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Mönchengladbach
Real stoppt die Gespräche mit Verdi

Mönchengladbach. Die Verhandlungen über einen Haustarif bei der SB-Warenhauskette sind ausgesetzt. Der Arbeitgeber bietet eine Rückkehr in den Flächentarif an, stellt dafür aber Bedingungen, die die Gewerkschaft nicht akzeptieren kann. Von Georg Winters

Drei Tage vor Ablauf der von Metro-Chef Olaf Koch gesetzten Frist für eine Einigung über einen neuen Gehaltstarif stehen die Gespräche bei der SB-Warenhaustochter Real Spitz auf Knopf. Die Arbeitgeberseite habe die Verhandlungen ausgesetzt, erklärte Real gestern. Ein Sprecher begründete dies damit, dass die Gewerkschaft Verdi ein Angebot der Arbeitgeber abgelehnt habe. Eine Einigung scheint unsicherer denn je. Ohne sie droht aber bei Real ein deutlicher Stellenabbau, verbunden mit Filialschließungen. Etwa 800 Jobs in der Real-Verwaltung drohten wegzufallen, zwischen 50 und 100 Niederlassungen könnten schließen, heißt es im Umfeld des Konzerns. Die genaue Zahl hängt davon ab, welche Filialen sich verkaufen ließen.

Das Angebot der Arbeitgeberseite, für die Metro-Personalvorstand Heiko Hutmacher die Verhandlungen führt, sieht eine Rückkehr in den Flächentarif Ende 2017 vor -aber nur, wenn der neu verhandelt und modernisiert sei. Sprich: Mit deutlich niedrigeren Gehaltszahlungen, als es der geltende Flächentarif vorsieht. Bis dahin soll ein Haustarif gelten, den Hutmacher und Co. jetzt aushandeln wollen, und der soll weiterbestehen, falls bis Ende des kommenden Jahres kein neuer Flächentarif steht.

Das Angebot des Metro-Managers dürfte aus Sicht der Gewerkschaft wie eine "Giftpille" wirken. Lässt sie sich darauf ein, und die Verhandlungen über einen Flächentarif scheitern, verliert die Gewerkschaft stark an Einfluss. Denn jeder Haustarif würde zwischen Unternehmensführung und Betriebsräten ausgehandelt. "Verdi steht jetzt vor der Wahl, Real vor die Wand fahren zu lassen oder den Flächentarif zu verlieren", heißt es im Umfeld des Unternehmens.

Verdi fühlt sich von den Arbeitgebern erpresst. Die Gewerkschaft wirft den Real-Verhandlungsführern vor, dass es keine Tarifsteigerungen bis zum Abschluss eines Haustarifvertrags geben solle, die Beschäftigten bis zum Jahr 2019 auf 60 Prozent Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten sollten, dass Real für die Zeit abends zwischen 20 und 22 Uhr keine Nachtzuschläge mehr zahlen und die Arbeitszeit in den Real-Märkten, die auf ein neues Konzept umgestellt werden sollten, um eine Stunde verlängern wolle -als Weiterbildung. Und: Neueinsteiger sollten deutlich weniger Geld verdienen, "Alt-Beschäftigte" so lange auf Tarifanhebungen verzichten, bis die Neuen den Gehaltsrückstand über Tarifsteigerungen eingeholt hätten. Das könne durchaus Jahre dauern.

Für den neuen Vorbild-Markt in Krefeld dürfte die aktuelle Diskussion keine Bedeutung mehr haben. Der Umbau gehe weiter, heißt es. Die Zehn-Millionen-Euro-Investition könnte die Metro vermutlich auch nur noch schwer stoppen.

Quelle: RP
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