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Mönchengladbach
Real-Chef wird durch ein Duo ersetzt

Mönchengladbach. Didier Fleury (60) verlässt mit sofortiger Wirkung seinen Posten. Seine Nachfolger: der Finanz- und der Einkaufschef. Sie sollen mit Verdi die Zukunft des Unternehmens aushandeln. Wie die aussieht, soll ab Oktober in Krefeld zu sehen sein. Von Georg Winters

Ein Abschied wie aus dem Nichts. Mit sofortiger Wirkung, so teilte der Handelskonzern Metro gestern mit, werde es bei der SB-Warenhaustochter Real einen Führungswechsel geben. Der Finanzchef Henning Gieseke und Einkaufsvorstand Patrick Müller-Sarmiento arbeiten künftig zusätzlich als Doppelspitze des Unternehmens. Der bisherige Chef Didier Fleury werde "neue strategische Aufgaben im Metro-Konzern übernehmen". Diese Mitteilung garniert der Handelskonzern mit der in solchen Fällen üblichen Lobeshymne auf den 60-jährigen Franzosen. "Didier Fleury hat eine herausragende Arbeit für Real geleistet", teilte Metro-Chef Olaf Koch mit. Er habe "entscheidende Weichen für die nachhaltige Modernisierung des SB-Warenhausgeschäfts in Deutschland gestellt".

Warum dann der schnelle Wechsel? Bei der Metro ist die Rede vom "richtigen Zeitpunkt, den Generationenwechsel an der Spitze von Real einzuleiten". Aber sozusagen über Nacht? Aus dem Umfeld des Unternehmens heißt es, Fleury sei zwar ein herausragender Handelsexperte, aber nicht gerade der geborene Kommunikator. Zudem spricht der Mann, der seit vier Jahren das SB-Warenhausgeschäft führt, kaum Deutsch.

Beides, Kommunikation und Sprachmächtigkeit, sind indes unabdingbar, um die Zukunftsfähigkeit von Real zu sichern. Die hängt nämlich stark an Gesprächen mit der Gewerkschaft Verdi über einen neuen Tarifvertrag. Verdi soll offenbar in dem neuen Führungsduo adäquatere Gesprächspartner bekommen, als es Fleury aus Sicht der Metro zu sein vermag.

Das ist das eine Signal, das der Konzern den Arbeitnehmervertretern zu senden versucht. Das andere: Vorstandschef Koch hat gestern in Neuss vor mehr als 1500 Mitarbeitern und Arbeitnehmervertretern, darunter Verdi-Chef Frank Bsirske, seine Idee zur Erhaltung von Real zu verdeutlichen versucht. Wie die aussieht, soll man ab Oktober in einem Pilotprojekt in Krefeld bestaunen können. Das "neue Real" soll unter anderem Erlebniseinkauf bieten, mehr Service, mehr Gastronomie, weniger Selbstbedienung, weniger Non-Food im Eingangsbereich.

Das kostet natürlich Geld. Für den Umbau des 11.500-Quadratmeter-Marktes in Krefeld müsste die Metro vermutlich einen zweistelligen Millionenbetrag in die Hand nehmen. Aber dazu ist sie nur bereit, wenn die Mitarbeiter andererseits Leistungseinbußen in Kauf nehmen. Gebetsmühlenartig ist in den vergangenen Monaten betont worden, die Personalkosten seien um bis zu 30 Prozent höher als bei Wettbewerbern. Wieder einmal geht es unter anderem um den Verzicht auf Weihnachts- und Urlaubsgeld. Koch sagt, er wolle den Verkauf und die Schließung von Filialen auf jeden Fall vermeiden. Das interpretieren die einen als Versuch, das Warenhaus auf Vordermann zu bringen; bei Verdi wird so eine Äußerung dagegen naturgemäß als Drohgebärde empfunden, nach dem Motto: Einen anderen Kurs als unseren gibt es nicht. Das würde auch Fleury unterschreiben: "Wenn wir nichts tun, ist Real in zehn Jahren Geschichte", sagte der bisherige Real-Chef im August 2015 unserer Redaktion.

Sein Abgang dürfte also der Tatsache geschuldet sein, dass die Metro den notwendigen Umbau ohne ihn problemloser mit Verdi über die Bühne zu bringen glaubt. Dazu passt auch die Aussage, mit dem Generationenwechsel solle "eine beschleunigte Modernisierung des Filialnetzes einhergehen". Fleury war seit August 2012 Chef der SB-Warenhaustochter. Seither sind Real-Filialen modernisiert und Standorte geschlossen worden, aber wirklich geschafft ist der Turnaround nicht. Jedenfalls nicht so, dass er die Renditeansprüche der Eigentümer erfüllen würde. Zwei Prozent des Umsatzes als Betriebsgewinn - diese Zielmarke hatte Fleury 2015 genannt. Davon ist Real weit entfernt.

Insofern ist die Sanierung nicht nur im Interesse der Belegschaft, sondern auch der noch real existierenden Metro und ihrer Eigentümer. 2017 wird die Metro geteilt. Ein Bereich sind dann Cash & Carry und Real. Bis dahin sollten Fortschritte bei Real erkennbar sein. Anders lockt man keine Investoren.

Quelle: RP
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