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Dublin
Ryanair rechnet mit noch härterem Preiskampf

Dublin. Europas führende Billig-Airline Ryanair will Wettbewerber mit weiteren Preissenkungen verdrängen. Diese Strategie deutet sich nach der gestrigen Bilanzpressekonferenz an. Dabei meldete das Unternehmen erneut exzellente Zahlen: Selbst ohne den Verkauf einer Beteiligung an der Fluglinie Aer Lingus verdiente die Gesellschaft in den zwölf Monaten bis Ende März unter dem Strich 1,24 Milliarden Euro und damit rund 43 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im laufenden Geschäftsjahr dürfte es aber nicht mehr so deutlich nach oben gehen. Die sinkenden Tarife würden dazu führen, dass das Gewinnplus dieses Jahr nur bei 13 Prozent läge. Das erklärte Finanzchef Neil Soharan. Von Reinhard Kowalewsky

Tatsächlich gibt Ryanair am Anfang jedes Geschäftsjahres regelmäßig sehr vorsichtige Prognosen ab, die dann regelmäßig übererfüllt werden. Wie gut das Unternehmen im Vergleich zur Konkurrenz dasteht, zeigen die Ticketpreise und der Börsenwert.

Den durchschnittlichen eigenen Ticketpreis beziffert Ryanair laut gestriger Präsentation mit 61 Euro. Air Berlin würde dagegen im Schnitt 121 Euro kassieren, die Lufthansa 226 Euro. Der wichtigste Wettbewerber im Discount-Segment, Easyjet, kommt laut Ryanair auf 91 Euro. Dies bedeutet, dass Ryanair wegen extrem niedriger Kosten eine Nettomarge von fast 20 Prozent hat, dass der Konzern jede Preisschlacht locker mithalten kann, während die Konkurrenten pleite gehen würden.

Auch beim Börsenwert hängen die Iren jeden Wettbewerber ab. Er beträgt mit 17,4 Milliarden Euro mehr als das Dreifache von Lufthansa und praktisch das 200-fache der andauernd rote Zahlen schreibenden Air Berlin. Hauptgrund ist, dass der Kapitalmarkt davon überzeugt ist, dass Ryanair weiterhin hohe Marktanteile in Europa hinzugewinnt: Die Flottengröße soll sich mit 340 neuen Boeing 737 fast verdoppeln. Die Zahl der in Europa transportieren Passagiere soll von 106 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 180 Millionen steigen.

Dabei ist klar, dass weiteres Wachstum gerade in Deutschland angepeilt wird. Hier liegt Ryanair nach eigenen Angaben hinter Deutscher Lufthansa (inklusive Eurowings) und Air Berlin nur auf Platz drei mit mageren sechs Prozent. InSpanien, Italien, Belgien, Polen und natürlich Irland ist Ryanair bereits größte Fluggesellschaft mit Marktanteilen zwischen 18 Prozent in Polen und 49 Prozent in Irland.

Wie gefährlich Ryanair ist, zeigt eine Aufschlüsselung der Kosten: Pro Passagier und Flug kostet das Personal nur fünf Euro. Bei Air Berlin sind laut Berechnung von Ryan-air 19 Euro fällig, bei Easyjet immerhin zehn Euro. Lufthansa kommt laut den Iren sogar auf 48 Euro. Aber diese Zahl ist wegen eines völlig anderen Flächennetzes nicht vergleichbar.

Quelle: RP
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