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Brüssel
Roaming im EU-Ausland doch nicht für alle frei

Brüssel. Bei Auslandsreisen könnten Deutschlands Telefonkunden künftig in einer Zwei-Klassen-Gesellschaft leben: Die meisten Kunden der großen Konzerne wie Telekom, Vodafone, und Telefonica werden ab Juni 2017 wohl uneingeschränkt von der neuen EU-Regel profitieren, dass bei Reisen in Mitgliedsländer der EU keine Auslandsaufschläge mehr genommen werden dürfen. Doch Bürger, die bei kleineren Telefonfirmen ohne eigene Netze Verträge haben, könnten unangenehme Überraschungen erleben. Von Reinhard Kowalewsky

Heute werden die zuständigen Minister der EU-Länder wohl relativ hohe, maximal mögliche Großhandelspreise für mobiles Surfen vorschlagen. Als Ergebnis wäre denkbar, dass kleinere Firmen darauf verzichten, ihren Kunden das kostenfreie Roaming im EU-Ausland als Teil aller Verträge anzubieten. Dies hat als Vorreiter Telekom Austria beim Tarif "Superbob" eingeführt: Die Kunden dürfen in Österreich zwar für 15 Euro im Monat 2000 Minuten telefonieren und sensationelle 20 Gigabyte laden, aber Auslandsnutzung gibt es nicht.

Konkret wollen die EU-Minister Netzbetreibern erlauben, zehn Euro von anderen Firmen zu kassieren, wenn deren Kunden ein Gigabyte beim Netzbetreiber nutzen. Als Ergebnis könnten Discounter bei Auslandsreisen ihrer Kunden Verluste machen. So bietet Klarmobil eine Telefonie-Flatrate für 9,85 Euro an, die ein Gigabyte Daten beinhaltet. Würde der Kunde dieses Volumen im Urlaub nutzen, müsste Klarmobil an die "aufnehmende" Telefonfirma mehr Netzgebühr bezahlen, als der Kunde einzahlt.

Das EU-Parlament will mit maximal vier Euro für ein Gigabyte einen deutlich niedrigeren Großhandelspreis durchsetzen. "Wir brauchen niedrige, regulierte Großhandelspreise, damit kleine Anbieter nicht abgedrängt werden", sagt auf Anfrage Gesine Meißner, die für die FDP im Europaparlament sitzt.

Den Konzernen sind die regulierten Tarife im Großhandel dagegen egal: Dank eigener Netze in vielen Ländern können sie beliebig niedrige interne Verrechnungspreise festlegen. Dies erlaubt Vodafone und Telekom schon jetzt, viele Tarife ohne Roaming-Aufschläge anzubieten. Außerdem wissen sie, dass die internen Produktionskosten für Datentransport bei maximal zwei Euro pro Gigabyte liegen.

Quelle: RP
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