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Essen
Schlechteres Rating: RWE-Aktie bricht ein

Essen. Die amerikanische Agentur Standard & Poor's droht, das Papier als Ramsch zu bewerten. Die Gespräche über eine 25-prozentige Lohnkürzung für Kraftwerker wurden vertagt. Auch der Konkurrent Uniper will die Gehälter kürzen. Von Antje Höning

Die Lage für den zweitgrößten deutschen Energiekonzern spannt sich weiter an. Die RWE-Aktie brach gestern um über fünf Prozent ein und war Schlusslicht im Dax, nachdem die Rating-Agentur Standard&Poor's (S&P) die Bonitätsnote auf "BBB-" gesenkt hatte. Das ist gerade noch eine Note der Güte "Investment Grade". Bei einer weiteren Senkung wird RWE zum Ramsch-Papier. Das hält S&P durchaus für möglich: Der Ausblick lautet bereits negativ. "Die Gefahr, dass die RWE-Aktie ein Junk Bond wird, ist real", sagte Sven Diermeier von Independent Research.

Das hätte gravierende Folgen für den Konzern: Er ist dann vertraglich verpflichtet, Geschäftspartnern - etwa im wichtigen Handelsbereich - Sicherheiten zu stellen. Ansonsten dürfen diese nicht weiter mit RWE handeln. Auch die Kosten für neue Kredite würden sich erhöhen: Je schlechter eine Rating-Note, desto mehr Risikoaufschlag verlangen die Geldgeber. Bei 27 Milliarden Euro Schulden, die RWE hat, eine besondere Belastung. Eine RWE-Sprecherin sagte: "Wenn man sich die Beweggründe von S&P anschaut, so kommt das Downgrade für uns leider nicht unerwartet." Vor kurzem hatte Finanzvorstand Bernhard Günther erklärt, der Konzern habe genug Reserven und sei auf eine Rating-Senkung vorbereitet.

Standard&Poor's begründete die Herabstufung mit der Empfehlung der Atomkommission, wonach RWE 6,5 Milliarden in den neuen Fonds zur Finanzierung des Atomausstiegs zahlen soll. Zudem fürchten die Bonitätswächter, dass der Börsengang der grünen Tochter die künftigen Cashflows von RWE senkt. Sie beurteilen RWE zwei Stufen schlechter als Konkurrent Eon, der die Note "BBB+" hat. Eon hat bereits erklärt, den Scheck an den Atomfonds schreiben zu können.

Um die Kosten zu drücken, will RWE nun die Gehälter der Mitarbeiter in den Kraftwerken laut Gewerkschaft IG BCE um 25 Prozent senken. Gestern fanden erste Gespräche über einen Notlagen-Tarifvertrag statt. Die Atmosphäre sei angespannt gewesen, sagte der IG BCE-Sprecher. "Wir lehnen die Gehaltseinschnitte rundweg ab."

Stattdessen bietet die Gewerkschaft an, den Beginn der normalen Lohntarif-Verhandlungen vorzuziehen und in diesem Rahmen auch über eine neue Altersteilzeit-Regelung im gesamten Konzern zu sprechen. Bislang sollen nach den Vorstellungen von RWE nur die 10.000 Beschäftigten in Tagebauen und Kraftwerken Opfer bringen. Insgesamt hat der Konzern aber 59.800 Beschäftigte.

Die Gewerkschaft Verdi prüft , ob es überhaupt einen Notlagen-Tarif für RWE geben kann, da der Absturz der Strompreise ein Branchen- und kein RWE-Problem ist. Notlagen-Tarife sind nach dem Manteltarifvertrag nur für einzelne Unternehmen möglich, wenn diese in besonderen Schwierigkeiten stecken. Am 4. und 5. Juli sollen die Gespräche in eine neue Runde gehen.

Auch Konkurrent Uniper, in den Eon seine Kohle- und Gaskraftwerke abgespalten hat, leidet unter dem Fall der Strompreise. Uniper hat die Gewerkschaften nun ebenfalls zu Gesprächen über Sparmaßnahmen wegen wirtschaftlicher Probleme aufgefordert. Der Düsseldorfer Konzern habe aber noch nicht gesagt, ob er wie RWE Weihnachts- und Urlaubsgeld, Urlaubstage und vermögenswirksame Leistungen kürzen will, so die Gewerkschaften. Am 24. Juni soll es erste Verhandlungen geben. Uniper wollte weder Inhalte noch Termine kommentieren. Uniper-Finanzvorstand Christopher Delbrück hatte aber bereits im April angekündigt: "Es wird notwendig sein, die Personalkosten zu senken." Heilige Kühe werde es nicht geben. Wo und wie viele Stellen wegfallen, soll im zweiten Halbjahr feststehen. Uniper hat rund 14.000 Beschäftigte, davon 5000 in Deutschland.

Quelle: RP
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