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München
Rettung von Werkstatt-Kette ATU könnte platzen

München. Die hohen Mieten für die Immobilien will der französische Käufer nicht zahlen. Doch die Verhandlungen gestalten sich schwierig.

In den 38.000 deutschen Kfz-Werkstätten herrscht jetzt Hochsaison. Millionen Autofahrer lassen Winterreifen aufziehen. Und auch generell läuft es im Kfz-Gewerbe derzeit bestens. Ob das aber auch für das langjährige Sorgenkind, die Werkstattkette ATU, gilt, wird sich erst in den nächsten Wochen herausstellen.

Mit einer Milliarde Euro Jahresumsatz, 10.000 Mitarbeitern und 600 Werkstätten in Deutschland, Österreich und der Schweiz gehört ATU trotz Schrumpfkur in den vergangenen Jahren noch immer zu den Großen der Branche. Aber das Unternehmen verdient kein Geld.

In der Vergangenheit hatte ATU mit einem schlechten Ruf zu kämpfen. Konkurrenten warfen der Kette Dumping-Preise vor oder kritisierten, die Kette verwende keine Originalteile. Ein ATU-Sprecher sagt, man positioniere sich beim Preis 20 Prozent unter den Vertragswerkstätten, bei vergleichbarer Qualität.

Das größte Problem ist ein ganz anderes: Seit Jahren schon zahlt ATU enorm hohe Mieten für die Werkstätten und Ladenräume.

Firmengründer Peter Unger hatte ab 2002 zunächst das Unternehmen, dann getrennt davon die Immobilien verkauft. Nach vielen Eigentümer- und Chefwechseln gehört ATU heute einer Investorengruppe um den Hedgefonds Centerbridge. Und muss Unternehmenskreisen zufolge bis zu zwölf Euro Miete pro Quadratmeter zahlen statt marktüblicher vier Euro.

Die Mieten sind das Hindernis, das einer Übernahme von ATU durch die französische Kette Mobivia im Weg steht. Die Franzosen wollen so auf dem deutschen Markt Fuß fassen. Die Arbeitsplätze und ATU-Standorte in Deutschland sind nicht bedroht.

Im September wurde der Kaufvertrag unterschrieben, Mobivia machte dabei allerdings zur Bedingung, dass sich ATU mit den Vermietern auf die "Reduzierung der Mietkosten auf marktübliche Niveaus einigt". Sonst platzt der Deal.

Die Verhandlungen seien schwierig, ein Scheitern "theoretisch nicht auszuschließen", sagte ein ATU-Sprecher. Aber das sei unwahrscheinlich, denn die Immobilien seien zum Teil maßgeschneidert für die Kfz-Werkstätten.

Die Immobiliengesellschaft Lino und die Deutsche Bank hätten bereits Mietzahlungen gestundet und seien sich klar, dass sie sich bewegen müssten, hieß es aus Branchenkreisen. Das "Manager Magazin" hatte berichtet, dass damit für Liquidität gesorgt werden sollte, um Winterreifen bestellen zu können. ATU wollte diese Behauptung auf Anfrage nicht kommentieren. Ein Sprecher betonte jedoch: "Für die Kunden ändert sich nichts."

Im Immobilienstreit muss bald eine Lösung gefunden werden, vielleicht müssten sich dazu auch die ATU-Eigentümer oder Mobivia noch ein Stück bewegen, hieß es in Branchenkreisen. "Eine Insolvenz von ATU wäre der ,Worst Case' für alle", hieß es aus dem Umfeld. Viel Zeit bleibe nicht mehr - bis Weihnachten will Mobivia die Übernahme abschließen.

(dpa/RP)
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