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Düsseldorf
Rockets Gewinner verlieren Milliarden

Düsseldorf. Als "proven winners" bezeichnet die Start-up-Schmiede Rocket Internet ihre vielversprechendsten Beteiligungen. Doch auch sie verbrennen immer noch Millionen. Ist das Rocket-Geschäftsmodell überhaupt börsentauglich? Von Florian Rinke

Schnelligkeit ist überlebenswichtig, wenn man als Start-up Erfolg haben will - gerade zu Beginn, wenn immense Verluste bei der Expansion anfallen. Wer zu langsam ist, riskiert, dass ihm das Geld ausgeht, bevor sich der Erfolg einstellt. Trotzdem betonen Branchenkenner immer wieder, dass es sechs bis sieben Jahre dauere, um ein Digital-Start-up profitabel zu machen. Das Problem ist: So viel Geduld haben Anleger nicht.

Als Rocket Internet Ende 2014 an die Börse ging, war die Skepsis bei vielen groß: Vertragen sich die beiden Welten? Hier der Kapitalmarkt, wo jedes noch so kleine Problem für Kursstürze sorgen kann und Quartalszahlen die wichtigste Messlatte für viele Anleger sind. Dort der Berliner Inkubator, der Start-ups am Fließband gründet und sie anschließend mit immer neuen Millionen-Summen zum Erfolg dopt, um sie zu verkaufen. Passt das zusammen?

Bislang nicht. Gestern stellte Rocket Internet seine erste Bilanz nach einem kompletten Jahr an der Börse vor. Ergebnis: Keine der wichtigsten Beteiligungen macht derzeit Gewinn. Im Gegenteil: Bei 2,4 Milliarden Euro Umsatz verbrannten Delivery Hero, HelloFresh, Home24 und Co. mehr als eine Milliarde Euro. Der Verlust bei der Holding Rocket Internet lag zwar "nur" bei 197,8 Millionen Euro (bei 128,3 Millionen Euro Umsatz), doch diese verwaltet auch nur die Beteiligungen an den Start-ups - deren Entwicklung deshalb umso wichtiger für das Unternehmen ist. Mit dem Börsengang des Modehändlers Zalando hatte Rocket Internet großen Erfolg, doch ob der Online-Handel mit Kochboxen (HelloFresh) oder Möbeln (Home24) oder dieVermittlungen von Bestellungen an Essens-Lieferdienste (Delivery Hero) ein ebenso großes Potential haben - diesen Beweis ist Rocket bislang schuldig geblieben. Noch immer pumpt das Unternehmen Millionen ins Marketing, um das Wachstum nach oben zu treiben. 2015 lag es bei den wichtigsten Beteiligungen bei 69 Prozent. Doch die Frage ist, ob sich die Geschäfte auch dauerhaft profitabel betreiben lassen? Ein neues Bett kauft man beispielsweise deutlich seltener als Schuhe. Und auch Konzepte wie das von Delivery Hero funktionieren nicht in jedem Land gleich gut. "In Deutschland gibt es keine große Lieferkultur", sagte Gründer Niklas Östberg zuletzt. In Griechenland bekäme man hingegen sieben bis acht Mal mehr Bestellungen pro Einwohner: "Dort bestellen die Leute sogar Kaffee." Trotzdem galt Delivery Hero lange als einer der heißesten Anwärter im Rocket-Portfolio für einen Börsengang. Östberg glaubt weiter daran, "wenn der Zeitpunkt richtig ist".

Das größte Problem für Rocket ist, dass Investoren Start-ups an den Börsen inzwischen nicht mehr euphorisch das Geld hinterherwerfen. Das Marktumfeld ist, wie es so schön heißt, schwieriger geworden. Den Börsengang von HelloFresh musste Rocket daher zuletzt verschieben.

Der Druck auf Oliver Samwer ist dadurch weiter gestiegen. Gestern gab der Rocket-Chef weiter Durchhalteparolen aus. Der Höhepunkt der Verluste im vergangenen Jahr sei überschritten, die Ertragslage werde sich in diesem Jahr bei weiterem Wachstum deutlich verbessern. Es bleibe das Ziel, im Jahr 2017 drei Rocket-Beteiligungen aus der Verlustzone zu bringen, betonte Samwer. Welche das sind, darüber machte er keine Angaben.

Als gute Geldanlage fürs Alter hat sich die Rocket-Aktie bislang nicht präsentiert. Lag der Kurs Anfang 2015 zwischenzeitlich sogar mal bei mehr als 56 Euro, hat er sich inzwischen mehr als halbiert.

Quelle: RP
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