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Düsseldorf
Ärger über gespaltene Online-Preise

Düsseldorf. Manchmal hängen Preise davon ab, wo man wohnt und wie man bestellt.

Heute ist wie jedes Jahr im Februar Safer Internet Day - der Tag, der sich unter anderem mit den Gefahren des World Wide Web auseinandersetzt. Natürlich geht es dabei vor allem um Sicherheit und Datenschutz, aber nicht nur. Das NRW-Verbraucherministerium hat den Jahrestag für eine Umfrage genutzt, bei der es um Einkaufen im Internet geht. Ergebnis der Befragung des Instituts für Verbraucherpolitik ConPolicy: Verbraucher kritisieren, dass beim Online-Shoppen die Preise teils davon abhängen, wo man wohnt, wie man zahlt und ob man über PC, Tablet oder Smartphone den Weg auf die Homepage des Verkäufers findet.

Dass dieses Phänomen existiert, haben Online-Händler wie Amazon bisher zwar vehement bestritten, aber Untersuchungen des SWR und der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sagen anderes aus. Das Computermagazin Chip fand heraus, dass Besitzer von Apple-Geräten mehr zahlten als Windows-Nutzer. Der Grund: jene, die mit iPhone, iPad oder MacBook bei Amazon surften, gelten als zahlungskräftiger. Das SWR-Magazin Marktcheck entdeckte, dass bei Amazon binnen einer Stunde der Preis für ein iPhone 6 um mehr als 100 Euro schwankte. Bei einer Nikon-Spiegelreflexkamera lagen zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Preis an einem Tag fast 1000 Euro, bei einer Canon Digitalkamera wechselte der Preis binnen eines Tages sage und schreibe 275 Mal.

Das alles ist völlig legal, weil in der Preisangabenverordnung nirgendwo steht, dass ein Verkäufer von allen Kunden nur den gleichen Preis verlangen darf. Aber Verbraucherschützer sind wegen der Preisgestaltung schon lange auf dem Baum - genau wie die Politik. "Wenn der Wohnort oder das Tablet-Modell darüber entscheidet, ob ich einen Preisaufschlag zahlen muss, dann ist das eine sehr bedenkliche Entwicklung", kritisiert NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne).

Der Hoffnungsschimmer für Verbraucher: Als die EU-Kommission im Oktober ihre Binnenmarkstrategie vorstellte, kündigte sie an, dass sie einheitliche Preise im Binnenmarkt erreichen wolle. Der Online-Handel solle da keine Ausnahme machen. In diesem Jahr soll es dazu einen Gesetzentwurf der Kommission geben. Bis dahin dürfen Verbraucher online weiter rätseln.

(gw)
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