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Berlin
Rocket Internet verliert an Schubkraft

Berlin. Die wichtigsten Beteiligungen der Start-up-Schmiede Rocket Internet wachsen langsamer. Investoren werden unruhig, denn eine Frage bleibt: Wann kommt Geld rein? Von Florian Rinke

383,9 Prozent mehr Nettoumsatz bei HelloFresh, 111,2 Prozent mehr bei Delivery Hero und 63,4 Prozent Steigerung bei Home24 - die wichtigsten Start-ups von Rocket Internet sind in den ersten neun Monaten dieses Jahres weiter stark gewachsen. Doch das reicht den Investoren, die seit dem Börsengang der Start-up-Schmiede Rocket immer kritischer werden, offenbar nicht. Sie wollen mehr Wachstum, mehr Umsatz - und vor allem mehr Aussicht auf Gewinn.

Stattdessen gibt es weiter Verluste: Beim Kochboxen-Versand Hello Fresh, beim Essens-Lieferdienst Delivery Hero und auch beim Online-Möbelhandel Home24. Was blieb dem Rocket Internet-Chef Oliver Samwer also übrig, als darauf zu verweisen, dass 2016 eine "große Zahl der Start-ups signifikante Fortschritte bei der Profitabilität machen" werde. Den Anlegern reichte das nicht. Gestern fiel der Aktienkurs des erst seit Herbst 2014 an der Börse gelisteten Unternehmens um knapp 2,8 Prozent. Der Aktienkurs, der zwischenzeitlich bei 56 Euro lag, hat sich inzwischen halbiert. Die Anleger verunsichert, dass Rocket Internet den erwarteten Börsengang von HelloFresh vor kurzem verschoben hatte.

Ein Bericht des "Manager Magazins" sorgte nun für zusätzliche Unruhe. Demnach hätte Rockets wichtigster Investor Kinnevik im Aufsichtsrat über Anwälte den Börsengang von HelloFresh gestoppt. Der erhoffte Befreiungsschlag von Rocket war damit perloren. Eigentlich hatte Oliver Samwer Ende September angekündigt, innerhalb der nächsten 18 Monate ein Start-up an die Börse zu bringen. HelloFresh wurde als Kandidat genannt.

Davon ist nicht mehr die Rede. Am allgemeinen Plan hält Rocket zwar fest, welches Start-up jedoch an die Börse gehen soll, ließ Samwer offen. Auswirkungen hatte der angebliche Streit wohl auch auf die Zusammensetzung des Aufsichtsrats: Neuer Chef ist der Unternehmensberater Marcus Englert. Der bisherige Vorsitzende Lorenzo Grabau, Chef des Großaktionärs Kinnevik, bleibt als Mitglied in dem Aufsichtsgremium.

Insgesamt hat Rocket zwölf hoch bewertete Start-ups im Portfolio, dessen Wert laut Rocket bei 6,1 Milliarden Euro liegt. Doch davon hat das Unternehmen wenig, wenn es nicht gelingt, diese auch profitabel zu machen oder mit Gewinn zu verkaufen. Bis dahin ist das Geschäftsprinzip, das Gründen von Start-ups nach dem Fließbandprinzip, vor allem eins: extrem teuer.

Quelle: RP
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