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Supermarkt-Kette
"Wenn wir nichts tun, ist Real in zehn Jahren Geschichte"

Real - Didier Fleury plant Veränderungen bei der Supermarktkette
Didier Fleury plant Veränderungen bei der Warenhauskette. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Didier Fleury (59) ist Chef der Warenhauskette Real – kein einfacher Job. Er steht vor der schwierigen Aufgabe, sein Unternehmen wettbewerbsfähig zu halten. Zunächst stehen harte Verhandlungen mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi an.

Seit drei Jahren ist Didier Fleury Chef der SB-Warenhauskette Real. Die Metro-Tochter kämpft seit Jahren mit Problemen, der Job des 59-jährigen Franzosen ist schwierig. Gerade hat Fleury Segel-Urlaub in Spanien gemacht ("Da kann man das iPhone erst gar nicht in die Hand nehmen"). Jetzt steht er wieder im Büro - und vor harten Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi, die die Rückkehr von Real in die Tarifbindung verlangt.

Herr Fleury, wann gibt es ein Ergebnis in den Gesprächen mit Verdi?

Fleury Ich erwarte schon, dass sich in den nächsten Wochen etwas bewegt. Die Entscheidung über einen Haustarifvertrag ist eine ganz wichtige für die Zukunft des Unternehmens. Wir haben bislang immer nach Tarif gezahlt, viele andere in der Branche tun das schon lange nicht mehr. Fast die Hälfte der Unternehmen im Lebensmitteleinzelhandel zahlt nicht mehr nach Flächentarifvertrag. Unsere Personalkosten liegen dadurch teilweise 25 bis 30 Prozent über denen der Wettbewerber. Wenn wir jetzt nichts tun, ist Real in zehn Jahren Geschichte. Die Situation des Unternehmens ist kritisch.

Verdi verlangt ganz klar eine Rückkehr in den Flächentarif.

Fleury Das ist nicht verhandelbar. Es geht darum, Real nachhaltig überlebensfähig zu machen. . . .

. . . und um wie viel müssen da die Kosten sinken?

Fleury Der Personalkostenunterschied zu manchem Wettbewerber macht bis zu 300 Millionen Euro aus. Von Einsparungen in dieser Höhe reden wir aber nicht bei Real. Wir reden auch nicht davon, dass wir die monatlichen Einkünfte der bestehenden Mitarbeiter antasten. Aber wir müssen den Spielraum haben, um die nötigen Investitionen für die Modernisierung der Märkte zu bekommen. Ich habe den Eindruck, dass unsere Arbeitnehmer-Vertreter dafür durchaus Verständnis haben. Die wollen Klarheit und Sicherheit.

Verdi sagt, die notwendigen Mittel für die Modernisierung könne die Metro auch unter anderem mit Hilfe der Erlöse aus der Veräußerung von Galeria Kaufhof zur Verfügung stellen.

Fleury Unser Thema sind nicht die Investitionen, es ist die Kostenseite, die einer nachhaltigen Gesundung von Real im Wege steht. Die uns von Metro in Aussicht gestellten Investitionsmittel reichten ja schon aus, wenn wir auf der anderen Seite geringere Kosten hätten, da wir mit den in den vergangen drei Jahren bereits umgesetzten Maßnahmen in anderen Unternehmensbereichen bereits nachhaltige Kostenstrukturen erreicht haben.

Wie teuer ist denn die Modernisierung der Märkte?

Fleury In der Regel zwischen 500 000 und 800 000 Euro. Im Einzelfall kann das aber auch deutlich über eine Million Euro hinaus gehen. Wir haben bisher 107 von den rund 300 Märkten umgebaut.

Wie belegen Sie gegenüber Verdi, dass sich die Modernisierung bezahlt macht?

Fleury Dieses Konzept hat sich bereits bei unseren Kunden als erfolgreich erwiesen. In unserem Flagshipstore in Essen haben wir vom Start weg 20 Prozent mehr Umsatz erzielt. Aber auch die bereits nach diesem Konzept umgebauten Standorte entwickeln sich in Summe besser als der übrige Teil des Ladennetzes. Das zeigt ganz klar, dass das Hypermarkt-Format nach wie vor eine Zukunft hat, weil es auf die vielfältigen und sich immer schneller ändernden Kundenbedürfnisse die richtigen Antworten gibt.

Das überzeugt Verdi aber alles offenbar nicht. Die Situation scheint verfahren. Wollen Sie von sich aus noch mal auf Verdi zugehen?

Fleury Wir sind immer offen für Gespräche. Aber wir haben jetzt drei Anläufe unternommen und von Verdi nichts anderes bekommen als die Forderung, wir sollten in den Tarifvertrag zurückkehren.

Was heißt das? Unterschätzt die Verdi-Führung das Problem?

Fleury Ich glaube, dass sich die Verantwortlichen bei Verdi der Problematik bei Real sehr wohl bewusst sind. Aber möglicherweise kennen Sie ja nicht jedes einzelne unserer Argumente.

Die könnten Sie ja noch mal klarmachen, indem Sie doch noch mal auf Verdi zugehen.

Fleury Wir haben jetzt drei Anläufe unternommen und, wie gesagt, keine Antwort auf unser Gesprächsangebot bekommen. Wir bauen aber darauf, dass sich bei Verdi die Vernunft durchsetzt. Derzeit ist die Gewerkschaft nicht bereit für eine Lösung. Die ist aber im Interesse der etwa 38 000 Beschäftigten bei Real.

Sie haben sich bei Verdi nicht gerade beliebt gemacht, weil Sie über eine Zeitarbeitsfirma Mitarbeiter als Streikbrecher eingesetzt haben sollen.

Fleury Um es deutlich zu sagen: Wir haben uns klar an Recht und Gesetz gehalten und uns Ersatz für die streikenden Mitarbeiter besorgt. Was wir getan haben, ist bei anderen Unternehmen in solchen Streik-Situationen genauso üblich. Allerdings waren wir es - obwohl tariftreu -, die stets am meisten bestreikt wurden.

Was ist, wenn die Gespräche mit Verdi scheitern?

Fleury Sicherlich sind auch mehrere Alternativszenarien denkbar.

Und das heißt dann was? Filialschließungen und Stellenabbau?

Fleury Wie gesagt: Wir sind offen für Gespräche mit Verdi und glauben nach wie vor fest an eine Lösung.

Vermutlich spüren Sie Ihrerseits auch den Druck der Eigentümer, die ein besseres Ergebnis sehen wollen.

Fleury Jeder Eigentümer will Rendite sehen.

Was heißt das für Real?

Fleury Nehmen wir unsere gut acht Milliarden Euro Umsatz aus dem vergangenen Jahr und rechnen rund zwei Prozent als betriebliches Ergebnis, das wären dann, sagen wir mal, 150 Millionen Euro.

Davon sind Sie weit entfernt.

Fleury Aber wenn wir unsere Gesamtstrategie umsetzen, wird Real wieder nachhaltig profitabel.

DAS GESPRÄCH FÜHRTEN MAXIMILIAN PLÜCK UND GEORG WINTERS.

Quelle: RP
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