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Köln
Rewe-Chef: Der Preiskampf geht weiter

Köln. Alain Caparros sieht noch kein Ende des scharfen Wettbewerbs im deutschen Lebensmittelhandel. Sein Gegenrezept: neue Trends und mehr Vielfalt im eigenen Angebot. Der 59-jährige Manager plant schon seinen Ausstieg Ende 2018. Von Georg Winters

Im September ist Alain Caparros zehn Jahre Chef des Handelskonzerns Rewe. Wenn nichts unvorhergesehenes passiert, wird er danach noch zweieinviertel Jahre weitermachen und Ende 2018 gehen. Mit 62 Jahren und einer Amtszeit, die dann ungefähr sechs mal so lang wäre wie die seiner vier Vorgänger in der unruhigen Zeit zwischen 2004 und 2006 (Hans Reischl, Ernst Dieter Berninghaus, Hans Schmitz, Josef Sanktjohanser, Gerd Bruse und Achim Egner). Das nennt man Kontinuität. Spekuliert werden darf schon über den Nachfolger des Managers; gehandelt wird der Franzosen Lionel Souqué, der schon Rewe-Vorstand ist.

Aber das bleibt vorerst Spekulation. Bis zur Amtsübergabe will der Ex-Franzose Caparros, seit gut einem halben Jahr Deutscher, die deutsche Nummer zwei auf Erfolgskurs halten. Rewe hat zwar nach eigenen Angaben 2015 einen operativen Rekordgewinn erzielt, aber das Geschäft wird nicht leichter. "Der Preiskampf im Lebensmittelhandel geht weiter", sagt Caparros. Zumeist wird eine solche Preisrunde von Discountern eröffnet. Das ist nichts Neues. Aber seit sich die Aldis und Lidls zunehmend Markenprodukte ins Regal stellen, verschwimmen die Grenzen zwischen den sogenannten Vollsortimentern wie Edeka und Rewe und den Discountern.

Spinnt man diesen Gedanken zu Ende, wären Aldi und Lidl eigentlich auch Konkurrenten der Edeka, und das Bundeskartellamt hätte den Deal mit Kaiser's Tengelmann nie verbieten dürfen. Einer der Verlierer war Rewe, aber damit mag sich Caparros nicht mehr aufhalten. Zumindest öffentlich nicht, und das bis zur Entscheidung des Oberlandesgerichts Düsseldorf über die Beschwerde von Rewe. In der Zwischenzeit feilt der Vorstandschef an anderen Projekten wie der Kooperation mit der Tankstellenkette Aral (dort sollen bis Jahresende 60 Rewe-Shops entstehen, in den nächsten Jahren Hunderte), neuen Trends im Sortiment (mehr Regionales, mehr Vegetarisches/Veganes, mehr Frischeprodukte) oder wachsender Selbstständigkeit der Rewe-Händler. "Mehr Entscheidungsfreiheit für die Filialleiter", heißt die Devise, und die schließt vermutlich ein, dass die Zahl der selbstständigen Rewe-Kaufleute in den nächsten Jahren wächst.

Eines der größten Sorgenkinder der vergangenen Jahre hat Rewe offenbar in den Griff bekommen: die Discount-Tochter Penny. Die verdient nach Jahren mit roten Zahlen wieder Geld (wie viel, mag allerdings niemand verraten) und hat seinen Umsatz in Deutschland um knapp drei Prozent gesteigert. Aus Konzernsicht ein Resultat modernerer und kundenfreundlicherer Märkte, eines von mehr Eigenmarken und verbesserten Marketings.

Was Rewe nicht verändern will, ist seine Mischung aus Handel und Touristik. Eine Konzernaufspaltung, wie sie jüngst der Metro-Konzern angekündigt hat, ist für Caparros kein Thema - wobei der Chef einräumt, dass er sich größere Synergien wünsche, sprich: Wer bei einem Unternehmen der Rewe-Gruppe einkauft, könnte auch gleich seinen Urlaub bei DER Touristik (Dertour, Jan-Reisen, ITS, Kuoni) buchen. Und umgekehrt.

Gleichzeitig bekommt auch die Rewe-Touristiksparte die Verunsicherung der Bürger zu spüren -Angst vor Terror, Sorgen wegen der Flüchtlingskrise. Und das wird vermutlich erst einmal so bleiben.

Quelle: RP
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