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Würzburg
Rentenbeitrag sinkt für kurze Zeit

Würzburg. Die gute Lage ist nur ein Zwischenhoch, warnt die Rentenversicherung. Bei höherer Mütterrente dürfte es rasch teurer werden. Für Kummer sorgen die Negativzinsen: zehn Millionen Euro verliert die Rentenkasse. Von Antje Höning

Die Konjunktur brummt; das lässt die Beitragseinnahmen der Sozialkassen sprudeln. Davon werden 2018 alle profitieren: Der Beitrag zur Rentenversicherung werde voraussichtlich um 0,1 Punkte auf 18,6 Prozent sinken, erwartet die Deutsche Rentenversicherung. Die Rente werde voraussichtlich um drei Prozent steigen, wenn die Löhne wie erwartet zulegen, bestätigte Alexander Gunkel, Vorsitzender der Rentenversicherung.

Sicher ist die Beitragssenkung. Denn der Gesetzgeber schreibt vor, dass der Beitrag fallen muss, wenn die Rücklage der Rentenkasse auf mehr als 1,5 Monatsausgaben angewachsen ist. Gunkel, der die Arbeitgeber vertritt, hält diese Regel für sinnvoll: "Es sind die Mittel der Beitragszahler und schon jetzt hat die Rentenkasse Probleme, das Geld rentabel anzulegen", sagte er vor Journalisten. So müsse die Rentenkasse in diesem Jahr auf ihre Rücklage von 30 Milliarden Euro bereits zehn Millionen Euro an Negativzinsen zahlen. Das heißt, die Beiträge von rund 1500 Arbeitnehmern gehen an die Bank. Versuche, für die Rentenkasse eine Ausnahme bei der Bundesbank zu erreichen, sind gescheitert. Annelie Buntenbach, die den Deutsche Gewerkschaftsbund vertritt, würde den Automatismus beim Beitrag gerne ändern. "Eine Beitragssenkung macht keinen Sinn angesichts der künftigen Herausforderungen."

Gemeinsam warnten die Sozialpartner die Politik vor Übermut. "Die derzeit günstige Finanzlage ist nur ein Zwischenhoch", sagte Gunkel. Das sei dem sehr guten Arbeitsmarkt geschuldet. "Mittel- und langfristig wird sich die Finanzlage der gesetzlichen Rentenversicherung spürbar verschlechtern." Der Rentenbeitrag wird laut den Prognosen erstmals 2032 über den vom Gesetzgeber vorgesehenen Maximalwerte von 22 Prozent steigen, das .Rentenniveau erstmals 2036 unter den Minimalwert von 43 Prozent fallen. Das Rentenniveau gibt das Verhältnis der Standardrente (Rente nach 45 Jahren Durchschnittsbeitrag) zum Jahresentgelt an.

Die Rentner können sich vorerst auf weiter steigende Einkünfte freuen. Nach der mittelfristigen Planung steigt die Bruttolohnsumme bis 2022 jährlich um deutlich über drei Prozent. Da dies maßgeblich die Rentenentwicklung bestimmt, können sich die 21 Millionen Rentner auch in den nächsten drei Jahren auf ein Plus in der Größenordnung von 2018 freuen.

Eigentlich rechnet die Rentenkasse bis 2022 auch mit einem stabilen Beitrag von 18,6 Prozent. Sollte sich die mögliche Jamaika-Koalition jedoch auf eine Erhöhung der Mütterrente zu Lasten der Beitragszahler einigen, müsste der Beitrag schon in dieser Legislaturperiode wieder angehoben werden, heißt es. Aktuell zahlt die Rentenversicherung 14 Milliarden Euro im Jahr an Mütterrente. Bislang gibt es für Kinder, die vor 1992 geboren wurden, ein Drittel weniger Mütterrente als für Kinder, die nach 1992 geboren wurden. Die CSU fordert eine Angleichung. Diese würde die Rentenkasse mit sieben Milliarden Euro zusätzlich pro Jahr belasten, warnt Gunkel.

Einig sind sich die Sozialpartner, dass Selbstständige künftig zur Altersversicherung verpflichtet werden sollen. Der Gewerkschaftsbund fordert, dass die Selbstständigen Pflichtmitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung werden, die Arbeitgeber wollen es den Selbstständigen freistellen, wie sie sich versichern. Sie müssen nachweisen, dass sie es tun. Außerdem sollen Versicherte künftig eine Gesamtübersicht über ihre Altersvorsorge bekommen, damit sie Vorsorgelücken besser erkennen. Dazu sollen die Daten von gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge zusammengeführt werden. Bislang erhalten Versicherte nur eine jährliche Information über ihre gesetzliche Rente.

Quelle: RP
 
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