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Ludwigshöhe
Regen beschert Bio-Winzern starke Ernteausfälle

Ludwigshöhe. Selten war für Winzer ein Jahr so schwierig wie dieses. Oft prasselte Starkregen herab, bis die Weinberge unbefahrbar wurden. Pilze breiteten sich in der feuchten Umgebung schnell aus und wüteten in Blüten und Trauben. Viele Bio-Winzer haben einen großen Teil ihrer Trauben verloren.

"Wir haben Wetten abgeschlossen, ob wir zehn oder 20 Prozent aus dem Weinberg holen", sagt die von Demeter und Ecovin zertifizierte Winzerin Lotte Pfeffer-Müller. Damit meint sie ihre Scheurebe, die im rheinhessischen Ludwigshöhe weit unten in der Rheinebene steht und damit oft im Morgentau. Der Müller-Thurgau weiter oben, wo es weniger feucht ist, sehe viel besser aus. Insgesamt rechnet die Winzerin mit einem Drittel Ausfall. Bald wird sie es genau wissen. In diesen Tagen holen die Winzer die Ernte ein.

"Wir bekommen Horrormeldungen aus vielen Betrieben und Regionen", sagt Andreas Hattemer, Chef des Bundesverbandes ökologisch arbeitender Weingüter Ecovin. Einige verzeichneten einen Komplettausfall. Vor allem der Falsche Mehltau hat ihnen zugesetzt. Konventionelle Winzer spritzen Kaliumphosphonat dagegen, das ironischerweise Öko-Winzer mitentwickelt haben. Doch seit drei Jahren ist ihnen das Mittel verwehrt. Damals machte die EU die Substanz vom für Ökobauern erlaubten Pflanzenstärkungs- zum für Ökobauern verbotenen Pflanzenschutzmittel. Acht Prozent der Rebfläche in Deutschland werden von Bio-Winzern bestellt.

In Rheinland-Pfalz, wo 65 Prozent des deutschen Weins produziert werden, startete die Landesregierung nun einen Großversuch. Im Staatsweingut Bad Kreuznach wurde Kaliumphosphonat verwendet. Später wurde allen interessierten Bio-Winzern angeboten, sich dem Versuch anzuschließen - und diesen Wein dann ohne Bio-Siegel zu vertreiben.

(dpa)
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