameleon und der Teutonia Mistral S (jeweils Note 3,2).
Schuld am schlechten Abschneiden waren vor allem die hohen Schadstoffwerte. Die führten bei zehn Modellen zu "Mangelhaft". Die Stiftung Warentest fand dort die üblichen Verdächtigen in Griffen, Gurten, Bezügen und Regenhauben: polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Phthalate (Weichmacher), beides krebserregende Stoffe, dazu Chlorparaffine, Flammschutzmittel und Formaldehyd. Die Tester kommen zwar zu dem Ergebnis, dass die Substanzen nicht akut gefährlich sind, doch über eine längere Zeit drohen Gesundheitsschäden. Schadstofffrei ist keines der Testobjekte. Am wenigsten belastet ist das Modell Hartan Topline. Die Stiftung Warentest empfiehlt, vor der Nutzung die abnehmbaren Textilbezüge zu waschen. Das könne die Belastung etwas verringern.
Die hohen Schadstoffwerte sind nicht der einzige Kritikpunkt von Stiftung Warentest. Viele Hersteller haben die Kinderwagen nicht kindgerecht gestaltet. Zehn Wagen sind nur für Kinder bis 15 Kilogramm ausgelegt, das Gewicht erreichen aber bereits einige Zweijährige. Die Sitze sind oft schmal, die Lehnen zu niedrig. Ein weiteres Problem sind kurze und schmale Tragetaschen und -wannen. Bei einem Anbieter fehlte der Regenschutz, bei einem anderen regnete es durch das Belüftungsloch in der Haube.
Auch der Bugaboo Chameleon, einer der Testsieger und mit 910 Euro der teuerste Wagen, hat neben der Schadstoffbelastung weitere Schwächen. Mit dem Schwenkschieber lässt sich der Wagen so einstellen, dass man ihn wie eine Sackkarre ziehen kann, wenn die kleinen Räder eingeklappt werden. Doch nach dem Belastungstest war das Multifunktionsgelenk im Schieber nicht mehr problemfrei verwendbar. Mängel hat auch die Handbremse. Wenn der Hebel beim Lösen nicht festgehalten wird, fährt er ruckartig zurück und kann aufs Handgelenk schlagen. Eltern müssen beim Kauf also Kompromisse eingehen und sich genau überlegen, wo sie mit dem Wagen unterwegs sind.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







