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Düsseldorf
Razzia bei Kanzlei Mossack Fonseca

Düsseldorf. Bei der Durchsuchung durch panamaische Ermittler hat die Kanzlei im Zentrum der "Panama Papers" offenbar wenig Kooperationsbereitschaft gezeigt. Die Hamburger Privatbank Berenberg rückt in der Affäre stärker in den Fokus. Von Georg Winters

Vor einer Woche gerierte sich Mossack Fonseca noch als Opfer eines Hacker-Angriffs. Die Inhaber der panamaischen Kanzlei erstatteten Strafanzeige wegen Datendiebstahls gegen Unbekannt, und womöglich ist bei manchen für einen Moment in Vergessenheit geraten, dass die geklauten Daten, die als "Panama Papers" in die Öffentlichkeit gelangten, selbst eine Verbindung zu Straftaten haben könnten, weil es um teils dubiose Briefkastenfirmen geht. Die Razzia, die am späten Dienstagabend bei Mossack Fonseca stattfand, hat das wieder in Erinnerung gerufen. Durchsucht wurden die Zentrale und mehrere Niederlassungen der Kanzlei. Die Begründung: Es bestehe der Verdacht, dass Mossack Fonseca für Geldwäsche und Terrorfinanzierung genutzt worden sei. Von der vollmundig versprochenen und bei Twitter bekräftigten Absicht der Kanzlei, die Behörden bei deren Nachforschungen zu unterstützen, soll in der Praxis keine Rede mehr gewesen sein.

Somit steht Mossack Fonseca, die stets ihre Unschuld beteuert und jegliche Verwicklung in irgendwelche kriminellen Machenschaften bestritten hat, weiter am öffentlichen Pranger. Und mit ihr wichtige Geschäftspartner. Zu denen gehört angeblich auch die Hamburger Privatbank Berenberg. Der Name tauchte von Anfang an in den Unterlagen auf, aber nun wollen "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR herausgefunden haben, dass Drogenhändler und Waffenschieber zu den Berenberg-Kunden zählten. Das wäre ein anderes Kaliber als -ohne dies verharmlosen zu wollen - das Bemühen, mit Hilfe einer von Mossack Fonseca gegründeten Briefkastenfirma den Staat um Steuermillionen zu prellen. Es geht um angebliche Waffendeals von Berenberg-Kunden mit Geschäftspartnern in Syrien, dem Iran und Venezuela. Von Deals mit den Verkäufern von Medikamenten, die auf inoffiziellen Wegen den deutschen Markt erreicht hätten, ist ebenso die Rede wie von Beziehungen zu Kunden, die ihrerseits gute Kontakte zu kolumbianischen Drogenbossen gepflegt hätten.

Für Berenberg und vor allem für seinen Vorstandssprecher Hans-Werner Peters kommen die Veröffentlichungen in Sachen "Panama Papers" zur Unzeit. Peters ist seit gut einer Woche Präsident des privaten Bankenverbandes und von SPD und Grünen schon aufgefordert worden, dieses Amt ruhen zu lassen. Ohne Erfolg. "Dazu gibt es keinen Grund, keinen einzigen", hat Peters der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" gesagt. Er sieht keinen Aufklärungsbedarf, weil Berenberg "kein einziges Konto im Haus akzeptiert, bei dem Zweifel über die Herkunft des Geldes oder ordentliche Versteuerung bestehen".

Vermutlich erhebt auch Peters nicht den Anspruch, alles über das Geschehen im eigenen Haus zu wissen. Anders lässt sich die Diskrepanz zwischen öffentlichen Aussagen und den gefundenen Daten kaum erklären. Andererseits hat Peters versichert, die Bank kenne bei jedem Konto, das bei Berenberg geführt werde, den Inhaber. Natürlich verweigert sich der Banker wie jeder aus seiner Branche dem Wunsch, bestimmte Kundenbeziehungen preiszugeben. Am Ende könnte er sich auf Dunkelmänner berufen und darauf, dass die Bank selbst getäuscht worden sei. Aber: "An Glaubwürdigkeit gewonnen hat Berenberg nicht", heißt es in der Branche.

Und so wächst der Unmut im privaten Bankgewerbe. Dagegen ist die Aufregung um das Mitarbeiterfest bei Berenberg im vergangenen Jahr wahrlich Kinderkram. Zu dem Anlass hatte Peters Robbie Williams engagiert, und nach dem Gig mit dem Superstar aus Großbritannien erlebte Peters nicht nur positive Kommentare. Dem persönlich haftenden Gesellschafter war solcherlei Kritik seinerzeit wurscht. Die Mitarbeiter der Bank leisteten großartige Arbeit und hätten sich zum 425-jährigen Bestehen der Bank etwas Besonderes verdient. Die Begeisterung sei riesig gewesen, so Peters. Die dürfte sich beim Thema "Panama Papers" in sehr engen Grenzen halten.

Quelle: RP
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