Gerüchte an der Börse: Ryanair: Interesse an Air Berlin?
VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 06.07.2007 - 07:58Düsseldorf (RPO). Die Börse wettet auf eine Übernahmeschlacht um Air Berlin. Marktgerüchte, denen zufolge der weltgrößte Billigflieger Ryanair die zweitgrößte deutsche Airline feindlich übernehmen will, trieben die Aktie von Air Berlin gestern um bis zu acht Prozent nach oben. „Wir wissen es nicht“, sagte ein Air-Berlin-Sprecher auf die Frage, ob Ryanair bei Air Berlin einsteigen wolle. Ryanair selbst nahm keine Stellung.
Per-Ola Hellgren, Luftfahrt-Experte bei der Landesbank Rheinland Pfalz, hält die Spekulation für „ungewöhnlich plausibel“. Nachdem die Übernahme der irischen Aer Lingus vor wenigen Wochen an den Kartellbehörden gescheitert sei, habe Ryanair jetzt wieder genug Geld für solch eine Übernahme.
Außerdem drängt Ryanair ins Transatlantik-Geschäft. Das wäre via Aer Lingus möglich gewesen, ist aber mit einer Air -Berlin-Übernahme noch komfortabler zu realisieren. Denn nachdem die Kartellbehörden die Übernahme der Düsseldorfer LTU genehmigt haben, will Air Berlin den Düsseldorfer Flughafen zu einem Interkontinental-Luftdrehkreuz nach Frankfurter Vorbild ausbauen. Das Übersee-Geschäft der LTU gilt als geschickt austarierter Destinationen-Mix, der mit einem solchen Drehkreuz im Rücken massive Gewinne abwerfen dürfte. Außerdem könnte Ryanair mit der Übernahme sein größtes strategisches Problem lösen: Die Dubliner sind zwar Nummer Eins im Billigflug-Geschäft, aber ausgerechnet im wichtigsten Europäischen Markt, nämlich Deutschland, sind sie mit nur sieben Flughäfen schwach aufgestellt.
„Die Synergie-Effekte wären erheblich“, meint Hellgren, „es gibt kaum Überschneidungen.“ Außerdem könnte Ryanair mit Air Berlin - Edelmarke unter den Billigfliegern - weitere Kundenschichten erschließen, ohne das eigene Geschäftsmodell „billig“ zu verwässern. Auch der Zeitpunkt für eine Übernahme wäre günstig. Denn mit knapp 17 Euro ist die Air-Berlin-Aktie derzeit unterbewertet. Hellgren und andere Analysten sehen den fairen Wert bei 19 Euro. Außerdem binden die staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen Air-Berlin-Chef Joachim Hunold und andere Führungskräfte derzeit Management-Kapazitäten, die bei einer Abwehrschlacht fehlen würden.
Trotz aller Plausibilität blieb gestern unklar, ob Ryanair tatsächlich eine solche Übernahme anstrebt. Wenn nein, wird das Gerücht nächste Woche zusammenfallen. Wenn ja, wird Ryanair zunächst versuchen, das 10,7-Prozent-Paket der Deutschen Bank zu kaufen.
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