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Frankfurt
Rekordverlust und viele Baustellen

Frankfurt. Die Deutsche Bank macht Anleger mit einem Verlust von 6,7 Milliarden Euro nervös. Das Minus ist größer als in der Finanzkrise. Die Aktie bricht um fast zehn Prozent ein. Die Schonfrist für Bank-Chef John Cryan ist vorbei. Von Brigitte Scholtes

Nach dem größten Jahresverlust in der Geschichte der Deutschen Bank steigt der Druck auf Vorstandschef John Cryan. Die Bank hat 2015 mit einem Rekordverlust von 6,7 Milliarden Euro abgeschlossen. Das ist viel mehr, als Experten erwartet hatten. Der Verlust ist auch höher als in der Finanzkrise, 2008 lag er "nur" bei 3,9 Milliarden. Die Anleger reagierten nervös: Die Aktie fiel gestern zeitweise um fast zehn Prozent. Rund 16 Euro kostet das Papier noch. Im Mai 2007 hatte der Kurs bei 103 Euro gelegen. Und so recht trauen die Anleger dem Briten die Wende zum Besseren nicht zu, der am 1. Juli für Anshu Jain gekommen war. Allein seit Cryans Amtsantritt am 1. Juli hat die Aktie 38 Prozent eingebüßt.

In einem Brief an die Mitarbeiter nannte Cryan als Hauptgründe für den Rekordverlust Belastungen durch Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten und neue Regeln der Aufseher. Das könnten sogar nur vorläufige Zahlen sein, warnte Cryan. Er sprach von "herausfordernden Marktbedingungen", vor allem im Investment-Banking.

Andere Großbanken eilen der Deutschen Bank davon: US-Banken haben 2015 wieder zweistellige Milliardengewinne eingefahren. Davon ist die Deutsche Bank weit entfernt.

Konzernumbau Aus zehn Auslandsmärkten zieht sich die Deutsche Bank zurück. 9000 Arbeitsplätze streicht sie, 4000 davon in Deutschland. Bis Ende 2017 sollen 200 der 700 Filialen geschlossen werden. Der Jobabbau schlägt mit einer Milliarde Euro in der Bilanz 2015 zu Buche. Von der Postbank will sich die Deutsche Bank trennen. Doch schnelle Erfolge gibt es für Cryan nicht: Der Börsengang der Postbank könnte sich wegen Steuerthemen ins nächste Jahr ziehen.

Unsaubere Geschäfte Weltweit laufen Ermittlungen wegen mutmaßlicher Manipulationen wichtiger Kennzahlen beim Devisen- und Goldhandel. Dazu sind in den USA Sammelklagen anhängig, in denen auch die Deutsche Bank Beklagte ist. Die US-Behörden gehen zudem wegen krummer Hypothekengeschäfte gegen die Branche vor. US-Banken konnten viele Verfahren gegen Milliardenzahlungen ausräumen, zur Rolle der Deutschen Bank laufen noch Ermittlungen.

In der russischen Handelssparte der Deutschen Bank soll es ebenfalls unsaubere Geschäfte gegeben haben. US-Behörden gehen dem Verdacht auf Verstöße gegen Sanktionen nach. Das Volumen verdächtiger Geschäfte soll bei sechs Milliarden Dollar liegen. Harte Strafen können folgen.

Über Jahre manipulierten Großbanken die Referenzzinsen (Libor) für Interbanken-Geschäfte. Auch einige Deutsche-Bank-Mitarbeiter machten mit. In den USA und Großbritannien muss die Bank 2,5 Milliarden Dollar Strafe zahlen. Es laufen noch Verfahren auf Schadenersatz.

Kirch-Prozess Gelähmt wird die Bank weiter von der Kirch-Pleite. Trotz Millionen-Zahlung an die Kirch-Erben erhob die Münchner Staatsanwaltschaft Anklage gegen Co-Chef Jürgen Fitschen und ehemalige Topmanager: Die Manager sollen versucht haben, die Richter zu täuschen, um Zahlungen der Bank zu verhindern.

Kulturwandel Bereits im Herbst hatte Cryan angekündigt, das Bonussystem zu ändern: "Ich denke, dass die Leute in Banken zu viel Geld bekommen." Gestern kündigte er an, dass die Prämien für außertarifliche Mitarbeiter noch stärker an den Unternehmenserfolg gekoppelt werden sollen. Cryan will die Interessen der Aktionäre mehr berücksichtigen. Diese verunsichern auch Spekulationen um eine erneute Kapitalerhöhung. Eine Dividende soll es für 2015 nicht geben. Am 28. Januar soll es Details geben.

Quelle: RP
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