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Langenfeld
schließt 20 Filialen ab

Langenfeld. Eine Transfergesellschaft gibt es nach der Schließung von 20 Filialen nicht. Von Georg Winters

Wer in diesen Tagen bei Strauss Innovation einkauft, der sieht recht schnell, ob es die Filiale im nächsten Monat noch geben wird. In 20 von ihnen läuft nämlich derzeit der Ausverkauf, je nach Abverkauf und Personalstand ist spätestens Ende des Monats Schluss. Das Weihnachtsgeschäft 2015 hat Strauss noch voll mitgenommen, danach hat der Ausverkauf begonnen. Die Betroffenen wissen längst Bescheid; positiv überrascht worden sind zuletzt nur noch die Strauss-Beschäftigten in Essen und Kaiserslautern, wo die drohende Schließung noch abgewendet werden konnte. In Essen läuft zwar der Ausverkauf, aber das ändert nichts an den Fortführungsplänen.

Andere machen die Türen zu. In NRW trifft der Plan elf Filialen: je zwei in Düsseldorf und Wuppertal, je eine in Bochum, Dortmund, Grevenbroich, Mülheim/Ruhr, Mettmann, Haan und Neuss. Dazu kommen Häuser in Berlin (3), Bremen, Dresden, Frankfurt, Hamburg, Leipzig und Stuttgart. Dazu kommt das Logistik-Zentrum in Solingen. Von Strauss hat es dazu nie eine Bestätigung gegeben, aber dementiert hat das Unternehmen entsprechende Berichte genau so wenig.

Die Mietverträge in den zu schließenden Filialen wurden frühzeitig gekündigt. Endgültiges Aus, nach jahrelanger Leidenszeit, in der Strauss es nach einem Antrag auf ein Schutzschirmverfahren Anfang 2014 versucht hatte, die drohende Insolvenz in Eigenregie abzuwenden. Zwischendurch war auch ein Investor gefunden, doch die Beteiligungsgesellschaft Mühleck Family Office aus der Nähe von Würzburg sprang bald wieder ab - angeblich mit dem Argument, man habe sie über Umsatzchancen getäuscht.

Was aus den etwa 380 betroffenen Mitarbeitern (davon 300 in NRW) wird, ist in vielen Fällen offen. Ein Teil sei schon zum Jahresende ausgeschieden und habe einen neuen Arbeitsplatz gefunden, verlautet aus dem Umfeld des Unternehmens. Für die anderen steht hinter ihrer Zukunft ein Fragezeichen. Eine Transfergesellschaft, die nach dem ersten Insolvenzantrag 2014 den damaligen Mitarbeitern noch eine Atempause verschaffte, gibt es diesmal nicht. "Eine Transfergesellschaft ist nicht finanzierbar", sagt ein Sprecher des Insolvenzverwalters Horst Piepenburg (Düsseldorf). Dafür reiche die Insolvenzmasse nicht, und schließlich dürfe der Insolvenzverwalter auch die Gläubiger nicht benachteiligen. Zu denen gehören die gekündigten Mitarbeiter, die nach den zwischen Geschäftsführung und Arbeitnehmervetretern geschlossenen Vereinbarungen über Interessensausgleich und Sozialplan im Durchschnitt 2,5 Monatsgehälter Abfindung erhalten.

Der neue Eigentümer, die Deutsche Mittelstandsholding (DMH Frankfurt), ist dabei außen vor. Der Grund dafür ist ein juristischer: Die Strauss-Mitarbeiter, die bleiben, sind Beschäftigte eines anderen Unternehmens geworden. Die Firmenteile, die die DMH gekauft hat, sind aus der insolventen Strauss Verwaltungs GmbH auf die neu gegründete Strauss Innovation GmbH übertragen worden. Insolvent ist die alte Gesellschaft, mit der der neue Eigner nichts zu tun hat. Womöglich hätte er Strauss ohne eine solche Vereinbarung gar nicht gekauft.

Quelle: RP
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