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Mülheim
Rewe soll Millionen und Kaiser's-Filialen in Berlin bekommen

Mülheim. Der Fall Kaiser's Tengelmann dürfte das Bundeskartellamt ein Jahr nach dem Verbot der Fusion von Edeka und Kaiser's erneut beschäftigen. Die Bonner Behörde wird die vermutliche Aufteilung von Kaiser's-Filialen, die ein Ergebnis des Spitzentreffens vom vergangenen Donnerstag ist, unter die Lupe nehmen müssen. "Alles, was von der bereits erfolgten kartellrechtlichen Prüfung abweicht, muss erneut geprüft werden", sagte der frühere Vorsitzende der Monopolkommission, Daniel Zimmer, unserer Redaktion. Von Georg Winters

Nach Informationen der "Bild am Sonntag" soll Rewe eine nicht genannte Zahl von Filialen in Berlin erhalten. An der Region hat Rewe-Chef Alain Caparros besonderes Interesse. Zudem bekommen Rewe sowie Norma und Markant (auch sie hatten Beschwerde gegen die Ministererlaubnis für die Fusion Edeka/Kaiser's eingereicht) dem Vernehmen nach einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag als Ausgleichszahlung.

Für Edeka, so heißt es, könnte sich aber auch der abgeschwächte Deal noch lohnen, wenn das Unternehmen über eine Verbesserung seiner eigenen Einkaufskonditionen den Kaufpreis von geschätzt 200 Millionen Euro schnell wieder reinholen könnte.

Die beteiligten Unternehmen haben sich bis zum Dienstag der nächsten Woche Zeit gegeben, eine einvernehmliche Lösung zu finden. Die wahrscheinlichste ist, dass die Beschwerde gegen die Ministererlaubnis zurückgezogen wird. Damit würde diese Erlaubnis wieder aufleben - auch wenn sie ursprünglich für die Komplettübernahme von Kaiser's durch Edeka erteilt worden ist. Doch Gabriels Zustimmung beinhaltete auch eine Ausnahmeregelung: Einzelne Filialen dürften mit ausdrücklicher Zustimmung der Gewerkschaft Verdi auch an Konkurrenten oder an selbstständige Rewe-Kaufleute übertragen werden.

Wie lange es dauert, bis der Deal unter Dach und Fach ist, bleibt noch offen. Das Kartellamt hätte vier Monate Zeit für die Prüfung, sobald ein neuer Antrag mit der neuen Filialaufteilung eingegangen ist. So lange muss es aber nicht dauern. "Wenn das, was die Beteiligten vorlegen, wettbewerbsrechtlich verträglich ist, kann es auch ganz schnell gehen", so Daniel Zimmer.

Die Aufteilung der Filialen - das ist ein Szenario, das es auch schon vor dem Veto des Kartellamtes gab. Und selbst danach hätte diese Möglichkeit noch bestanden. "Man hätte schon im April des vergangenen Jahres, nach dem Nein des Kartellamtes, über Alternativen nachdenken sollen", urteilt Zimmer.

Quelle: RP
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