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Bergheim
RWE baut 2300 Stellen bis 2020 ab

Bergheim. Die Kraftwerks-Sparte muss stärker sparen. Konzern bietet Mini-Lohnerhöhung. Innogy startet mit schlechtem Rating. Von Antje Höning

Der angeschlagene Energiekonzern RWE verschärft seinen Sparkurs. Bis zum Jahr 2020 sollen bei der Kraftwerks-Tochter RWE Generation 2300 der aktuell 14.200 Stellen wegfallen. Das kündigte Erwin Winkel, Personalchef von RWE Generation, gestern an. Bislang war RWE von 2000 zu streichenden Stellen ausgegangen. Der Abbau entfällt zu einem Großteil auf die deutschen Kraftwerke. Allein 1600 Stellen davon sollen demnach im rheinischen Revier wegfallen sowie 500 Stellen durch allgemeine Sparmaßnahmen und in den Atomkraftwerken in Deutschland. "Den Abbau wollen wir sozialverträglich gestalten und ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen", betonte Winkel.

In den Zahlen sind die 800 bis 1000 Stellen enthalten, die RWE abbauen will, weil fünf Braunkohle-Blöcke zwischen 2017 und 2019 in die Kraftwerksreserve gehen.

Derzeit befindet sich RWE Generation mit den Gewerkschaften Verdi und IG BCE in Gesprächen über einen Notlagen-Tarifvertrag, über den das Unternehmen laut IG BCE die Gehälter um 25 Prozent senken will. Das stößt auf Widerstand. "Leider bleiben nach dem jüngsten Sondierungsgespräch alle wesentlichen von uns aufgeworfenen Fragen unbeantwortet", kritisierte Peter Lafos, der für Verdi die Verhandlung mit RWE führt. Er machte klar, dass es mit Verdi keinen Notlagen-Tarifvertrag geben werde: "Eine besondere Ausnahmesituation für RWE, die über die missliche Lage der gesamten Branche hinausgeht, können die Arbeitgeber nicht darstellen."

Zugleich hat das Unternehmen ein erstes Lohn-Angebot für den gesamten Konzern gemacht: "Der Vergütungstarifvertrag soll sich an den aktuellen Inflationsraten orientieren (0,1 Prozent)", sagt Lafos. Personalchef Winkel betonte, dass nicht nur die RWE Genaration spare: "Die Personalvorstände der anderen Unternehmen sind bereit, mit uns nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen." Klar ist, dass es weiter einen gemeinsamen Lohntarif für den ganzen Konzern geben solle.

Matthias Hartung, Chef der RWE Generation, betonte, dass man durch die Einsparung von Personal- und Sachkosten die Kosten in der Erzeugung bis 2018 um 1,5 Milliarden Euro dauerhaft senken werde. Derzeit liege die Einsparung bei gut einer Milliarde Euro im Jahr im Vergleich zu 2013.

Zwar habe sich der Strompreis von seinem historischen Tiefstand von 20 Euro je Megawattstunde im Februar inzwischen auf 27 Euro erholt. "Ob und wie stabil das ist, lässt sich nur schwer einschätzen", so Hartung. "Es gibt keinen Grund zur Entspannung." Vor wenigen Jahren lag der Strompreis noch bei 60 Euro. Dieser Absturz hat viele Kraftwerke in die roten Zahlen rutschen lassen. Im ersten Quartal sank der Gewinn in der konventionellen Stromerzeugung um knapp 100 auf 354 Millionen Euro. Es ist ein einfacher Dreisatz: Geht die Talfahrt in diesem Tempo weiter, schreibt die RWE Generation im nächsten Jahr roten Zahlen.

Hartung kann mit der Leitentscheidung der rot-grünen Landesregierung zur Verkleinerung von Garzweiler II leben. Zwar bedeute sie für RWE den Verlust mehrerer Hundert Millionen Tonnen Braunkohle. "Es ist aber auch hervorzuheben, dass die Region, unser Unternehmen und seine Beschäftigten jetzt Klarheit und eine langfristige Perspektive haben." RWE werde zu allen Zusagen in der Region stehen.

Derweil treibt der Konzern die Vorbereitung für den Börsengang der Ökostrom-Tochter Innogy voran. Zu einem Problem könnte noch werden, dass Innogy kein eigenes Rating bekommt, sondern das schlechte Rating von RWE übernimmt. "Innogy hat kein eigenes Rating, da zunächst nur geringe Anteile an die Börse gehen, dass kann sich zu einem späteren Zeitpunkt aber ändern", bestätigte eine Konzernsprecherin. RWE hat nur noch "BBB-". Das ist gerade noch eine Note der Güte "Investment Grade". Bei einer weiteren Senkung wird die Aktie des Konzern zu einem Ramsch-Papier - und Innogy damit auch. Das würden vielen Fonds den Einstieg verbieten.

Quelle: RP
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